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17. Dezember 2001, 17:46 Uhr

Doppelgrab

Zwei Bajuwaren halten sich die Hände

Ein ungewöhnliches Grab mit den Skeletten zweier bajuwarischer Krieger haben Archäologen bei Landshut freigelegt. Offenbar waren die Männer unzertrennliche Kampfgefährten: Sie wurden Hand in Hand bestattet.

Hand in Hand bestattet: Grab zweier bajuwarischer Krieger bei Ergolding
AP

Hand in Hand bestattet: Grab zweier bajuwarischer Krieger bei Ergolding

Eine außergewöhnliche Entdeckung haben Archäologen in Bayern gemacht: In einem Grabhügel fanden sie neben reichen Beigaben die Überreste zweier bajuwarischer Krieger, die Seite an Seite bestattet wurden, Hand in Hand und die Gesichter einander zugewandt. Offenbar waren die Männer im frühen 7. Jahrhundert Waffenbrüder gewesen, die gemeinsam in die Schlacht gezogen und gefallen waren, erklärte der Archäologe Bernd Engelhardt vom bayerischen Landesamt für Denkmalpflege.

In dem Grabhügel bei Ergolding nordöstlich von Landshut befanden sich insgesamt sechs Skelette - auch das ist ungewöhnlich. Weil die Stätte wissenschaftlich herausragend sei, bargen die Wissenschaftler drei der Gräber vollständig samt dem Erdreich. Der eine Tonne schwere Fund wurde in einer Holzverschalung in eine archäologische Werkstatt bei Augsburg transportiert.

Dort wollen Restauratoren die einschneidigen Hiebschwerter ("Saxe"), zweischneidigen Langschwerter ("Spathen") und die mit Ornamenten reich verzierten eisernen Schildbuckel, die einst mit Nieten auf lederbespannte Holzschilden befestigt waren, wiederherstellen. Zu den Grabbeigaben gehören auch eine kostbare Schüssel aus Bronzeblech, eine große eiserne Schere und ein Knochenkamm - häufiges Utensil in Germanen-Gräbern und Beleg dafür, dass hier freie Krieger bestattet wurden, die zu Lebzeiten lang wallendes Haar getragen hatten.

Die Beigaben und die Größe des von einem 14 Meter breiten Graben geschützten Grabhügels zeigen, dass die Toten der Oberschicht angehörten. Den eisernen Sporen zufolge waren sie frühe Ritter. Aus Angst vor Grabräubern hatten die Archäologen ihre Entdeckung zunächst geheim gehalten.

In Ergolding sind in den vergangenen Jahrzehnten über 300 Gräber ausgegraben worden. Aus Urkunden aus dem 9. Jahrhundert ist bekannt, dass in dem Marktort Regierungskonferenzen abgehalten wurden. Auch der fränkische König Karlmann, der Enkel Karls des Großen, war in Ergolding.

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