Ehec-Ausbruch Neue Indizien erhärten Sprossen-Verdacht

Drei Mitarbeiterinnen sind erkrankt, eine verdächtige Lieferung ging nach Cuxhaven: Die Annahme, der Sprossenerzeuger in Bienenbüttel könnte eine Quelle der Ehec-Seuche sein, erhärtet sich zusehends. Verbraucher meiden aber auch andere Sorten Gemüse - selbst Radieschen, Möhren oder Brokkoli.

Kontrolleure auf Gelände des Gärtnerhofes Bienenbüttel: Sprossen in Verdacht
DPA

Kontrolleure auf Gelände des Gärtnerhofes Bienenbüttel: Sprossen in Verdacht


Hannover - Noch haben die Behörden die Quelle für den Ehec-Ausbruch in Norddeutschland zwar nicht gefunden. Jetzt hat sich aber der Sprossen-Verdacht erhärtet: Nach Angaben des niedersächsischen Verbraucherschutzministeriums haben die Ermittler zwei weitere Indizien gefunden, die dafür sprechen, dass der Sprossenerzeuger in Bienenbüttel als ein Ursprung der Seuche in Frage kommt.

Wie Ministeriumssprecher Gert Hahne am Mittwoch mitteilte, hätten auch 18 Ehec-Patienten aus dem Landkreis Cuxhaven in einer Kantine Sprossen aus dem Betrieb verzehrt. Zudem habe sich herausgestellt, dass dort eine dritte Mitarbeiterin Anfang Mai an Durchfall gelitten habe. Die bundesweite Ehec-Welle könne aber weiterhin auf mehrere Ausbruchsherde zurückgehen, betonte er.

Nach Angaben von Hahne wurden in dem Betrieb im Landkreis Uelzen mittlerweile über 750 Proben gezogen, um sie auf Ehec zu untersuchen. Bisher sei der Erreger in Proben aus dem Betrieb noch nicht nachgewiesen worden. Fest stehe nunmehr aber, dass dort drei im selben Bereich tätige Frauen nacheinander am 6., 11. und 12. Mai an Durchfall erkrankten. Bei einer dieser Mitarbeiterinnen habe man definitiv Ehec festgestellt.

Möglicherweise habe eine der Frauen "den Erreger in den Ablauf des Betriebes eingespeist", sagte der Ministeriumssprecher. Dafür spreche der frühe Zeitpunkt der Erkrankungen. Zudem hätten die teilzeitbeschäftigten Frauen auch Sprossen verpackt. Sie könnten sich aber auch erst in dem Betrieb mit dem Erreger infiziert haben. Insgesamt könne man mittlerweile Ehec-Ausbrüche in vier Kantinen und drei Restaurants auf Lieferungen des Sprossenbetriebes zurückführen. An den sieben Orten hätten sich dabei etwa hundert der bundesweit über 2600 Ehec-Patienten infiziert.

Die weiteren Indizien waren zuvor vom niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz (Laves) ausgearbeitet vorden:

  • Über einen Zwischenhändler wurden Sprossen des Hofs auch an ein Golfhotel im Kreis Lüneburg geliefert. Hier erkrankten elf von 30 Mitgliedern einer schwedischen Reisegruppe sowie ein Däne.
  • In einem Restaurant in Lübeck infizierten sich 17 Gäste. Das Restaurant hatte ebenfalls Sprossen von dem Hof bezogen.
  • Ein Zwischenhändler lieferte die Sprossen an ein Gasthaus im niedersächsischen Kreis Rotenburg, wo vier Gäste erkrankten.
  • Außerdem wurden Sprossen über einen beziehungsweise zwei Zwischenhändler an drei Kantinen und ein Bochumer Hotel geliefert, wo sich überall Gäste mit Ehec infizierten. Die Standorte der Kantinen und die Anzahl der Erkrankten nannte das niedersächsische Ministerium nicht. Nach Angaben des hessischen Verbraucherministeriums hatten Kantinen in Darmstadt und Frankfurt am Main, in denen sich zahlreiche Menschen mit dem Keim ansteckten, Sprossen aus Niedersachsen erhalten.
  • Daneben sollen nach Angaben des Ministeriums weitere 37 Kunden überprüft werden, die im Zeitraum zwischen dem 19. April und dem 3. Juni Sprossen von dem Biohof kauften. Die Sprossen wurden einzeln oder in Mischungen über Reformhäuser, Wochenmärkte sowie direkt vermarktet.

Nach einem Sondertreffen der Gesundheits- und Verbraucherminister von Bund und Ländern sagte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr, es gebe zwar keinen Anlass zur Entwarnung, aber für Optimismus, da die Zahl der Neuinfektionen gesunken sei.

