Entwicklungsländer Hunger frisst die geistigen Fähigkeiten auf

Armut in der Dritten Welt bremst die geistigen Fähigkeiten. Besonders für Kinder unter fünf Jahren ist Hunger eine Hypothek: Sie sind später schlechter in der Schule, haben ein geringeres Einkommen - und geben die Voraussetzungen für ihre Armut gleich an die nächste Generation weiter.


Sie haben nicht nur wenig zu essen und werden schneller krank: Kinder in Entwicklungsländern können auch ihr geistigen Potenzial nicht voll ausschöpfen. So gehe Arbeitskraft verloren, was die nationale Entwicklung des betreffenden Landes negativ beeinflusse, schreiben Sally Grantham-McGregor vom University College in London und ihre Kollegen in der ersten Veröffentlichung einer dreiteiligen Serie zu dem Thema in der Fachzeitschrift "Lancet".

Hungernde Kinder (in Zimbabwe): In ersten fünf Jahren hindert Hunger die Gehirnentwicklung besonders
DPA

Hungernde Kinder (in Zimbabwe): In ersten fünf Jahren hindert Hunger die Gehirnentwicklung besonders

Durch mangelhafte Ernährung und häufige Krankheiten würden die Kinder nur unzureichend versorgt. Das wirke sich wiederum negativ auf ihre geistige, motorische und sozial-emotionale Entwicklung aus. Die Forscher haben sich nüchtern den Zusammenhang zwischen Wachstum und Unterversorgung angeschaut: Besonders die ersten Lebensjahre spielen nach Auskunft der Autoren eine wichtige Rolle für die geistige Entwicklung, da das Gehirn in dieser Zeit besonders schnell heranreife.

Die Wissenschaftler beziffern die Zahl der betroffenen Kinder auf insgesamt 219 Millionen, das entspricht fast 40 Prozent dieser Altersgruppe in den unterentwickelten Ländern. Die meisten Benachteiligten (89 Millionen) leben in Südasien, in Schwarzafrika kann mit 61 Prozent der größte Anteil der Kinder das geistige Potenzial nicht ausschöpfen. Ihre Informationen erhielten die Forscher aus weltweiten Datenbanken, die sie nach Kindern mit Wachstumsverzögerung durchforsteten und nach Menschen, die in Armut leben. Beide Faktoren seien verlässliche Indikatoren für eine schlechte geistige Entwicklung von Kindern, so das Forscherteam.

Die Studie ist der erste Beitrag einer dreiteiligen Serie und beschreibt zunächst den Umfang des Problems. Teil zwei konzentriert sich auf die unmittelbaren Ursachen wie Jod- und Eisenmangel, Blei- und Arsenvergiftungen, Verkrüppelung und eine unzureichende Stimulation der Kinder. Die dritte Untersuchung zeigt, wie dieses Problem gelöst werden kann - und dass dies durchaus möglich wäre.

Nicht zuletzt hatten sich die Vereinten Nationen in ihren Milleniums-Zielen dazu verpflichtet, bis zum Jahr 2015 allen Kindern weltweit eine Grundschulausbildung zu gewähren und die Zahl hungernder Menschen zu halbieren. Die Autoren betonen, dass den Kindern vor allem dann geholfen werde, wenn früh mit Erziehungsprogrammen für Eltern und Kinder eingegriffen werde und die Armen tatsächlich an bessere Nahrung gelangten.

hei/ddp/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.