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Einbruch in Museum: Gold und Glitzer im Grünen Gewölbe

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Museumseinbruch in Dresden Das sind die wertvollsten Exponate im Grünen Gewölbe

Mit dem Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden gelingt Dieben ein spektakulärer Coup. Das Museum verfügt über eine der reichsten Schatzkammern Europas. Was wird hier gezeigt?

Nach allem, was bislang über den Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden bekannt ist, sind die Täter sehr gezielt vorgegangen - und beinahe filmreif. Zuerst setzten sie wohl einen Stromkasten in Brand, der das berühmte Museum in Dresdens Altstadt mit Energie versorgt. Dann stiegen sie in das Dresdner Residenzschloss ein und gelangten so in die Schatzkammer des Grünen Gewölbes. Die Räume des Museums sind eigentlich streng gesichert.

Der Raubzug dürfte einer der spektakulärsten der letzten Jahre sein. Die Kriminellen haben wohl historischen Schmuck, Diamanten und andere Edelsteine gestohlen - was genau war zunächst nicht bekannt. Inzwischen gibt es konkrete Angaben zur Beute.

Das Grüne Gewölbe ist eines der ältesten Museen Europas, es verfügt über eine der reichsten Schatzkammern. Insgesamt mehr als 4000 Ausstellungsstücke werden im Westflügel des Dresdner Residenzschlosses präsentiert. Im Erdgeschoss befindet sich das Historische Grüne Gewölbe mit dem überwiegenden Teil der Sammlung, ein Stockwerk höher das Neue Grüne Gewölbe, wo besondere Einzelstücke präsentiert werden.

Die Täter waren offenbar nur im historischen Teil auf Beutezug. Zu der Sammlung gehören auch Stücke aus dem Mittelalter. Im Luther-Kabinett wird beispielsweise ein Siegelring des Reformators gezeigt. Vor allem aber beherbergen die prachtvoll ausgestatteten Räume des historischen Teils rund 3000 Meisterwerke aus Gold, Silber, Edelsteinen, Elfenbein, Bernstein, Bergkristall oder Schildpatt - meist frei auf Konsolen und Tischen vor verspiegelten Wänden ausgelegt. Der Wert der Kunstgegenstände liegt im Milliardenbereich.

Einer der größten Juwelenschätze Europas

Besucher müssen eine Klima- und Staubschleuse durchqueren, bevor sie in die zehn Räume gelangen. Zu den Prunkstücken der Ausstellung gehören Arbeiten des Hofgoldschmieds von August dem Starken (1670-1733). Der schillernde Wettiner-Fürst und polnische König richtete von 1723 bis 1729 mithilfe des Architekten Matthäus Daniel Pöppelmann die barocke Schatzkammer ein, um seinen Reichtum einer ausgewählten Öffentlichkeit zu präsentieren.

Heute steht hier etwa der "Mohr mit Smaragdstufe". Die mehr als 60 Zentimeter große Skulptur ist mit Smaragden, Rubinen, Saphiren, Topasen, Granaten, Almandinen und Schildpatt besetzt. August der Starke ließ sie 1724 anfertigen, um 16 aus Kolumbien stammende Edelsteine zu zeigen. Auch die sogenannten Juwelen-Garnituren werden hier präsentiert, sie zählen zu den größten Juwelenschätzen Europas. Dabei wurden unterschiedliche Edelsteine sowie Perlen zu einzigartigen Schmuckstücken verarbeitet. Ein weiterer Höhepunkt der ausgestellten Goldschmiedearbeiten ist der "Obeliscus Augustalis", ein mehr als zwei Meter hoher Obelisk mit 240 Edelsteinen.

Zu den Preziosen in Dresden gehören unter anderem auch verschiedene Stücke aus Bernstein: Dazu zählt etwa der Bernsteinkabinettschrank, er war einst ein Geschenk Friedrichs II. von Preußen an August III. und wurde in Königsberg gefertigt.

2,6 Millionen Besucher pro Jahr

Das Museum zählt zu den Besuchermagneten Dresdens. Zwischen 2014 und 2018 kamen laut Statistik der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, zu denen das Grüne Gewölbe gehört, in beide Ausstellungen zusammen mehr als 2,6 Millionen Besucher.

Das Historische Grüne Gewölbe wurde 2006 nach jahrelangen und aufwendigen Renovierungsarbeiten von Kanzlerin Angela Merkel eingeweiht. Das Neue Gewölbe feierte bereits 2004 Eröffnung. Drei Räume des Gewölbes waren Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 bei Bombenangriffen zerstört worden.

Die Rote Armee beschlagnahmte die bereits 1942 auf die Festung Königstein im Elbsandsteingebirge ausgelagerten Kostbarkeiten und brachte sie in die Sowjetunion. 1958 kehrte die Sammlung zurück, eine Auswahl der Schatzkammerbestände wurde seit 1974 zunächst im Dresdner Albertinum gezeigt. In die 15 Jahre dauernde Wiederherstellung der barocken Räume - vom Bernsteinkabinett über den Pretiosensaal bis zum Juwelenzimmer - investierte der Freistaat Sachsen 45 Millionen Euro.

Immerhin: Eines der wertvollsten Stücke der Sammlung konnten die Diebe nicht erbeuten - den Grünen Diamanten. Er ist normalerweise im Neuen Grünen Gewölbe ausgestellt, aber derzeit verliehen und wird im Metropolitan Museum of Art in New York gezeigt. Der Stein, der ursprünglich aus Indien oder Brasilien stammt, hat 41 Karat und gilt als der größte grüne Diamant der Welt.

joe/aci/dpa