Ehec-Fahndung Bienenbütteler Sprossensamen kommen aus Ägypten

Erfolgsmeldung bei der Fahndung nach dem Ursprung der Ehec-Seuche: Ägyptischer Bockshornkleesamen, der als möglicher Auslöser in Deutschland und Frankreich gilt, ist auch an den Sprossenhof in Bienenbüttel geliefert worden. Dort sucht man vergebens nach einer Ehec-positiven Probe.

Saatgut von Bockshornklee-Sprossen: Spur führt nach Ägypten
DPA

Saatgut von Bockshornklee-Sprossen: Spur führt nach Ägypten


Hannover/Berlin - Am 10. Juni vermeldeten Behörden in NRW den Durchbruch: Erstmals war der aggressive Ehec-Typ O104:H4 (auch Husec041 genannt) auf Sprossen nachgewiesen worden. Damit schien der Ursprung der Seuche festzustehen - ein Biohof in Niedersachsen. Doch Experten rätseln weiterhin darüber, wie der Erreger in den Betrieb gelangen konnte.

Jetzt haben sie offenbar eine Spur gefunden: Ägyptischer Bockshornkleesamen, den die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) und das Europäische Zentrum zur Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) seit Mittwoch im Visier haben, ist auch an den gesperrten Sprossenhof in Bienenbüttel geliefert worden.

"Dies geschah über einen Zwischenhändler", sagte der Sprecher des niedersächsischen Agrarministeriums, Gert Hahne, am Freitag. Über die Verbindung berichtete auch das Bielefelder "Westfalen-Blatt". Aufgrund einer dichten Indizienkette war der Hof südlich von Lüneburg als Ursprung der Epidemie in Deutschland mit mehr als 40 Toten ausgemacht worden. Die Untersuchungen in dem Bienenbütteler Betrieb seien weitgehend abgeschlossen, sagte Hahne.

Einen Fund gibt es dort allerdings bisher nicht: Man habe den gefährlichen Darmkeim bisher nicht nachweisen können, heißt es aus dem niedersächsischen Agrarministerium. Drei Mitarbeiterinnen des Hofes hatten sich Anfang Mai wegen Durchfalls krankgemeldet, bei einer Angestellten wurde der Ehec-Erreger entdeckt.

Ehec-Massentest in Paderborner Grundschule

Unklar ist bisher, ob die Frauen die Sprossen verunreinigt haben oder aber die gefährlichen Bakterien schon in den Samen aus dem Ausland steckten. "Die ägyptische Spur verstärkt den Eindruck, dass die Sprossen der Ursprung der Epidemie waren", sagte Hahne. Es seien aber weitere Untersuchungen notwendig, teilten die EU-Behörden mit.

In einer Grundschule bei Paderborn hat unterdessen die Kreisverwaltung einen Massentest angesetzt. In den nächsten Tagen sollen 800 Kinder und andere Kunden eines Caterers auf den Erreger untersucht werden. Die Fleischerei beliefert auch die Schule, in der drei Jungen am lebensgefährlichen HU-Syndrom erkrankt waren. Weitere 14 Schüler haben sich ebenfalls angesteckt, allerdings ohne erkrankt zu sein. Auch bei Mitarbeitern der Fleischerei ist der Ehec-Erreger nachgewiesen worden. Im Laufe des Freitags erwarten die Behörden weitere Untersuchungsergebnisse. Am Montag soll entschieden werden, wann der Unterricht an der Schule wieder beginnen kann.

Rund drei Wochen nach der Entwarnung der Behörden vor dem Verzehr von rohen Gurken, Salaten und Tomaten zieht die Nachfrage nach Gemüse offenbar langsam wieder an. Vor allem in den am stärksten von der Epidemie betroffenen Bundesländern im Norden scheint sich die Lage zu verbessern. Allerdings sind offenbar noch viele Verbraucher vor allem in Berlin und Baden-Württemberg beim Gemüsekauf zurückhaltend, was bei den Händlern weiterhin für starke Umsatzeinbußen sorgt.

