Dreißigjähriger Krieg Tausende Spuren der Schlacht bei Lützen entdeckt

Die Schlacht bei Lützen in Sachsen-Anhalt gilt als bedeutendstes Gefecht des Dreißigjährigen Krieges. Jetzt haben Archäologen auf dem ehemaligen Kampfplatz 10.000 Relikte geborgen. Auch die verhängnisvolle Schwachstelle der schwedischen Truppen wurde entdeckt.

dapd

Lützen - Die Hauptschlacht des Dreißigjährigen Krieges fand im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt statt: Dort standen sich 1632 bei Lützen die Schweden unter Gustav II. Adolf und die kaiserlich-katholischen Truppen unter dem Feldherrn Wallenstein gegenüber. Etwa 40.000 Mann kämpften gegeneinander, auf beiden Seiten fielen insgesamt 6500 Soldaten. König Gustav II. Adolf selbst wurde am 16. November 1632 bei Lützen tödlich verwundet.

Archäologen haben auf dem ehemaligen Schlachtfeld nun 10.000 Zeugnisse des folgenreichsten Kampfes des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) gefunden. Die Forscher konnten auch die verhängnisvolle Schwachstelle der schwedischen Truppen von König Gustav II. Adolf nachweisen. Im Zentrum der schwedischen Angreifer habe es eine Lücke gegeben, in die die gegnerische kaiserliche Armee unter General Wallenstein stoßen konnte, wie das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie mitteilte. Neben dem König verloren auch 1300 schwedische Soldaten dabei ihr Leben.

Das Gelände der historischen Schlacht ist bislang zu einem Drittel von Archäologen untersucht worden. Seit 2006 seien etwa eine Million Quadratmeter Fläche mit Metallsonden erforscht worden, sagte Landesarchäologe Harald Meller. Bei diesem Vorhaben handele es sich um "das größte Projekt zur Schlachtfeld-Archäologie in Europa".

Gürtelschnallen und Geschosse

Unter den Fundstücken hätten sich vor allem Geschosse, Schnallen, Knöpfe und Beschläge von Rüstungen befunden. Als einen besonderen Fund hob Meller die Darstellung eines bronzenen Löwenkopfes in der Größe einer Münze hervor. Im Maul des Löwen windet sich eine Schlange.

Projektleiter André Schürger bezeichnete den Fund als schwedische Propaganda. Der Löwe symbolisiere König Gustav Adolf (1594 bis 1632) als Verteidiger des Protestantismus. Seine katholischen Feinde sind als Schlange dargestellt. Laut Schürger handelt es sich um ein Einzelstück. Der Löwenkopf sei an einer besonderen Stelle vom schwedischen Archäologen Bo Knarrström gefunden worden: An ihr soll sich während der Schlacht die Leibgarde des Schwedenkönigs aufgehalten haben.

Zu den außergewöhnlichen Funden vom Schlachtfeld zählen auch zwei Hakenverschlüsse, die Figuren ähneln. Laut Schürger handelt es sich dabei um Zeugnisse der sogenannten Nürnberger Rotschmiedearbeit. Wenige Monate vor der Schlacht bei Lützen hatten sich Wallenstein und Gustav Adolf vor Nürnberg bereits gegenübergestanden.

Suche nach Gefallenen

Noch in diesem Jahr soll nach Massengräbern gesucht werden, in denen vor 379 Jahren die Gefallenen begraben wurden. Bislang gebe es nur vage Vermutungen über die Standorte, sagte Archäologin Susanne Friedrich. Sie geht davon aus, noch Gebeine zu finden.

Mit Fahnen will das Landesamt für Archäologie künftig den Verlauf der Linien der verfeindeten Truppen darstellen. Möglich sei auch ein Besucherzentrum in Lützen, in dem Details der Schlacht und ausgegrabene Gegenstände präsentiert werden. Bereits 2012 plant die Stadt Lützen eine Ausstellung über Wallenstein. Dann sollen auch die ersten Schlachtfeldfunde der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Eine Untersuchung des gesamten Schlachtfeldes im Rahmen des internationalen Forschungsprojekts von deutschen, schwedischen und britischen Archäologen werde nicht möglich sein, sagte Meller. Er rechnet damit, dass etwa die Hälfte bis zwei Drittel der Feldes untersucht werden könnten. Die restliche Fläche sei bebaut worden oder von Wäldern bedeckt.

boj/dapd/dpa

insgesamt 33 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
M@ESW, 15.04.2011
1. _
Zitat von sysopDie Schlacht bei Lützen gilt als bedeutendstes*Gefecht des Dreißigjährigen Krieges. Jetzt haben Archäologen auf dem ehemaligen Kampfplatz*10.000 Relikte geborgen. Auch die verhängnisvolle Schwachstelle der schwedischen Truppen wurde entdeckt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,757268,00.html
Na Endlich! Dann direkt einmarschieren, jetzt kriegen wir sie ;)
ixelloise 15.04.2011
2. .
Zitat von sysopDie Schlacht bei Lützen gilt als bedeutendstes*Gefecht des Dreißigjährigen Krieges. Jetzt haben Archäologen auf dem ehemaligen Kampfplatz*10.000 Relikte geborgen. Auch die verhängnisvolle Schwachstelle der schwedischen Truppen wurde entdeckt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,757268,00.html
Nachfolgende Generationen möchten ja auch noch was finden!
albert schulz 15.04.2011
3. Wahnsinn
Sofort alle hinfahren. Habe ich mit jedem noch so kleinen Kaff aus dem "de bello gallico" gemacht und es hat sich echt gelohnt. Vermutlich werde ich ein zweiter Clausewitz. Natürlich nur, falls ich berichte. Das ist derzeit noch unklar. Aber wenn mir so langweilig wird wie Cäsar damals wäre es zumindest möglich. Man könnte natürlich auch erwägen, wieder mal den Spiegel zu abonnieren. der soll fast qso lawl
metaller16 15.04.2011
4. zzzz
Finde ich auch wahnsinnig interessant. Erst das Gezeter um die blöde Himmelsscheibe, jetzt diese atemberaubenden Sensationsfunde. Aber immerhin, man bewegt sich ja zeitmäßig auf die Gegenwart zu. Natürlich nur falls nicht jemand die abgeschnittenen Fingernägel vom Neandertaler findet, die man ja auch schon so lange sucht.
ms66 15.04.2011
5. metalldetektoren
ob sich mit diesem Artikel das LDA-LSA einen wirklichen Gefallen tut? Es sei hier nur darauf hingewiesen, dass in fast allen Bundesländern, das Sondengehen mit Metalldetektoren nicht erlaubt ist. Falls hier jetzt also allzu viele gleich zu ihrem Elektronik-Höker ihres Vertrauens rennen und sich so'n Ding beschaffen ... Lasst Euch durch die netten Bilder nicht dazu verführen: die Strafen können von Bundesland zu Bundesland recht schmerzhaft werden.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.