Entwarnung Creutzfeldt-Jakob-Katastrophe fällt aus

Lange hatten Forscher befürchtet, dass die menschliche Variante des Rinderwahnsinns in Zukunft Millionen Tote fordern könnte. Londoner Mediziner geben nun Entwarnung: Die Creutzfeldt-Jacob-Krankheit werde noch maximal 600 Menschen das Leben kosten.

Dass die Rinderkrankheit BSE Menschen treffen kann, die das Fleisch von infiziertem Weidevieh essen, ist bereits bekannt. Die Frage ist, wie viele Opfer die Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJK) in Zukunft noch fordern wird. Denn zwischen dem Essen des Fleisches und dem Ausbruch der Krankheit können viele Jahre vergehen.

Nicht wenige Forscher hatten einen "Zeitbomben-Effekt" befürchtet: Durch den Verzehr von verseuchtem Rindfleisch aus der Zeit vor dem Bekanntwerden des Rinderwahn-Skandals könnten sich zahlreiche Menschen die Krankheit zugezogen haben. Noch vor acht Jahren hielten Wissenschaftler bis zu zehn Millionen Tote für möglich.

Ein Forscherteam vom Imperial College in London gibt nun Entwarnung. Die Gruppe unter der Leitung von Azra Ghani rechnet für die Zukunft mit höchstens 600 Todesfällen. Im günstigsten Fall sei mit nur 70 Toten zu rechnen, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt "Journal of the Royal Society Interface". Seitdem vCJK 1996 erstmals in Großbritannien aufgetaucht ist, sind 148 Briten an der Krankheit gestorben. Der Höhepunkt war 2000 mit 28 Opfern erreicht, seitdem gehen die Zahlen zurück. Im vergangenen Jahr gab es noch neun Tote.

Ghani und ihre Kollegen stießen bei der Untersuchung von 12.674 Gewebeproben aus Blinddarm- und Mandeloperationen auf drei Fälle von vCJK. Würde man diese Zahl hochrechnen, könnten insgesamt etwa 3800 Menschen betroffen sein, so die Forscher. Allerdings stimmte nur eine der drei Proben mit Gewebeproben von Menschen überein, bei denen die Krankheit ausgebrochen war.

Die Mediziner gehen deshalb davon aus, dass es Menschen geben könnte, die zwar mit der Krankheit infiziert sind, aber keine Symptome entwickeln. Dann sei eine Zahl von 70 Todesfällen realistisch. "Es könnte tatsächlich der Fall sein, dass infizierte Individuen im Laufe ihres Lebens keine Krankheit entwickeln", sagte Azra Ghani.

Die Wissenschaftler nahmen außerdem die genetische Struktur der bereits Erkrankten näher unter die Lupe. Bis vor kurzem traten alle Fälle von vCJK bei Menschen auf, die mit einer bestimmten Genkonstellation ausgestattet waren. Diese Konstellation ist bei 40 Prozent der britischen Bevölkerung zu finden. Die restlichen 60 Prozent schienen geschützt zu sein. 2003 wurde allerdings auch bei einem dieser Menschen vCJK diagnostiziert. Er war der erste Patient, der sich bei einer Bluttransfusion angesteckt hatte.

Bei der Berechnung des Worst-Case-Szenarios zogen die Wissenschaftler die mögliche Ansteckung durch den Fleischverzehr bei bisher als immun geltenden Menschen in Betracht. Eine Zahl von 600 Toten sei realistisch, wenn der Schutz der Gene nicht vollständig sei und den Ausbruch der Krankheit lediglich hinauszögere.

Einen Unsicherheitsfaktor gibt es allerdings: die bisher kaum untersuchte Möglichkeit einer Ansteckung per Bluttransfusion, die bisher nur in einem Fall bekannt wurde. "Obwohl eine geringe Wahrscheinlichkeit besteht, dass Menschen sich bei Transfusionen infizieren, haben wir diese Möglichkeit nicht in unsere Berechnungen mit einbezogen", so Ghani. "Dies könnte in der Zukunft zu einer höheren Zahl klinischer Fälle von vCJK führen."

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