Der Deutsche Bauernverband hatte die Umsatzeinbußen für die deutschen Landwirte bis zur Aufhebung der Verzehrwarnung auf 75 Millionen Euro beziffert. Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium unterstrich, Gemüseerzeuger könnten eine EU-Entschädigung erhalten, wenn sie seit dem 26. Mai Gurken, Tomaten, Salat, Paprika und Zucchini nicht vermarktet hätten. Für die niedersächsischen Erzeuger ergebe sich eine mögliche EU-Entschädigung von rund 2,5 Millionen Euro.

cib/dpa

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stanisraus 01.07.2011
1. Geht es um EHEC-Erreger,
die in der menschlichen Darmflora immer enthalten sind oder um das Bakterium EHEC o104 H4? EHEC´s gibt es ohne Zahl. Deshalb sind Laborirrtümer oder fälschungen eher wahrscheinlich, als dass es diesen Erreger überhaupt gibt. Es handelt sich wohl um eine Züchtung, die lediglich die Labors im RKI kontaminierten, weil die dort nicht genügend aufgepaßt haben. Die gibt es sonst nirgends auf der Welt. Nur wenn Proben in das RKI angeliefert werden, stellen die in ihren Petrischalen was fest. Die Petrischalen sind offenbar verseucht.
B.Lebowski 01.07.2011
2. Verseuchte Petrischalen ?
Zitat von stanisrausdie in der menschlichen Darmflora immer enthalten sind oder um das Bakterium EHEC o104 H4? EHEC´s gibt es ohne Zahl. Deshalb sind Laborirrtümer oder fälschungen eher wahrscheinlich, als dass es diesen Erreger überhaupt gibt. Es handelt sich wohl um eine Züchtung, die lediglich die Labors im RKI kontaminierten, weil die dort nicht genügend aufgepaßt haben. Die gibt es sonst nirgends auf der Welt. Nur wenn Proben in das RKI angeliefert werden, stellen die in ihren Petrischalen was fest. Die Petrischalen sind offenbar verseucht.
Verseuchte Petrischalen in Labors werden kaum ca. 4000 Infektionen mit diversen Toten verursachen können, oder vielleicht doch ?
wrtlbrmft 01.07.2011
3. Kompletter Unfug
Zitat von stanisrausdie in der menschlichen Darmflora immer enthalten sind oder um das Bakterium EHEC o104 H4? EHEC´s gibt es ohne Zahl. Deshalb sind Laborirrtümer oder fälschungen eher wahrscheinlich, als dass es diesen Erreger überhaupt gibt. Es handelt sich wohl um eine Züchtung, die lediglich die Labors im RKI kontaminierten, weil die dort nicht genügend aufgepaßt haben. Die gibt es sonst nirgends auf der Welt. Nur wenn Proben in das RKI angeliefert werden, stellen die in ihren Petrischalen was fest. Die Petrischalen sind offenbar verseucht.
Sorry, aber das ist kompletter Unfug! Die Abstriche werden längst in den Kliniken bebrütet. "Züchtungen" von EHEC machen für absolut niemanden Sinn, das machen die Coli-Stämme schon von alleine - und von "Epidemie" oder "Seuche" schreibt eh nur die geneigte Presse....
richsorge 02.07.2011
4. Doch, das ist
so, die Wahrnehmung von Deutschen (aber nicht nur denen, vielleicht sogar von den meisten Angehörigen einer Nation)funktioniert genau so. Als nächstes sind dann wieder "die Chinesen" oder wahlweise "die asiatischen Sprossen" schuld. Gelbe Gefahr - Sprossen - gelb, das passt alles zu genau ineinander. P.S. Die Bilder von Sojasprossen haben sich bei den meisten sicher sowieso am meisten im Hirn festgesetzt, kurz nach den ersten Veröffentlichungen über Sprossen.
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