Methan-Emissionen Trump will wohl Auflagen für gefährliches Klimagas lockern

Bei der Förderung von Öl und Erdgas wird klimaschädliches Methan frei. Bisher muss die US-Industrie Umweltauflagen erfüllen, um den Ausstoß zu kontrollieren. Laut Medienberichten könnte sich das bald ändern.

Fracking-Bohrloch im US-Bundesstaat Colorado
grandriver/ Getty Images

Fracking-Bohrloch im US-Bundesstaat Colorado


Die Regierung von US-Präsident Donald Trump soll derzeit an einer Lockerung von Umweltgesetzen für die Öl- und Gasindustrie arbeiten. Das geht aus verschiedenen Medienberichten hervor. Unter Berufung auf Ölindustriemitarbeiter hatte zunächst das "Wall Street Journal" über den Vorstoß berichtet.

Demnach sieht der Plan der US-Umweltschutzbehörde EPA (Environmental Protection Agency) vor, dass Methanemissionen aus der Förderung von Gas und Öl künftig weniger streng überwacht werden. Derzeit müssen Unternehmen beispielsweise Bohrlöcher, Pipelines oder Lagereinrichtungen mit aufwendiger Technik ausstatten, um Lecks zu identifizieren, aus denen das klimaschädliche Gas austritt, und diese anschließend abdichten zu können.

Künftig soll das nicht mehr notwendig sein. Umweltschützer befürchten deshalb, dass die Methanemissionen weiter steigen könnten. Die Förderung von Öl und Erdgas trägt derzeit etwa zu einem Drittel zu den US-Methanemissionen bei.

Die Überwachungsregelung zum Klimaschutz war noch unter der Regierung von Trumps Vorgänger Barack Obama in Kraft getreten. Trump hat bereits einige dieser Gesetze rückgängig gemacht - etwa den Schutzstatus von Nationalparks. Zuletzt hat er angekündigt, Regenwälder in Alaska zur Abholzung freigeben zu wollen. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit baute er die EPA personell um und ernannte Scott Pruitt zum Chef der Behörde. Der Anwalt gilt als Industrielobbyist, ist 2018 aber von seinem EPA-Posten zurückgetreten.

Umweltklagen erwartet

Allerdings ist eine Änderung des Gesetzes längst noch nicht beschlossen. Ein Entwurf müsste umfassend überarbeitet werden und könnte frühestens im kommenden Jahr fertig sein. Zudem könnten Umweltklagen den Vorstoß stoppen.

Methan (CH4) gilt als klimaschädliches Treibhausgas, dessen Einfluss auf den globalen Temperaturanstieg lange unterschätzt wurde. Dabei treibt es die globale Erwärmung viel stärker voran als Kohlendioxid (CO2). Methan ist der Hauptbestandteil von Erdgas und kommt in der Natur vor. Gelangt das farb- und geruchlose Gas in die Atmosphäre, oxidiert es zu Kohlenmonoxid und später zu Kohlendioxid.

In den vergangenen Jahren sind die Methankonzentrationen in der Atmosphäre stark gestiegen. Ein Grund dafür sind die tauenden Permafrostböden in den Kälteregionen der Erde. In diesen Böden ist eine große Menge an Biomasse aus abgestorbenen Pflanzen konserviert. Sobald sie tauen, beginnt die Zersetzung durch Mikroorganismen. Dabei werden CO2 und Methan freigesetzt.

Ein weiterer Grund für höhere Methanemissionen könnte die gestiegene Förderung von Schiefergas sein. Das vermuteten Forscher zuletzt Anfang August in einer Studie.

Dabei wird die umstrittene Fracking-Methode angewendet. Vor allem die USA und Kanada nutzen das Verfahren, um an früher unzugängliche Erdgasvorkommen zu gelangen. Beim Fracking wird das Schiefergestein zunächst angebohrt und dann Flüssigkeit unter hohem Druck ins Gestein gepresst. In der Gesteinsschicht kommt es zu Rissen, durch die das Gas entweicht und am Bohrloch zutage tritt.

Seit 2005 ist in Nordamerika die Fracking-Förderung von 31 auf 435 Milliarden Kubikmeter Gas gestiegen.

joe

insgesamt 57 Beiträge
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espet3 29.08.2019
1.
Schon wieder ist Trump der Böse. Es ist doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn man die Methanmengen im Zuge des Aufweichens des Permafrostes dagegen hält.
HeinBlöd 29.08.2019
2. Tausend Nadelstiche
Wenn ich dann im Bekanntenkreis solche naiven Verharmlosungen a la "naja, er ist doch ganz amüsant, und wirklichen Schaden hat er bisher noch nicht angerichtet, der Trump" höre... diese Sachen die er hier im Hintergrund, heimlich still und leise veranstaltet sind vermutlich noch die viel schlimmeren Schäden als das Rumgeschrei auf Twitter.
Gluehweintrinker 29.08.2019
3. Everglades trocken legen, Grand Canyon als Stausee nutzen!
Komm, Donald, das wäre doch gelacht, wenn wir nich jeden Nationalpark noch versauen durch "wirtschaftliche Nutzung". Im Yellowstone Park könnte man heiße Quellen für ein Riesen-Spaßbad verwenden, und Fernheizung. Ach, nee.... wegen Kohle braucht man das ja nicht, egal. In den Everglades ließe sich durch Trockenlegung reichlich neues Bauland schaffen, für Hotels, Resorts, Golfplätze. Rocky Mountains National Park? Hey, wegen der Erwärmung muss der Skizirkus in höhere Lagen ausweichen, warum auch nicht? Der Grand Canyon würde sich doch als Super-Stausee prima nutzen lassen, oder? Im Monument Valley ließe sich bestimmt der eine oder andere Steinbruch einrichten für pittoreske Steingärten, Grabsteine, Gehwegplatten. Mount Rainier? Super Quelle für Bau- und Feuerholz! Death Valley? Mit reichlich Bewässerung wachsen da auch Tomaten! Yosemite? Da stehen viel zu viele nutzlose Bäume herum, warum also Ikea-Möbel aus China importieren? Donald, du schaffst das - Ärmel hochkrempeln und los.
tommix68 29.08.2019
4. Hey, USA...
macht nur. Wir in Deutschland werden mit unserem Aktionismus das Klima schon retten... Aber dann verklagt doch nicht so scheinheilig unsere Automobilindustrie! Was wohl Gretel Thunfisch dazu sagt?
Gluehweintrinker 29.08.2019
5. Mit solchen Herabwürdigungen disqualifizieren Sie sich selbst
Zitat von tommix68macht nur. Wir in Deutschland werden mit unserem Aktionismus das Klima schon retten... Aber dann verklagt doch nicht so scheinheilig unsere Automobilindustrie! Was wohl Gretel Thunfisch dazu sagt?
Wenn einer nicht mehr weiter weiß, wie er andere Menschen und deren legitime Anliegen in den Schmutz ziehen kann, dann beginnt er Namensspielchen. Wie erbärmlich.
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