Diamanten Entstehungsgeschichte umgeschrieben

Nicht alle Diamanten stammen, wie bisher angenommen, aus dem Erdaltertum. Eine deutsche Forscherin weist viel jüngere Entstehungen nach - und nimmt neue Lagerstätten für das edle Gestein an.


Greifswald - Mineralogin Dorrit Jacob hat nachgewiesen, dass nicht alle Diamanten, wie bisher grundsätzlich angenommen, schon im Archaikum - vor drei bis vier Milliarden Jahren - entstanden. Zum Teil sind sie, berichtet Jacob, Wissenschaftlerin am Geologischen Institut der Universität Greifswald, "erheblich jüngeren Datums". Völlig neue Ansätze ergäben sich damit für die Suche nach neuen Lagerstätten.

Mineralogin Dorrit Jacob vom Geologischen Institut der Universität Greifswald
AP

Mineralogin Dorrit Jacob vom Geologischen Institut der Universität Greifswald

Umfangreich untersuchte Jacob Diamanten einer neuen südafrikanischen Mine in Labors in London und am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz. An Hand radiometrischer Messungen an Einschlüssen in den Edelsteinen wies sie nach, dass Diamanten auch in erdgeschichtlich jüngerer Zeit entstanden sind.

Nur 100.000 Jahre seien manchmal vergangen, bis die Diamanten über so genannte Kimberlit-Schlote von Vulkanen aus tiefen Schichten an die Erdoberfläche befördert wurden. Ausgangspunkt ihrer Forschungen war der südafrikanische Schlot "Venetia-Kimberlit". Dort beschäftigte Jacob sich mit dem äußerst seltenen Framesit-Gestein - das hauptsächlich aus Diamanten besteht.

Bisher ist man davon ausgegangen, dass sämtliche Diamanten in sehr alten und verhältnismäßig kalten "Kontinentkielen" während des Erdaltertums entstanden sind - und Jahrmilliarden unverändert überdauerten. Die Wissenschaftlerin widerlegt die Unveränderlichkeit der 400 Kilometer in den Erdmantel reichenden Kontinentkiele.

Schwunghafter Handel: Diamanten sind weltweit begehrt
AP

Schwunghafter Handel: Diamanten sind weltweit begehrt

In der Wissenschaftszeitschrift "Science" kippte Jacob mit ihren Forschungsergebnissen das bisherige starre Bild der Diamant-Geburtsstätten - und erregte damit internationales Aufsehen. Gleichzeitig raubte sie manche Illusion über das Aussehen der Edelsteine, die in vielen Farbvarianten auftreten: Die unbearbeiteten Framesit-Diamanten, mit denen sie sich vornehmlich beschäftigt, erwecken den Eindruck von verklumptem Salz.

An Härte und Dichte unterscheiden sich jüngere Diamanten indes nicht von ihren Milliarden Jahre alten Artgenossen. Wie sie wurden sie unter extrem hohem Erddruck aus reinem Kohlenstoff zusammengepresst. Auf Welche Art und Weise der Kohlenstoff ins Erdinnere gelangte, bleibt allerdings umstritten.

Obwohl Diamanten seit 1955 künstlich hergestellt werden können, hält der weltweit schwunghafte Handel mit den natürlichen Steinen, die vor allem im südlichen Afrika und in Russland vorkommen, an: Der Weltdiamantenrat gibt einen Jahresumsatz von fast 14 Milliarden Mark an.



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.