Eisen aus Leichen Magnetische Geister verraten alte Gräber

Das Metall von Schmuck und Schwertern ist oft das Einzige, was alte Gräber nach Jahrhunderten noch auffindbar macht. Britische Forscher aber konnten jetzt mit hoch empfindlichen Geräten die winzigen Eisenspuren erkennen, die zersetzte Leichen im Boden zurücklassen.


Magnetbild eines angelsächsischen Grabes mit eingebauter Skizze des ausgegrabenen Skeletts: Eiserne Spuren der Verwesung
Archaeological Prospection

Magnetbild eines angelsächsischen Grabes mit eingebauter Skizze des ausgegrabenen Skeletts: Eiserne Spuren der Verwesung

Der Metalldetektor ist des Archäologen bester Freund: Wann immer es auf die Suche nach alten Grabstätten geht, fahnden Forscher mit dem Gerät nach Resten von Schwertern, Münzen, Schmuck oder Sarkophagen. Die Spuren von Leichen aber sind oft kaum noch auszumachen: Insbesondere in sauren Böden zerfallen die Körper nahezu restlos und hinterlassen allenfalls eine schwache Färbung in der Erde.

Britische Wissenschaftler aus verschiedenen Fachdisziplinen könnten nun die Lösung des Problems gefunden haben: Mit hoch auflösenden Geräten gelang es ihnen, die extrem schwache magnetische Signatur menschlicher Überreste im Boden zu finden - indem sie nach dem Eisen suchten, das etwa im Blutfarbstoff Hämoglobin enthalten ist und bei der Zersetzung der Leiche im Boden zurückbleibt.

Neil Linford von der Altertümerverwaltung English Heritage hat die neue Technik auf zwei bereits bekannten antiken Friedhöfen erfolgreich getestet, wie er im Fachmagazin "Archaeological Prospection" (Bd. 11, Nr. 3, S. 167) schreibt. Der Geophysiker untersuchte Bodenproben eines römischen Friedhofs und einer etwa 1200 Jahre alten angelsächsischen Begräbnisstätte. In beiden Fällen entdeckte er typische Veränderungen der magnetischen Eigenschaften des Erdreichs im Vergleich zu Proben, die nicht direkt von den Friedhöfen stammten.

Gradiometer-Bild einer englischen Farm mit Spuren eines römischen Friedhofs: Leichen hinterließen Eisenreste
Archaeological Prospection

Gradiometer-Bild einer englischen Farm mit Spuren eines römischen Friedhofs: Leichen hinterließen Eisenreste

"Ein ähnliches Verfahren wurde bisher nur bei Untersuchungen angewandt, die näher an der Erdoberfläche stattfanden", erklärte Linford gegenüber SPIEGEL ONLINE. Trotz der Anfangserfolge mahnt der Forscher zur Vorsicht: "Die Stelle, an der wir die Methode getestet haben, war uns bestens bekannt." Zudem seien bislang erst zwei Proben untersucht worden, so dass sich das Verfahren bei weiteren Untersuchungen bewähren müsse.

Markus Becker



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