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England Arbeitsloser Hobby-Archäologe findet riesigen Goldschatz

Es ist der Traum eines jeden Goldjägers: Ein 55-Jähriger hat in England den größten bekannten Schatz aus der Zeit der Angelsachsen entdeckt. Die fünf Kilogramm Gold und mehr als ein Kilogramm Silber darf er zwar nicht behalten - aber er wird fürstlich entschädigt.

London - Auf dem Acker eines befreundeten Bauern wurde der arbeitslose Terry Herbert fündig, in der Nähe seines Wohnorts Burntwood im mittelenglischen Staffordshire. Wo genau, das ist derzeit noch geheim - aus Angst vor Plünderern. Mit seinem 14 Jahre alten Metalldetektor stieß der 55-Jährige auf bis zu 1500 Schatzstücke, die vermutlich aus dem siebten Jahrhundert stammen.

Archäologen halten den Fund für den größten und bedeutendsten aus der Zeit des germanischen Stammes der Angelsachsen (siehe Kasten links). Herbert sagte, der Schatz sei so groß, dass er nur noch von Gold geträumt habe. "Stell dir vor, du bist zu Hause, und jemand hört nicht auf, Geld durch deinen Briefschlitz zu stecken - so war das."

Für Archäologen hat der Fund in Mittelengland jedoch noch eine ganz andere Dimension: Der Schatz sei vermutlich bedeutender als der von Sutton Hoo in Ostengland. Dort fanden Archäologen vor 70 Jahren eine Grabstätte mit 1,6 Kilogramm Gold. "Dies wird unsere Ansichten über das angelsächsische England radikal verändern", sagte Leslie Webster, Expertin beim British Museum.

Ein Richter in Staffordshire deklarierte den Fund am Donnerstag offiziell als Schatz. Das bedeutet, das Experten ihn nun genau begutachten und ihn dann einem Museum zum Kauf anbieten. Der Erlös wird dann zwischen Herbert und dem Besitzer des Feldes geteilt.

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Britischer Schatz: "Wie eine Sammlung von Trophäen"

Foto: Eddie Keogh/ REUTERS

"Besser als jeder Lottogewinn"

Herbert hatte im Sommer fünf Tage lang nach dem Schatz gegraben und dann die Archäologen informiert. "Ich habe mir ständig vorgestellt, was ich am nächsten Tag finden werde." Nach seinem Fund hofft Herbert auf ein besseres Image für Schatzsucher: "Die Leute lachen über Sondengänger. Sie sagen 'piep, piep, der sucht nach Pennies'. Aber wir sind da, um solche Sachen zu finden - und sie liegen da draußen."

Herbert kann sein Glück immer noch nicht fassen. Sein Fund sei "besser als jeder Lottogewinn", sagte er am Donnerstag. "Als ein Experte mir sagte, mein Fund wäre mit dem des Grabs von Tutanch Amon zu vergleichen, stellten sich mir die Nackenhaare auf." Er wolle sich vom Erlös einen Bungalow kaufen. Herbert sagte, er erinnerte sich noch genau an den Tag, an dem er sich mit seinem Metalldetektor mal wieder auf die Suche begab: "Sonst sage ich vorher immer dieses kleine Stoßgebet - 'Geister der Vergangenheit, führt mich dahin, wo die alten Münzen liegen' - doch an diesem Tag sagte ich Gold statt Münzen", erzählte er schmunzelnd.

Stücke sollen schnell ausgestellt werden

Der Fund besteht aus 5 Kilo Gold und 1,3 Kilo Silber. Dazu gehören aufwendig dekorierte Schwertgriffe und Helmteile. Experten gehen davon aus, dass sie aus höchstem Adelshaus stammen. Auch ein Goldband mit biblischer Inschrift und mehrere Kreuze gehören zu den Fundstücken. Die Archäologen rätseln nun über die Herkunft des Schatzes. "Reichtum von solchem Ausmaß muss wohl einem König gehört haben", sagte Roger Bland, der beim British Museum für Schätze verantwortlich ist. Es könnte sein, dass die Besitzer die Stücke in gefährlichen Zeiten versteckt hätten, um sie später wieder auszugraben.

Der Fundort liegt im einstigen angelsächsischen Königreich Mercia. "Das ist ein phantastischer Fund, der aus heiterem Himmel kommt", sagte Roger Bland, der die Ausgrabung leitete. "Er wird dazu führen, dass wir noch einmal neu über das Dunkle Zeitalter nachdenken müssen."

"Es sieht wie eine Sammlung von Trophäen aus", sagte Kevin Leahy von der Organisation Portable Antiquities Scheme. Es gebe jedoch noch unzählige offene Fragen, "das wird noch für Jahrzehnte diskutiert werden". Derzeit liegt der Fund im Birmingham Museum and Art Gallery. Teile davon sollen von Freitag an für rund zwei Wochen ausgestellt werden.

chs/dpa/AFP/AP
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