Dopingvorwürfe "Nature" entschuldigt sich bei Chinas Wunderschwimmerin

Ihr Weltrekord bei den Olympischen Spielen verblüffte. Mancher unterstellte der chinesischen Wunderschwimmerin Ye Shiwen Doping - darunter auch das renommierte Wissenschaftsblatt "Nature". Das Magazin hat sich nun für die erhobenen Vorwürfe bei der Sportlerin entschuldigt.
Ye Shiwen: "Wenn ein ausländischer Athlet solche Ergebnisse erzielt, ist es ein Wunder"

Ye Shiwen: "Wenn ein ausländischer Athlet solche Ergebnisse erzielt, ist es ein Wunder"

Foto: Hannibal/ dpa

Berlin - Für die einen war es ein sportliches Wunder, andere vermuteten Doping als Erklärung für die außerordentlichen Leistungen der 16-jährigen Schwimmerin Ye Shiwen. Auch das Wissenschaftsmagazin "Nature" säte in einem Artikel Zweifel , ob die Chinesin allein durch Training so schnell schwimmen konnte.

Ye hatte einen Weltrekord im Rennen über 400 Meter Lagen aufgestellt. "Nature" verwies unter anderem darauf, dass die Schwimmerin wenige Wochen zuvor dieselbe Strecke noch sieben Sekunden langsamer geschwommen war. Später korrigierte "Nature" diese Aussage, die Zeit stammte tatsächlich aus einem Rennen im Juli 2011.

Als Indiz für mögliches Doping wurde von dem Magazin zudem die Zeit gewertet, in der Ye die letzten 50 Meter zurückgelegt hatte. Mit 28,93 Sekunden war sie sogar schneller als der Amerikaner Ryan Lochte im Männerwettkampf auf 400 Meter Lagen. Lochte hatte wie Ye die Goldmedaille in dieser Disziplin gewonnen. Eine 16-jährige Chinesin, die schneller schwimmt als der beste Mann - das galt als verdächtig.

Ye wehrte sich prompt gegen die Unterstellungen: "Wie kann ich mit Lochte verglichen werden?", fragte Ye im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Xinhua: "Seine 400-Meter-Zeit war mehr als 20 Sekunden besser als meine, und er war im letzten Teil des Rennens völlig entspannt. Ich habe dagegen versucht, von hinten vorbeizuziehen."

Der "Nature"-Artikel über olympische Bestleistungen bescherte dem Magazin eine Vielzahl kritischer Kommentare. Mancher warf dem Magazin sogar Rassismus vor. Lai Jiang, ein Chemiker von der University of Pennsylvania, sprach von einer "Schande". Das Magazin hätte einen derart unwissenschaftlichen Artikel nicht veröffentlichen dürfen. Er warf "Nature" Rosinenpickerei vor. Zum einen sei die Leistungssteigerung von mehreren Sekunden angesichts des jungen Alters der Schwimmerin durchaus erklärbar. Und zum anderen habe sich der Amerikaner Lochte auf den letzten 50 Metern geschont für spätere Wettbewerbe.

Die beiden Chefredakteure Tim Appenzeller und Philip Campbell entschuldigten sich bei Ye Shiwen und den "Nature"-Lesern  für die Fehler und die wenig detaillierte Diskussion der Statistiken. Man habe den Eindruck erweckt, die Dopingvorwürfe gegen die Schwimmerin zu unterstützen. Dies sei aber nicht beabsichtigt gewesen.

hda
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