Lösung für CO₂-Problem Tesla-Chef Musk will 100-Millionen-Dollar-Preis stiften
Elon Musk
Foto: Ringo H.W. Chiu / dpaAuf Twitter haut Elon Musk ja gern mal einen raus. Und viele, viele seiner aktuell 42,7 Millionen Follower lieben ihn dafür. Jetzt hat der Unternehmer angekündigt, einen Preis für die beste Technik zur Bindung von Kohlendioxid zu stiften. Dafür will er immerhin 100 Millionen Dollar in die Hand nehmen. Viel mehr ist indes noch nicht bekannt. Er werde sich in der kommenden Woche zu den Details äußern, twitterte Musk noch.
Am donating $100M towards a prize for best carbon capture technology
— Elon Musk (@elonmusk) January 21, 2021
Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Nun ist der Chef von Tesla und SpaceX ja aktuell auch der reichste Mann der Welt. Und bei einem Vermögen von mehr als 188 Milliarden Euro – so stand es jedenfalls zuletzt im »Bloomberg Billionaires Index« – sind 100 Millionen Dollar Preisgeld womöglich recht leicht zu verschmerzen und allein aus PR-Sicht gut angelegtes Geld. Man erinnere sich: 100 Millionen Euro hingelegt Musks Firma Tesla mal eben in Brandenburg als Sicherheit für mögliche Rückbaukosten, um einen Baustopp für ihre Fabrik zu verhindern.
Dennoch stellt sich die Frage: Was könnte der von Musk angedachte Wettbewerb tatsächlich bringen?
Zunächst einmal ist es nicht unüblich, dass Privatpersonen oder Institutionen Geld für die Lösung bestimmter wissenschaftlicher oder technischer Probleme in die Hand nehmen. Inducement prize contest, kurz IPC, lautet das Fachwort. Und obwohl man das damals natürlich noch nicht so nannte, gibt es jahrhundertealte Beispiele dafür. So lobten etwa Spanien, die Niederlande oder Großbritannien zur großen Zeit der Seefahrer mehrere Preise dafür aus, die Längengradbestimmung eines Schiffs auf den Weltmeeren präzise und einfach hinzubekommen.
- Durchbruch des Elektroautos: Und es hat Boom gemacht Von Michael Specht
- Satellitenbild der Woche: Die Weltraumfabrik Von Christoph Seidler
- Maye Musk über ihren berühmten Sohn: »Elon sah, dass ich versuchte, Geld zu schicken – so ist PayPal entstanden« Von manager-magazin-Autorin Gisela Maria Freisinger
Aktuelle Beispiele sind die Wettbewerbe der X-Prize-Foundation, die 1995 vom Luft- und Raumfahrtingenieur Peter Diamandis gegründet wurde und mit weiteren Sponsoren zusammenarbeitet. Bei den Ausschreibungen geht es darum, mit möglichst radikalen technischen Durchbrüchen etwas zum Wohle der Menschheit zu tun: Wiederverwendbare Raumfahrzeuge zu entwickeln, ölverschmutztes Wasser zu säubern oder den Boden der Ozeane besser zu kartieren – das waren nur einige der Aufgaben.
Längst nicht immer führen die Wettbewerbe zu einem zählbaren Erfolg, oft gibt es die eine Lösung für ein Problem auch gar nicht. Was aber gelingen kann: Aufmerksamkeit für bestimmte Themen zu schaffen, professionelle und private Tüftler zu ermutigen, Partnerschaften anzustoßen. Musks Wettbewerb würde im Idealfall nun Vergleichbares leisten.
Nicht nur technische Fragen sind wichtig
Im Grundsatz gibt es zahlreiche Ansätze, wie sich das Treibhausgas CO₂ aus der Luft entfernen lässt. Dabei geht es auch um weit mehr als technische Planspiele, schon jetzt basieren viele Emissionsszenarien zum Erreichen der weltweiten Klimaziele darauf, dass Kohlendioxid eingefangen und dauerhaft außerhalb der Atmosphäre gespeichert wird. Aktuell ist es etwa möglich, CO₂ bei der Entstehung zum Beispiel in Kraftwerken abzutrennen und in unterirdischen Lagerstätten zu speichern. Die entsprechende CCS-Technik wird seit Jahren etwa in Norwegen genutzt. Sie ist aber nicht unumstritten und könnte bestenfalls Zeit im Kampf gegen die Erderwärmung kaufen, mehr nicht . Musk, der von seinen Anhängern als Technikvisionär verehrt wird und ganz bestimmt keine Scheu vor im wahrsten Sinne des Wortes hochfliegenden Lösungen hat, könnte an einem größeren Wurf gelegen sein.
Vielleicht eignet sich dafür ja die Technik des Direct Air Capture. Dabei wird das CO₂ – mit sehr hohem Energieaufwand – wieder aus der Luft entfernt und kann dann eingelagert werden. In kleinem Umfang sind solche Anlagen auch bereits an mehreren Standorten im Einsatz. Die Technologie ist aber bisher ziemlich ineffizient und verursachte damit hohe Kosten für die CO2-Vermeidung. Auch der Wasser- und Energiebedarf der Anlagen stellt einen kritischen Faktor dar. Womöglich bieten sich hier aber Ansätze für Innovationen.
Auch weitere Verfahren zu CO₂-Bindung gibt es, an denen man weiter optimieren könnte. Dazu gehört das großflächige Verstreuen von Gesteinsmehl auf Ackerflächen. Beim Verwittern von Basaltgestein sollen dabei sogenannte Karbonate entstehen, in denen Kohlendioxid aus der Luft gebunden wird. Der Gesteinsstaub könnte zudem sogar die Fruchtbarkeit und die Ernteerträge verbessern, heißt es. Allerdings sind wirklich große Mengen an zerkleinertem Gestein und eine ausgeklügelte weltweite Logistikkette nötig, um Effekte jenseits einiger Versuchsfelder zu erzielen. Auch hier könnte es fruchtbare Vorschläge geben.
Eine andere Option zur CO2-Bindung wäre das radikale Aufforsten von Wäldern auf Flächen, die nicht für Landwirtschaft oder menschliche Siedlungen benötigt werden. Allerdings streiten Forscher über das genaue Potenzial solcher gigantomanischen Anstrengungen – und verweisen zudem darauf, welch wichtige Rolle der Schutz existierender Wälder im Vergleich zu Neupflanzungen hat. Womöglich könnte auch das gezielte Ankurbeln des Algenwachstums im Meer helfen, gezielt CO₂ zu binden – allerdings ist das ausgesprochen schwer zu managen. Manche Forscher schlagen vor , dafür große Vulkanasche ins Meer zu streuen. Andere Kollegen wiederum liebäugeln damit , Landpflanzen genetisch so zu verändern, durch klassische Züchtung oder Methoden wie die Genschere Crispr, dass sie deutlich mehr Kohlenstoff speichern als bisher.
Neben technischen Fragen gibt es bei fast allen der bisher vorgeschlagenen Ansätze auch ethische und rechtliche Herausforderungen. Um noch einmal bei der Sache mit der Vulkanasche und den Algen zu bleiben: Man darf nämlich nicht einfach irgendetwas ins Meer kippen, auch wenn man gute Absichten damit verfolgt. So steht es in der Londoner Konvention von 1972, einem internationalen Vertrag. Wichtig wäre, dass ein Wettbewerb auch solche, nicht technischen Aspekte umfasst. Welche Vorschläge auch immer sich am Ende dann durchsetzen werden – Elon Musk wird es vermutlich auf Twitter berichten.