England Nabelschnurblut für Knie-kranke Kicker

Manche Eltern sind vorsichtiger als andere: Stammzellen aus dem Nabelschnurblut sollen ihren Kindern gegen künftige Krankheiten helfen. Doch englische Fußballer lassen die Zellen auch einfrieren, weil sie auf Heilung eventueller Sportverletzungen hoffen.


Thierry Henry, Stürmerstar beim englischen Erstligisten Arsenal und der französischen Equipe Tricolore, hat es getan - so wie 11.000 andere britische Eltern in den letzten fünf Jahren. Aus dem Nabelschnur-Restblut seiner Kinder hat der Fußballer Stammzellen isolieren und einfrieren lassen. Bei Krankheiten wie Leukämie, Blutbildstörungen und Erkrankungen des Immunsystems hat eine Therapie mit solchen adulten Stammzellen Vorteile gegenüber Knochenmarkspenden - weil das Nabelschnur-Restblut ungewöhnlich reich an Stammzellen ist.

Nabelschnur: Ihr Blut ist besonders reich an Stammzellen
DPA

Nabelschnur: Ihr Blut ist besonders reich an Stammzellen

Die wertvollen Zellen gleichsam auf Vorrat einzulagern ist in Mode bei vorsichtigen Eltern, die für die vermeintliche zusätzliche Sicherheit ihrer Kinder etwas extra zu zahlen bereit sind. Wie die Londoner Zeitung "Sunday Times" meldet, sind unter englischen Spitzenfußballern die Motive für die Stammzelleinlagerung indes ausschließlich solche elterlicher Fürsorge.

Mehrere Fußballprofis wollen damit eines Tages ihre eigenen Sportverletzungen heilen lassen, berichtet die Zeitung. Die Spieler - Henry gehört der "Sunday Times" zufolge nicht dazu - wollten die Zellen aus dem Blut der Nabelschnur vorrätig haben, falls damit in Zukunft die Behandlung von Knorpel- und Bänderbeschwerden möglich werde.

"Wenn man als Fußballer verletzungsgefährdet ist, kann das das Ende der Karriere bedeuten", zitierte die "Sunday Times" einen namentlich nicht genannten Spieler. "Es ist daher sinnvoll, seine Stammzellen - ein Reparatur-Set, wenn man so will - zur Hand zu haben." Fünf Spieler sollen die Stammzellen ihrer Kinder bei einer Firma in Liverpool lagern. Ein ähnlicher Dienstleister aus London habe Stammzellen von drei Spielerkindern eingefroren.

Ein Grund dafür, dass kein Fußballprofi seinen Namen im Bericht der Zeitung lesen wollte, könnte sein, dass es bislang keine Stammzelltherapien für branchentypische Berufskrankheiten wie Knie- und Knorpelverletzungen gibt. Ob sie in der Zukunft entwickelt werden ist ungewiss. Die Investition von rund 1500 britischen Pfund könnte sich damit für die anonymen Kicker als Verlust herausstellen - wenn sie diese dann nicht doch schlicht als Akt elterlicher Fürsorge verbuchen sollten.

stx/rtr



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