Einkommen und Treue Finanziell abhängige Männer gehen öfter fremd

Hohe Unterschiede im Einkommen zwischen Mann und Frau fördern die Untreue - jedenfalls bei Männern. Finanziell abhängige Partner betrügen ihre Frauen bis zu fünfmal häufiger als andere. Aber auch bei Frauen beeinflusst das Geld die partnerschaftliche Treue.

Corbis

Sind Männer ökonomisch auf ihre Frau angewiesen, werden sie häufiger untreu. Frauen hingegen, die finanziell von ihrem Mann abhängig sind, werden seltener untreu. Das ist das Ergebnis einer Studie, die jetzt auf der Jahrestagung der American Sociological Association in Atlanta (US-Bundesstaat Georgia) vorgestellt wurde.

Die Studie basiert auf einer Umfrage unter 1024 Männern und 1559 Frauen in den USA im Alter von 18 bis 28 Jahren. Studienleiterin Christin Munsch von der Cornell University stieß bei ihren Analysen auf einen klaren Geschlechtsunterschied: Je mehr ein Mann finanziell auf seine Frau angewiesen war, desto eher ging er fremd. Bei Männern ohne eigenes Einkommen habe sich eine fünfmal höhere Wahrscheinlichkeit zur Untreue ergeben als bei Männern, die genauso viel verdienten wie ihre Frau.

"Die Ursache dafür könnte sein, dass Männer in einer solchen Situation unglücklicher sind", spekuliert Munsch. "Aus diesem Grund betrügen sie - nicht, weil sie weniger Geld verdienen." Am treuesten seien Männer, deren Frauen nur 75 Prozent ihres Einkommens verdienten.

"Für Frauen ist es normal, weniger Geld zu verdienen"

Ironischerweise kommt es am anderen Ende der Skala ebenfalls zu einer vermehrten Untreue der Männer, konnte die Wissenschaftlerin zeigen: Wenn Männer deutlich mehr Einkommen bezögen als ihre Frau, neigten sie ebenfalls zu häufigeren Seitensprüngen. "Auf der einen Seite bedroht ein geringeres Einkommen die Geschlechtsidentität des Mannes, weil sie seine traditionelle Rolle als Brotgewinner in Frage stellt. Auf der anderen Seite üben Männer, die mehr Geld verdienen als ihre Frau, Berufe aus, die in Geschäftsreisen und langen Arbeitszeiten mehr Gelegenheiten zum Fremdgehen bieten", interpretiert Munsch ihre Ergebnisse. Schon zuvor waren Forscher zu dem Ergebnis gekommen, dass kulturelle und soziale Mechanismen bei der Untreue eine weitaus größere Rolle spielen als evolutionäre Gründe.

Den Untersuchungen zufolge hatte die ökonomische Abhängigkeit für Frauen den gegenteiligen Effekt: Waren sie vollständig von ihrem Mann abhängig, so gingen sie um 50 Prozent weniger fremd als Frauen, die den gleichen Anteil des Haushaltseinkommens aufbringen. "Für Frauen ist es normal, weniger Geld zu verdienen", sagt Munsch. "Wichtiger ist, dass finanziell abhängige Frauen weniger Gelegenheit zum Seitensprung haben. Außerdem treffen sie eine gezielte Entscheidung dagegen, da sie wissen, dass Untreue ihren Lebensunterhalt in Gefahr bringt."

Die Wissenschaftlerin schränkt aber ein, dass Faktoren wie Alter, Bildungsgrad und Zufriedenheit in der Beziehung weitere große Einflussfaktoren auf die Neigung zu Seitensprüngen sind. Vielleicht sei es eine gute Idee, im Vorlesungssaal, in der Bücherei oder an ähnlichen Orten nach einem Mann zu suchen: Je gebildeter die Partner seien, desto weniger gingen sie fremd, hieß es in der Studie.

boj/ddp/AFP



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