Endeavour legt pünktlich ab Tito schon am Montag in der ISS?

Die Computerprobleme an Bord der Internationalen Raumstation ISS scheinen weitgehend behoben. Zeit für die US-Raumfähre Endeavour, Platz zu machen, für die Sojus-Kapsel mit Raumtourist Dennis Tito an Bord. Diese soll am Montagvormittag an die ISS andocken.


Tito im "Sojus"-Cockpit
AP

Tito im "Sojus"-Cockpit

Baikonur - Der erste Weltraumtourist Dennis Tito kommt dem Ziel seiner Träume immer näher. Nach einem bislang reibungslosen Flug soll seine russische Sojus-Kapsel am Montag 9.30 Uhr MESZ wie geplant an der Internationalen Raumstation ISS andocken. "Es ist alles ok", sagte ein Sprecher des Flugleitzentrums in Koroljow bei Moskau zum bisherigen Verlauf des Fluges.

Technikern der US-Raumfahrtbehörde NASA war es am Samstagabend gelungen, den zweiten von drei ausgefallenen Hauptcomputern auf der ISS wieder in Gang zu bringen. Damit wurde ein Abdocken der Raumfähre Endeavour ermöglicht, über die während der Computerpanne ein Teil der wichtigen Kommunikation mit der Bodenkontrolle lief. Die Endeavour sollte am Sonntag um 19.34 Uhr MESZ ablegen und Platz für die Sojus-Kapsel schaffen, wie ein NASA-Sprecher in Houston der dpa sagte.

Der 60-jährige amerikanische Multimillionär Tito war vom Weltraumbahnhof Baikonur ins All gestartet. Sojus-Kommandant Talgat Musabajew führte den Funkverkehr, während Pilot Juri Baturin die Kapsel steuerte, erläuterte die Flugleitzentrale. Am Sonntag näherte sich die Sojus auf der 17. Erdumrundung mit einem Steuermanöver noch dichter an die ISS an, wo sie am Montag gegen 9.30 Uhr MESZ ankoppeln sollte.

Als nächstes will nach amerikanischen Medienberichten der "Titanic"- Regisseur James Cameron mit russischer Hilfe ins All fliegen. Rosawiakosmos-Chef Juri Koptew bestätigte am Sonntag, dass Gespräche mit einem weiteren zahlenden Kandidaten über einen Ausflug zur ISS geführt würden. Die russische Seite arbeite außerdem an einem Grundsatz-Dokument über die Flüge von Nichtfachleuten, um Streitfällen wie bei Tito künftig aus dem Weg zu gehen.

Historischer Händedruck

Roboter-Shake-Hands: Links der Greifarm der ISS, rechts der von "Endeavour"
DPA

Roboter-Shake-Hands: Links der Greifarm der ISS, rechts der von "Endeavour"

Beim Trubel um den Tito-Flug ging indessen ein anderer historischer Moment im All mehr oder weniger unter: der erste mechanische Händedruck zweier Robotterarme. Nach der Wiederinbetriebnahme des zweiten Hauptcomputers der ISS hob der neue Greifarm der Raumstation hob eine eineinhalb Tonnen schwere Frachtkiste zum Greifarm der "Endeavour", der sie in der Ladebucht der Raumfähre ablegte.

Bereits vor dem Auftreten der Computerprobleme galt dies als das komplizierteste Manöver von Robotern, das jemals im All vorgenommen wurde. Alle zehn Astronauten waren daran beteiligt. Gesteuert wurde der Vorgang von der amerikanischen Astronautin Susan Helms. Der 17,40 Meter lange Greifarm der Station war erst vor einer Woche installiert worden.



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