Die Verbraucher bleiben aber weiterhin besorgt und verhalten sich vorsichtig: Selbst die Erdbeere ist offenbar davon betroffen: Nach Angaben der Agrarmarkt Informations GmbH (AMI) verursacht die grassierende Darminfektion eine erhebliche Kaufzurückhaltung bei vielen Gemüsearten und auch bei heimischen Obstsorten wie der Erdbeere.

Der Gurkenmarkt sei als Folge der Verzehrwarnung völlig zusammengebrochen, hieß es. Bei Salaten habe es bis Ende Mai 60 Prozent weniger Käufer gegeben. Bei Rispentomaten griffen die Verbraucher zwischen Mitte und Ende Mai fast 50 Prozent seltener zu als sonst.

Aber auch Gemüsesorten, die nicht ausdrücklich in den Warnungen genannt wurden, werden in deutlich geringerer Menge verkauft. Bei Radieschen ging die Zahl der Käufer laut AMI um ein Drittel zurück. Selbst bei Möhren und Brokkoli habe sie in den vergangenen zwei Wochen am unteren Rand der normal üblichen Werte gelegen. Bemerkenswert sei auch die Entwicklung bei Erdbeeren, die ausgehend von einem Spitzenwert Mitte Mai bis zum Ende des Monats ein Drittel der Käufer verloren hätten.

Da die durchschnittliche Kaufmenge pro Verbraucher nur wenig schwankt, kann nach Einschätzung des AMI von der stark rückläufigen Zahl kaufender Haushalte gut auf die tatsächlich gekaufte Menge geschlossen werden.

