Dolly-Depression Klonforscher vermisst Klonschaf

Dem schottischen Klonexperten Ian Wilmut macht der Tod seiner Schöpfung Dolly zu schaffen: Er vermisse das extravagante Schaf nicht nur persönlich, sondern auch als "Symbol für den Fortschritt", gestand der Experte.


Wilmut, ausgestopfte Dolly: "Ich vermisse sie auch als Symbol"
DPA

Wilmut, ausgestopfte Dolly: "Ich vermisse sie auch als Symbol"

Wenn sich Ian Wilmut an seine Schöpfung erinnert, weiß er nur Gutes zu sagen: "Dolly war schon ein sehr extravagantes und zutrauliches Schaf, fast ein Haustier. Und sie hat sehr viele interessante Menschen zu mir geführt, die ich sonst nie getroffen hätte", erklärte der gerührte Experte am Montag vor einer Gastvorlesung an der Technischen Universität Berlin.

Doch nicht nur aus persönlichen Gründen schmerzt Wilmut der Tod des im Februar eingeschläferten Wolltieres, das 1996 als erster erfolgreich aus einer erwachsenen Zelle geklonter Säuger in die Geschichte eingegangen war. "Ich vermisse Dolly auch als Symbol für den Fortschritt in der Wissenschaft", sagte der Professor vom Roslin-Institut bei Edinburgh.

An einen geklonten Ersatz für das berühmte Schaf mag der Experte nicht denken: "Wir haben das Geld dafür nicht", gestand Wilmut. "Außerdem ist die Überlebenschance für Klontiere noch zu gering. Da muss noch viel geforscht werden." Eher kann er es sich vorstellen, Tiere auf gentechnischem Weg resistent gegen Krankheiten wie die Maul- und Klauenseuche zu machen. "Vielleicht auch gegen die Lungenentzündung, die Dolly bekommen hat."

Beim Menschen hält der Wissenschaftler, der dem Verfahren zu breiter öffentlicher Aufmerksamkeit verhalf, das reproduktive Klonen erst recht für problematisch - auch aus sozialen Gründen. "Stellen Sie sich vor, Sie würden den Fußballspieler David Beckham klonen", sagte Wilmuts. "Der Erwartungsdruck wäre doch furchtbar für ein Kind."



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