EPA US-Umweltbehörde will unliebsame Wissenschaftler austauschen

Der Chef der US-Umweltbehörde hat angekündigt, zahlreiche Experten aus wichtigen Beratergremien entfernen zu wollen. Er wirft ihnen Interessenkonflikte vor - ermöglicht gleichzeitig aber Einflussnahmen durch Konzerne.
EPA-Sitz in Washington, D.C.

EPA-Sitz in Washington, D.C.

Foto: Jim Lo Scalzo/ dpa

Die US-Umweltbehörde EPA will offenbar kritische Wissenschaftler aus ihren Beratergremien ausschließen. Am Dienstag bestätigte EPA-Chef Scott Pruitt, er wolle die externen Experten, die die EPA im Bereich Wissenschaft und Gesundheit beraten, durch neue Mitglieder ersetzen, die "unterschiedlichere Ansichten" vertreten.

Die EPA ist ein zentrales Instrument der US-Regierung beim Umwelt- und Klimaschutz. Sie vergibt Forschungsaufträge an 22 unabhängige Beratergremien, um Regierungsentscheidungen vorzubereiten. Dabei geht es beispielsweise um Standards für sauberes Trinkwasser und die Bewertung von Pestiziden. Zunächst betrifft Pruitts Vorhaben offenbar die Leiter und Mitglieder von drei wichtigen Beratungsgremien:

  • Science Advisory Board, das die wissenschaftlichen und technischen Daten bewertet, die die EPA als Grundlage für Regulierungen nutzt.
  • Clean Air Scientific Advisory Committee, das sich um Regeln zur Luftqualität kümmert.
  • Board of Scientific Counselors, das die EPA-Forschungsprogramme mit verwaltet.

In der vergangenen Woche hatte EPA-Chef Pruitt bereits Personalveränderungen angedeutet, als er in einer Rede die Unabhängigkeit von Wissenschaftlern infrage stellte, die in der Vergangenheit mit öffentlichen Aufträgen bedacht worden waren. Die Wissenschaftler könnten dadurch beeinflusst worden sein, sagt er und kündigte an, er werde dieses Problem lösen.

Scott Pruitt

Scott Pruitt

Foto: WIN MCNAMEE/ AFP

Nun sollen in den externen Gremien keine Wissenschaftler mehr sitzen, die derzeit Forschungsgelder von der EPA erhalten oder in anderer Weise von ihr profitieren. "Die Wissenschaft der EPA sollte nicht durch Politik beeinflusst sein", sagte Pruitt. "Von heute an werden Mitglieder des EPA-Beratergremiums finanziell unabhängig von der Behörde sein."

Keine Regeln zu anderen möglichen Interessenkonflikten

Was Pruitt meint, wenn er sagt, er wünsche sich "unterschiedlichere Ansichten", lässt sich erahnen. Mehrfach hat der von Donald Trump berufene EPA-Chef bereits seine Zweifel am nachweislich vom Menschen verursachten Klimawandel geäußert. Außerdem überstimmte er erst kürzlich Experten aus seiner eigenen Behörde. Sie hatten empfohlen, das Pestizid Chlorpyrifos vom Markt zu nehmen, weil seriöse Studien ergeben hatten, dass der Wirkstoff Schäden im Gehirn von Kindern verursachen kann. In Deutschland sind Präparate mit Chlorpyrifos seit 2009 verboten.

Auffällig ist auch, dass Pruitts fünfseitiges Strategiepapier keine Regeln zu anderen möglichen Interessenkonflikten enthält. Demnach könnten nun Experten die EPA beraten, die Forschungsgelder von Firmen erhalten, die durch die EPA reguliert werden. Es ist also zu befürchten, dass Pruitt Gremienmitglieder auswählt, die finanziell mit der Öl- und Kohlebranche oder der chemischen Industrie verbunden sind.

"Eines der schädlichsten Vermächtnisse der Trump-Administration"

Bereits im Mai hatte Pruitt angekündigt, die Posten von neun der 18 Mitglieder im Board of Scientific Counselors nicht wie bislang üblich für weitere Jahre zu verlängern. Die aktuelle Vorsitzende des Gremiums, Deborah Swackhamer, verwies im Zusammenhang mit Pruitts Vorwurf zu Interessenkonflikten darauf, dass die Mitglieder bereits angehalten seien, diese zu vermeiden.

"Das Vorhaben richtet sich eindeutig gegen Wissenschaftler, die nicht die Interessen von Firmen vertreten", so Swackhamer, pensionierte Professorin für Umweltwissenschaften an der University of Minnesota. "Es spricht Bände, dass Leute, die von Organisationen mit Spezialinteressen finanziert werden okay sind, aber keine Forscher, die öffentliche Gelder erhalten."

Senator Tom Udall aus New Mexico sagte: "Die anhaltenden Angriffe gegen die Wissenschaft durch die EPA der Trump-Regierung werden wahrscheinlich eine der am längsten anhaltenden und schädlichsten Vermächtnisse der Administration sein." Udall ist mit für die Finanzierung der EPA verantwortlich. Pruitt beseitige Wissenschaftler mit großer Expertise aus seinen Gremien und ersetze sie durch Sprachrohre für große Umweltverschmutzer.

Vor der Trump-Ära war die EPA für Ex-Präsident Barack Obama ein Weg, um den Klimaschutz zu forcieren. Über strengere Abgasvorschriften für Kohlekraftwerke durch die EPA sollten ältere Meiler, die das Klima besonders belasten, aus dem Markt gedrängt werden. Obamas Nachfolger Donald Trump hatte angekündigt, er werde die EPA-Beschlüsse dazu aufheben und den Abbau und die Verstromung von Kohle wieder erleichtern. Pruitt legt dafür weitere Grundlagen.

jme/Reuters/AP