cib/dapd



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bibernell 04.06.2011
1. Sehr auffällig..
finde ich, dass noch kaum ( erst jetzt, das Restaurant in Lübeck..) Berichte über Gruppenerkrankungen gab. Diverse Foristen, so auch ich, haben immer wieder die Frage gestellt, wieso gerade bei solchen Gruppenerkrankungen ( am selben Ort zu selben Zeit das Gleiche gefuttert und gleichzeitig erkrankt...) der Rückschluss auf die Quelle nicht gezogen werden kann. Mir selbst sind andere Gruppenerkrankungen bekannt, nicht nur die, aus der Kantine in Frankfurt, und nie wurde darüber berichtet. Also, nochmal : welchem Denkfehler unterliegt man mglw., wenn man meint, dass solche Gruppenerkrankungen ein deutlich einfacheres Verfolgen der Nahrungswege möglich machen, als das Verfolgen der Speisen von Einzelerkrankten ? Hä ?
heinrichp 05.06.2011
2. Allheilmittel
Zitat von sysopBei der Suche nach der Quelle der Ehec-Epedemie standen zunächst spanische Gurken im Verdacht, die Erreger zu verbreiten. Nun hat sich dies als falsch herausgestellt. Die Verbraucher sind zunehmend verunsichert und wollen wissen, was sie noch gefahrlos essen dürfen. Haben die deutschen Behörden im Kampf gegen Ehec versagt?
Jede Zeit hat ihre besondere Charakteristik. So werden wir im hoch technisierten und kapitalistischen Zeitalter immer mehr mit Krankheiten und Leiden konfrontiert, die für unsere Vorfahren noch undenkbar waren. Viele Erkrankungen lassen sich dabei auf eine unnatürliche Lebensweise, Umweltgifte, Luftverschmutzung, übermäßige Belastung im Beruf und auf den so genannten Freizeitstress zurückführen. Das Gleichgewicht des Menschen gerät in zunehmendem Maße aus den Fugen. Betrachten wir nur die stetig ansteigende Anzahl der Allergiker. Es gibt kaum noch einen Stoff, dem nicht eine allergische Wirkung nachzuweisen wäre. Angefangen vom harmlosen Blütenstaub, bis hin zu kosmetischen Präparaten oder gar Nahrungsmitteln. Wurden antibiotisch wirkende Medikamente vor nicht allzu langer Zeit noch als das Allheilmittel für infektiöse Erkrankungen angesehen, manifestiert sich jetzt mehr und mehr eine hartnäckige Resistenz der Bakterien gegenüber Antibiotika. Wir können die Vermehrung von Bakterien hemmen, letzten Endes züchten wir dadurch Antibiotika-resistente Organismen! Antibiotika-Resistanz durch Fleischkonsum - Massentierhaltung macht's! Was uns heute wirklich helfen würde wird ignoriert! http://die-welt-der-reichen.over-blog.de/
W. Robert 05.06.2011
3. Gefährliches Spiel
Ganz offensichtlich sind derartige veränderte Bakterien gentechnisch sehr einfach herzustellen, angeblich experimentieren in Frankreich Gymnasiasten speziell mit derartigen Aufgabestellungen aus einem "Bio-Baukasten". Überall gibt es militärische Labore, die speziell zur biologischen Kriegsführung und deren Abwehr unterhalten werden. Man muss sich klar sein, dass diese biologischen Kampfstoffe speziell zum Töten von Menschen entwickelt werden und das Fatale ist, dass mit fortschreitender "Globalisierung" nicht nur jeder Kampfstoff von jedem besseren Studenten hergestellt werden kann und dass sich derartige "Seuchen" auch sofort global ausbreiten, wie man an den Neuinfektionen mit EHEC in den USA schon sieht. Jedenfalls gibt es enorm viele Ungereimtheiten in diesem Fall, angeblich wurde die Quelle der Konterminierung noch nicht gefunden, was höchst seltsam erscheint. Zudem steht jetzt praktisch die gesamte Nahrung unter Generalverdacht und immer neue Theorien verbreiten sich in Windeseile. Zuerst sind es die spanischen Gurken, dann weiß man es wieder nicht so genau, dann gerät natürlich Bio-Kost unter Generalverdacht, andere halten die Gentechnik (wohl zurecht) für den Verursacher. Fakt ist, dass unsere Regierung und auch die Presse kaum noch Vertrauen genießt, zu oft wurde an den Fakten gedreht. Die WHO und die Pharmaindustrie sind nach dem "Schweinegrippe"-Skandal erst recht im Zwielicht. Keiner garantiert uns, dass derartige mutierte Bakterien nicht eines Tages die Menschheit ausrotten. Wir verhalten uns wie im Mittelalter mit unserer aggressiven Politik und vergessen, dass die modernen Waffen jederzeit das Ende der Gattung bewirken können und nicht wenigen Spinnern wäre eine drastische Bevölkerungsreduktion auf gewaltsame Weise ganz recht.
Montanaman 05.06.2011
4. Anders ist richtig
Zitat von heinrichpJede Zeit hat ihre besondere Charakteristik. So werden wir im hoch technisierten und kapitalistischen Zeitalter immer mehr mit Krankheiten und Leiden konfrontiert, die für unsere Vorfahren noch undenkbar waren. Viele Erkrankungen lassen sich dabei auf eine unnatürliche Lebensweise, Umweltgifte, Luftverschmutzung, übermäßige Belastung im Beruf und auf den so genannten Freizeitstress zurückführen. Das Gleichgewicht des Menschen gerät in zunehmendem Maße aus den Fugen. Betrachten wir nur die stetig ansteigende Anzahl der Allergiker. Es gibt kaum noch einen Stoff, dem nicht eine allergische Wirkung nachzuweisen wäre. Angefangen vom harmlosen Blütenstaub, bis hin zu kosmetischen Präparaten oder gar Nahrungsmitteln. Wurden antibiotisch wirkende Medikamente vor nicht allzu langer Zeit noch als das Allheilmittel für infektiöse Erkrankungen angesehen, manifestiert sich jetzt mehr und mehr eine hartnäckige Resistenz der Bakterien gegenüber Antibiotika. Wir können die Vermehrung von Bakterien hemmen, letzten Endes züchten wir dadurch Antibiotika-resistente Organismen! Antibiotika-Resistanz durch Fleischkonsum - Massentierhaltung macht's! Was uns heute wirklich helfen würde wird ignoriert! http://die-welt-der-reichen.over-blog.de/
Auf so etwas muss man erst einmal kommen. Anders herum wird ein Schuh daraus: VOR dem "technisierten und kapitalistischen Zeitalter" haben die Menschen ungesund gelebt, waren sie doch schutzlos Seuchen wie Cholera ausgeliefert, die hunderttausende Menschenleben forderte: http://de.wikipedia.org/wiki/Cholera#Geschichte_der_Krankheitsausbr.C3.BCche Natürlich leben wir heute viel gesünder als die Menschen vor hundert Jahren - das kann man etwa an der rapide steigenden Lebenserwartung sehen.
dillerjohann 05.06.2011
5. Es gibt keine gefahrlose Welt.....
Diese Welt steht für den ständigen Wandel. So sind Epidemien, immer wieder aufgetreten weil Menschenmassen, zu dicht, zu eng, zu Unhygienisch, auf einander treffen.Veränderungen in den Klimatischen Bedingungen sind nicht zu Unterschätzen, dazu kommt der Raubbau, der seit Industrialisierung um sich greift.Bis jetzt sind alle Mutmaßungen, die EHEC betreffen, in Leere gelaufen.Massentierhaltung, Monokulturen,Chemie und Radioaktive Strahlung,Umweltverschmutzungen, in unermesslichen Ausmaß, führen zu negativen Ergebnissen, die unser Leben beeinflussen.Wir werden wieder umdenken müssen, um in einer Welt leben zu können, in der die Gefahren, besser ein zu schätzen sind,und mehr Natürlichkeit unser Leben bestimmt.Eine Welt ohne Gefahren wird es niemals geben, denn die größte Fehlerquelle ist der Mensch!
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