Druiden Mistelzweig und Menschenopfer

Wer waren die Druiden? Ihre Rituale werden von den Chronisten der Antike in allen Facetten beschrieben, doch der Wahrheitsgehalt der Berichte ist dürftig. Allmählich gelingt es Historikern und Archäologen, die einst mächtige Elite der Kelten begreifbar zu machen.

Getty Images

Von Bernhard Maier


Mit ihren wilden Kriegerscharen hielten die Kelten in den vier Jahrhunderten vor Christi Geburt Griechen und Römer in Atem. Doch wenn zeitgenössische Autoren von den Kelten berichteten, durften sie nicht fehlen: die Druiden, jene mysteriösen Priester, die mit ihrer politischen Macht und ihrem geheimen Wissen auf eine Mischung aus Argwohn und Faszination stießen. "Manche behaupten, die Beschäftigung mit der Philosophie habe ihren Anfang bei den Barbaren genommen", schrieb vor rund 1800 Jahren der griechische Autor Diogenes Laertios in seinem Buch über Leben und Meinungen berühmter Philosophen. "Es habe nämlich bei den Persern die Magier, bei den Babyloniern und Assyrern die Chaldäer, bei den Indern die Gymnosophisten und bei den Kelten die so genannten Druiden gegeben."

Doch wie so oft, wenn es um die Erforschung der Druiden geht, liefert uns auch Diogenes Laertios nur Wissen aus zweiter Hand. Und dessen Ursprünge sind unsicher. Gewiss ist aber, dass die keltischen Priester spätestens seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. bei den Griechen und Römern durchaus als Philosophen geachtet waren.

Eines der ältesten Zeugnisse der druidischen Weltanschauung stammt aus der Feder von Julius Cäsar. In seinem "Gallischen Krieg" heißt es: "Viel disputieren sie über die Gestirne und ihren Lauf, die Größe der Welt und der Erde, die Natur der Dinge und das Walten und die Macht der unsterblichen Götter und geben das dann an die Jugend weiter." Funde wie der Bronzekalender von Coligny bestätigen diese Aussagen.

Namen in Hülle und Fülle

Auch über die keltische Götterwelt gibt Cäsar Auskunft. "Von den Göttern verehren sie am meisten Merkur. Von ihm gibt es die meisten Bilder, ihn hält man für den Erfinder aller Künste und einen Führer auf Wegen und Reisen. Man glaubt, er habe in Geld- und Handelsangelegenheiten den größten Einfluss. Nach ihm kommen Apollo, Mars, Jupiter und Minerva. Von diesen haben sie fast dieselbe Auffassung wie andere Völker: Apollo vertreibe Krankheiten, Minerva lehre die Anfänge des Handwerks und der Künste, Jupiter habe die Herrschaft über die Himmel, und Mars lenke die Kriege", berichtet der römische Feldherr. Sieht man einmal davon ab, dass er die Götter nur über ihre vermeintliche Entsprechung im römischen Götterhimmel identifiziert, könnte seine Darstellung zuverlässig und unverdächtig erscheinen. Immerhin hatte er ausgiebig Gelegenheit, die Kulte aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Aber können wir ihm trauen?

Leider haben uns die Kelten selbst nur spärliche Anhaltspunkte über ihren Glauben hinterlassen. Eine Vielzahl von Götternamen finden sich zwar auf Weihinschriften - allerdings stammen sie fast ausnahmslos aus späterer Zeit, als längst die Römer in Gallien Fuß gefasst hatten. Vergleicht man diese gallorömischen Nennungen mit Cäsars Schilderung, fallen sogleich Ungereimtheiten ins Auge. Anders als Cäsars übersichtliches Pantheon erwarten ließe, finden sich Namen in Hülle und Fülle. Dass ein Name doppelt vorkommt, ist die Ausnahme, und noch seltener trifft man einen Namen an mehreren, weit voneinander entfernten Orten an. Wo das der Fall ist, könnte es sich tatsächlich um einen im ganzen Land verehrten Gott handeln, sofern die Erklärung nicht wesentlich banaler ist: Eine in Rom aufgetauchte Weihinschrift für die keltische Göttin Arduinna erklärt sich beispielsweise dadurch, dass ihr Stifter aus der gallischen Heimat der Göttin stammte.



insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
wakaba 29.11.2010
1. Historizismus und Historiographie.
Interessanter Trend der Geschichtler. Die Leute versuchen seit einiger Zeit eine Gleichstellung der Keltensippen mit dem S.P.Q.R. um einen Gegenentwurf zu schaffen. Die Kelten zu verstehen ist daher eigentlich nur der Interpretationsversuch der reichlich vorhandenen römischen Propaganda. Die Kelten hatten nicht viel zu bieten - das Reich war nur mässig interessiert. Die Kelten haben Cargokult betrieben. Die keltische Existenz war armselig, unterentwickelt im Vergleich zum Leben im römischen Reich. Man wollte ins Reich. Die römischen Kriege waren der Versuch der keltischen Elite die Macht zu erhalten auf Kosten aller Kelten. Mit dem Verschwinden der Druiden entledigte man sich einer menschenverachtenden Parallelelite mit Menschenopfer und rituellem Kannibalismus - selbst noch in der Neuantike. Lokale Kongregation wurde ins römische Pantheon assimiliert. Wirtschaft, Technik, Kunst, Physik und Altersvorsorge des Reichs ersetzten die dumpfe Keltenexistenz die die Druiden massgeblich durchsetzten.
kalumeth 29.11.2010
2. Heidentum spiegelt sich sogar noch im Urchristentum wieder
Zitat von sysopWer waren die Druiden? Ihre Rituale werden von den Chronisten der Antike in allen Facetten beschrieben, doch der Wahrheitsgehalt der Berichte ist dürftig. Allmählich gelingt es Historikern und Archäologen,*die einst mächtige Elite der*Kelten begreifbar zu machen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,728847,00.html
Naja, die babylonische Sternenkunde war über Handelswege sicherlich auch im keltisch-germanischen Europa bekannt. So wie die Griechen sie von den späteren Ägyptern in Alexandria lernten, taten es die übrigen europäischen Völker auch. Planetenbeobachtungen der Babylonier führte europaweit zu astrologisch basierter Planetenmystik, am besten bei den Griechen erhalten. Stonehenge sowie auch die Himmelsscheibe von Nebra zeugen von dieser Himmelsphilosophie. So waren es die Babylonierer, die zunächst die 5-Tage-Woche mit Namen der 5 sichtbaren Planten"Götter"Prinzipien einführten. Im jüngeren babylonischen Reich kamen Ehrentag für Sonne und Mond hinzu. Im Französischen spiegeln die Planeten die Wochentage heute noch wieder. mar-di = Marstag, mercre-di = Merkurtag, jeu-di = Jupitertag, engl. thursday = Thorstag, german. Gott: Donar dem Donnergott, wie griech. Zeus=Jupiter der Götterherrsche vendre-di = Venustag, engl./friday = Freia'stag der germanischen Liebesgöttin, die damit Venus/Aphrodite entspricht. Insofern ist es für mich sehr wahrscheinlich, dass die Römer unter den -möglicherweise sehr vielfältigen- Keltischen Götternamen doch immer wieder die auch bei den Römern bekannten archetypischen Charakterprinzipien wiederfanden. so wie sie nach Claus Riemann auch in europäische Märchenkultur Einzug gefunden hatten. ...so wie später auch noch Leonardo da Vinci auf seinem Abendmahlsgemälde die Jünger in Gestik und Mimik überdeutlich entsprechend der archetypisch-psychologischenen 12 Tierkreis-Charakterprinzipien ausgestaltet hat! Und zwar der Reihe nach von rechts beginnend mit Widder. Die "Sterne/Planeten von Bethlehem"! Beispielsweise entspricht damit jener jung-weiblich wirkende Johannes auf dem Bild neben Jesus auch dem 7. schöngeistig-liebreizenden 'Waage'-Prinzip; symbolisiert durch die mythologischen Eigenschaften des Planeten Venus = Freia, griech. Aphrodite. Literatur 1. ´Der tiefe Brunnen - Astrologie und Märchen´ von dem Dipl. Psychologen Claus Riemann ...gibt einen Überblick über astrologische Archetypen in europäisch/weltweiten Märchen und in griechischen Göttersagen www.vantastik.de 2.´Die Handschrift Gottes lesen - Astrologie´ Neuerscheinung von Chr. Lindemann ...befasst sich u.a. mit Kulturgeschichte der Astrologie, Fotos astrologischer Uhren im Dom zu Münster, Marienkirche zu Stendal, Straßburger Münster, u.v.a.m. 3. 'Zeichen am Himmel' (Taschenbuch, Ersterscheinung 1949) von Alfons Rosenberg - eine empfehlenswerte ausführliche Kulturgeschichte der Astrologie vom Altertum, Antike, Bibel (Stern von Bethlehem) übers Mittelalter (Hildegard v. Bingen, Luther, Melanchton, 'Das Abendmahl' von Leonardo da Vinci) bis hinein in unsere Neuzeit
thomas bode 29.11.2010
3. Spiritueller Jackpot
