Dinosaurier Qualvoller Tod durch Säureregen?

Nach herumfliegenden Felsbrocken und aufgewirbeltem Staub haben Forscher nun eine weitere Theorie aufgestellt, wie den Dinosauriern der Garaus gemacht wurde - durch Schwefel in der Atmosphäre.


San Francisco - Das Aussterben der Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren könnte nach neusten Erkenntnissen durch eine tödliche chemische Reaktion in der Atmosphäre verursacht worden sein. Darauf deuten neue Studien am Chicxulub-Meteoritenkrater auf der Yucatan-Halbinsel in Mexiko hin, wie Forscher bei der Herbsttagung der American Geophysical Union berichteten.

In romantischen Vorstellungen Hollywoods machen sich Dinos trotz Meteoriteneinschlags auf die Suche nach einem lebenswerten Platz. Doch die Realität sah möglicherweise viel qualvoller aus
Disney Enterprises, Inc.

In romantischen Vorstellungen Hollywoods machen sich Dinos trotz Meteoriteneinschlags auf die Suche nach einem lebenswerten Platz. Doch die Realität sah möglicherweise viel qualvoller aus

Seit den achtziger Jahren gehen Forscher davon aus dass der Chicxulub-Krater, der durch den Einschlag eines Meteoriten am Ende der Kreidezeit entstand, den entscheidenden Hinweis dafür liefert, warum die Dinosaurier und viele andere Lebewesen auf der Erde ausgestorben sind. Der kosmische Einschlag löste demzufolge eine weltweite Umweltkatastrophe aus. So wurde angenommen, dass der aufgewirbelte Staub den Himmel jahrelang verdunkelte und kein Sonnenlicht mehr durchließ.

Die "Chemie-These" wirft nun mehr als nur einen seit Jahren wachsenden, recht stabilen Konsens über die Ursache des Sauriersterbens über den Haufen. Auch das populäre Bild vom großen Saurier-Exodus, längst romantisiert und emotional aufgeladen, gerät ins Wanken: Angefangen von Bruno Bozzetos poetisch-anarchischem Film "Allegro Non Tropo" (1976), über diverse Teile der Kinderfilm-Saga "Land vor unserer Zeit" bis hin zu Disneys "Dinosaurier" hat sich das Bild der traurig dahinziehenden Saurier-Karawane verfestigt, die der drohenden Vernichtung durch die Flucht ins "grüne Tal", dem letzten Refugium, entkommen sucht.

Dass sie dieses finden, liegt vor allem daran, dass man bisher davon ausging, dass es sich beim Sauriersterben um einen durch eine Naturkatastrophe eingeleiteten, immerhin aber relativ langwierigen Prozess handelte. Von weniger populären Theorien wie der, dass die Saurier an Nahrungsverknappung oder -unverträglichkeit starben, als die Blütenpflanzen aufkamen, bis hin zu Erklärungsansätzen wie Vulkanismus ging man steht davon aus, dass der Exodus wenn nicht Jahrtausende, so doch mindestens Jahrhunderte gedauert habe.

Der neue Erklärungsansatz bereitet den Sauriern hingegen ein zwar relativ schnelles, aber auch äußerst qualvolles Ende Kein Stoff für Kinderfilme. Bei neuen Bohrungen an dem riesigen Krater sind die Forscher nun auf Carbonat- und Sulfatgestein gestoßen, wie Virgil Sharpton vom Geophysikalischen Institut der Universität von Alaska berichtete. Einer neuen Theorie zufolge könnten diese beim Einschlag des Meteoriten unter enormem Druck verdampft sein - ein Prozess, der eine chemische Reaktion ausgelöst haben könnte, bei der Schwefel und Kohlendioxid freigesetzt wurden.

Die giftigen Schwefelverbindungen könnten nach Ansicht Sharptons mehrere Jahrzehnte lang in der Atmosphäre vorhanden gewesen sein. Gelöst in Wasser entstand so vermutlich eine ätzende Säure. Demzufolge ist es nach Ansicht von Forschern gut möglich, dass die Dinosaurier entweder erstickt oder am Säureregen gestorben sind.



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.