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Entdecker der Doppelhelix: Helden der Forschung

Foto: COLD SPRING HARBOR LABORATORY/ AP

60 Jahre DNA-Beschreibung Die Entdeckung der Schrift des Lebens

Ein zwei Seiten kurzer Aufsatz veränderte unsere Sicht auf die Welt: Vor genau 60 Jahren enthüllte ein kleines Forschungsteam die Grundlage allen Lebens - den Aufbau des Erbguts. Eine Forscherin, die wesentliche Beiträge zu der Arbeit gelegt hatte, ging beim Nobelpreis allerdings leer aus.

In schräger Schrift bringt Francis Crick seine Freude zu Papier. "Wir sind sehr aufgeregt", schreibt er an seinen damals zwölfjährigen Sohn Michael. "James Watson und ich haben wahrscheinlich eine sehr wichtige Entdeckung gemacht." Mit Strichen und Kreisen versucht Crick seinem Sohn zu erklären, worum es geht: "Des-oxy-ribo-nuklein-säure (lies es vorsichtig), kurz DNA."

Nur wenige Tage zuvor hatten Crick und Watson nach fast zwei Jahre dauernder intensiver Knobelei die Struktur des Erbmaterials entschlüsselt. Die Entdeckung, die heute als eine der bedeutendsten in der Geschichte der Wissenschaft gilt, wurde am 25. April vor 60 Jahren erstmals im Magazin "Nature" beschrieben.

Auf noch nicht einmal zwei Seiten erklären die beiden jungen Forscher in ihrem Beitrag  die "Grundlage des Lebens": Das Erbmaterial DNA (Englisch für desoxyribonucleic acid) hat die Struktur einer spiralförmig gedrehten Strickleiter, einer sogenannten Doppelhelix, deren Sprossen jeweils aus zwei Bausteinen bestehen. "Diese Struktur hat neuartige Eigenheiten, die für die Biologie von großem Interesse sind", schreiben Watson und Crick. "Es ist uns nicht entgangen, dass die Paarbildung, die wir beschreiben, sofort einen möglichen Kopiermechanismus für das genetische Material andeutet."

Statt zu experimentieren, hatten die beiden Experten Forschungsergebnisse anderer Wissenschaftler zusammengefügt. Bekannt war: Das Erbgut enthält jeweils gleich viele Teile der Basen Adenin (A) und Thymin (T) sowie Guanin (G) und Cytosin (C). Crick und Watson fanden heraus, dass A und T sowie G und C sich jeweils zu einer Art Leitersprosse miteinander verbinden und die gewundenen Ketten aus Phosphat und Zucker die Sprossen zusammenhalten. Mit Hilfe von Enzymen kann sich die Struktur selbst verdoppeln.

Die Frau im Hintergrund

Den "zugrundeliegenden Kopiermechanismus, der Leben aus Leben entstehen lässt", nennt Crick die Entdeckung in dem Brief an seinen Sohn. Sie legte die Basis für die gesamte Gentechnik und machte gezielte Eingriffe ins Erbgut möglich. Wichtige Vorarbeit hatten die Forscher Maurice Wilkins und Rosalind Franklin geleistet, deren Röntgenbilder gezeigt hatten, dass die Struktur der DNA zweier umeinander gewundener Ketten ähnelt.

1962 erhielten Watson, Crick und Wilkins gemeinsam den Nobelpreis für Medizin. Franklin ging leer aus, sie war vier Jahre zuvor an Eierstockkrebs gestorben. Ein vor drei Jahren entdeckter Briefwechsel hatte enthüllt, wie erbittert der Wettstreit zwischen den Forschern war.

Auch Crick und Wilkins sind inzwischen tot. Der heute 85-jährige Watson hat zuletzt nicht nur für positive Schlagzeilen gesorgt. 2007 musste er nach rassistischen Äußerungen über eine angeblich geringere Intelligenz von Schwarzen von seiner Funktion als Kanzler des renommierten Cold Spring Harbor Laboratoriums nahe New York zurücktreten.

Anfang April zeigte sich der Molekularbiologe, den das "Time"-Magazin unter die 100 einflussreichsten Menschen des 20. Jahrhunderts wählte, dann aber doch in New York. Der Brief, den sein Kollege Crick damals vor 60 Jahren an seinen Sohn Michael geschrieben hatte, wurde für die Rekordsumme von mehr als sechs Millionen Dollar (etwa 4,6 Millionen Euro) versteigert - und Watson saß im Publikum.

Er habe damals sofort verstanden, dass sein Vater und dessen Kollege Watson eine große Entdeckung gemacht hätten, sagt Michael Crick. "Der Brief ist so voller Aufregung und Enthusiasmus, dass es schwer war, das nicht mitzubekommen."

Von Christina Horsten, dpa
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