"Wer die Druiden waren", ist eine völlig uninteressante Frage. Ausser für Archäologen natürlich. Sie waren halt, genau wie die Priester der Skythen, Slawen, afrikanischen Stämme oder Mongolen "irgendwie". Jedenfalls nicht so, dass sie als Vorbild für uns dienen könnten, wie hier ja richtig bemerkt wurde. Es ist prinzipiell falsch, auf der Suche nach dem "richtigen Leben", in solchen räumlichen und zeitlichen Fernen zu wühlen. Das diskreditiert die, möglicherweise sinnvollen, Elemente einer Weltanschauung. Schade um die Neu-Druiden, wie in GB, die sich nur lächerlich machen mit ihrem Mummpitz. Wenn die sich politisch in einer zeitgemäßen, sozialen und ökologischen Bewegung engagieren würden, wäre es viel besser für Alle. Wenn man liest. dass die Druiden gerne über das Wesen der Dinge und den Lauf der Sterne palaverten, kommen Mitleid auf, und ein bisschen Verzweiflung,. Da tatsächlich schon damals der Hang der Menschen zur Konstruktion abwegiger Konzepte, so ausgeprägt war. Ein Stückchen authentische, schamanistische Erfahrung, etwas rational-astronomische Beobachtung (mit konkretem Nutzwert), und jede Menge wild-kreative Spekulation, aus diesem Mix bestehen fast alle Natur-Religionen. Die Lust in diesem Nebel zu stochern, in der anmaßenden Hoffnung auf den spirituellen Jackpot, haben aber auch heute noch viele..
kalumeth 29.11.2010
4. jetzt glorifizieren Sie aber das Lateinische über Gebühr
Zitat von wakabaInteressanter Trend der Geschichtler. Die Leute versuchen seit einiger Zeit eine Gleichstellung der Keltensippen mit dem S.P.Q.R. um einen Gegenentwurf zu schaffen. Die Kelten zu verstehen ist daher eigentlich nur der Interpretationsversuch der reichlich vorhandenen römischen Propaganda. Die Kelten hatten nicht viel zu bieten - das Reich war nur mässig interessiert. Die Kelten haben Cargokult betrieben. Die keltische Existenz war armselig, unterentwickelt im Vergleich zum Leben im römischen Reich. Man wollte ins Reich. Die römischen Kriege waren der Versuch der keltischen Elite die Macht zu erhalten auf Kosten aller Kelten. Mit dem Verschwinden der Druiden entledigte man sich einer menschenverachtenden Parallelelite mit Menschenopfer und rituellem Kannibalismus - selbst noch in der Neuantike. Lokale Kongregation wurde ins römische Pantheon assimiliert. Wirtschaft, Technik, Kunst, Physik und Altersvorsorge des Reichs ersetzten die dumpfe Keltenexistenz die die Druiden massgeblich durchsetzten.
Sie verwechseln wohl die neuen Eliten des Römischen Reichs mit den oftmals leibeigenen Bauern, denen der Zins für die Altersvorsorge der Legionäre, später für die Ritter abgepresst wurde. Waren die hundert- ja tausenfachen-fachen Kreuzigungen des Römischen Reichs, die Tötungsspektakel im Kolosseum, bzw. die späteren "Hexen"/Heidenverbrennungen bis ins 17. Jahrhundert hinein keine Menschen, die der Glorie und Allmacht von Kaiser (und Päpsten) GEOPFERT wurden? Technik, Kunst, Wissen und Physik hatten die Römer lediglich von den anderen Kulturnationen der Antike abgeschaut und kriegerisch einverleibt, bzw zum Teil auch unterdrückt: z.B. von den Griechen und den Ägyptern, die bereits wussten dass die Erde eine Kugel war. Die effektivsten Armeen und Tötungsmaschinerien, das muß man ihnen lassen, hatten in der Tat die Römer! Wen -nachempfunden- die ältere Kultur interessiert, hier noch ein Literaturnachtrag: 'Der Hexenkult Als Ur-Religion Der Grossen Göttin' Autorin "Starhawk", Dipl. Psych. und Dozentin am Institute for Culture and Creation Spirituality, Oakland, Kalifornien. Magie, Rituale, Entsprechungen.
Themostikles 29.11.2010
5. "Stellt man die entscheidenden Fragen,
- verweigern die Quellen die Auskunft und lassen den Leser ratlos zurück". - So ist es, lieber Spiegel-Journalist. Warum habt Ihr Eure magere Kenntnis über 5 Seiten ausgewalzt? Phytagoras ist den Gymnasiasten allein wegen des "Satzes" geläufig, den Römern war er für vieles andere bekannt, er war Universalgelehrter. Der rechte Winkel und seine Konstruktion war jedem Volk bekannt, das ihn anwandte. Phytagoras war nicht der Erfinder, der hat einige tausend Jahre vorher gelebt. - Banalitäten. Was habt Ihr über den Wissenstand des Lesers von "Asterix und Obelix" hinaus ausgesagt? - Gebt Euch doch mehr Mühe!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.