Epidemie Hantaviren breiten sich in Baden-Württemberg aus

Erneut greift das gefährliche Hantavirus um sich. Seit Beginn des Jahres hat der Erreger in der Region Baden-Württemberg 85 Menschen infiziert. Die Zahl übersteigt die Fälle, die im Rekordjahr 2007 vermeldet wurden. Ursache ist vermutlich eine starke Vermehrung von Wühlmäusen.

Hantaviren mit 171.000-facher Vergrößerung: Etwa drei Tage lang dauert die Krankheit
Corbis

Hantaviren mit 171.000-facher Vergrößerung: Etwa drei Tage lang dauert die Krankheit


Stuttgart - Wie so oft bei Virenerkrankungen beginnen die Symptome wie bei einer gewöhnlichen Grippe. Doch schnell wird es schlimmer: Das hohe Fieber kommt plötzlich bleibt aber tagelang, Kopf, Rücken, Bauch und Glieder schmerzen, manchmal kommt eine schwere Übelkeit hinzu, manchmal kann der Betroffene plötzlich nicht mehr scharf sehen.

Etwa drei Tage lang dauert die Krankheit - mehr als die Hälfte der Betroffenen muss im Krankenhaus versorgt werden. Dann stellen die Ärzte oft eine Störung der Nieren fest. Schlagen die Symptome in plötzliches akutes Nierenversagen um, wird es für die Betroffenen kritisch. Sie müssen dann einer künstlichen Blutwäsche unterzogen werden. Die Diagnose: eine Infektion mit Hantaviren.

2007 machte sich der Erreger schon einmal in Deutschland breit: 1688 Fälle registrierte das Robert-Koch-Institut (RKI) damals. In den Jahren zuvor hatte es dagegen nur durchschnittlich 200 Neuerkrankungen im Schnitt gegeben.

Jetzt breitet sich das gefährliche Hantavirus erneut aus. Im Regierungsbezirk Stuttgart wurden seit Jahresbeginn bereits 85 Erkrankungen gemeldet. Das hat das Regierungspräsidium am Mittwoch mitgeteilt.

Die Zahl sei für die Jahreszeit ungewöhnlich hoch und übersteige das bisherige Rekordjahr 2007 mit 41 Fällen im Vergleichszeitraum deutlich, hieß es. Dies lasse hohe Infektionszahlen für die kommenden Monate erwarten. Die Erkrankungen häufen sich bereits seit Dezember.

Übertragen werden die Erreger in Deutschland durch wildlebende Nagertiere wie Rötel-, Brand- und Feldmäuse. Sie scheiden das Virus vor allem über Kot und Urin aus. Menschen können sich infizieren, indem sie den erregerhaltigen Staub beim Spazierengehen in der freien Natur einatmen.

Die Hauptnahrungsquelle der Rötelmaus sind Bucheckern. Regionen mit einem hohen Buchenanteil wie die Schwäbische Alb und Schönbuch sind daher am stärksten betroffen. Die aktuelle Häufung ist vermutlich auf eine besonders hohe Population an Rötelmäusen zurückzuführen.

cib/ddp



insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
Fettnäpfchen 24.02.2010
1. Hahaha!
Schön, dass uns endlich wieder eine Epidemie und sich sicherlich daraus global entwickelnde Pandemie in Aussicht gestellt wird. Ein Leben ohne Epidemie/Pandemie ist ja richtig langweilig! Welche/r Pharmalobbyist/in hat bei welchem/r Politiker/in vorgesprochen? Nachdem das Schweinegrippenmedikament nicht in der gewünschten Menge verkauft werden konnte, muß ja nun nach den vielen Monaten endlich Ersatz herbeigeschwafelt werden, damit die Pharmaindustrie nicht am Hungertuche nagt. Hotels, Pharmalobby..... welche Branche wohl die nächste ist? Man darf gespannt sein!
Gertrud Stamm-Holz 24.02.2010
2. titel
Auf zum nächsten Drama. Wieder geht es wahnsinnig gefährlich zu. Die Krankheit ist zwar meldepflichtig, nur dürften die meisten Leute die Geschichte ohne Diagnose diesbezüglich einfach ausheilen lassen, weil eben nix besonderes passiert. Damit weiss von einem Haufen Infektionen kein Mensch was. Hauptsache es kann mal wieder laut getrommelt werden. Gibts schon Erschiessungskommandos zur Bekämpfung der Rötelmäuse?
Bala Clava 24.02.2010
3. Dosenpfand
Sofort 100.000 Impfdosen ordern. Vielleicht kann man auch die Mäuse mit den übrig gebliebenen Schweinegrippe-Impfstoffen töten? Notfalls einfach darin ertränken. Die Pharmaindustrie braucht dringend ein Happy-End.
frau trallala 24.02.2010
4. ...
Zitat von FettnäpfchenSchön, dass uns endlich wieder eine Epidemie und sich sicherlich daraus global entwickelnde Pandemie in Aussicht gestellt wird. Ein Leben ohne Epidemie/Pandemie ist ja richtig langweilig! Welche/r Pharmalobbyist/in hat bei welchem/r Politiker/in vorgesprochen? Nachdem das Schweinegrippenmedikament nicht in der gewünschten Menge verkauft werden konnte, muß ja nun nach den vielen Monaten endlich Ersatz herbeigeschwafelt werden, damit die Pharmaindustrie nicht am Hungertuche nagt. Hotels, Pharmalobby..... welche Branche wohl die nächste ist? Man darf gespannt sein!
Die weltweite Pandemie-Panik wird wohl schon allein deshalb nicht ausbrechen, weil Hantaviren nicht von Mensch zu Mensch übertragen werden. Im übrigen sind es wohl eher die sensationsgeilen Medien, die jede Panikmache vorantreiben. Anfangs wurde ja noch über jeden einzelnen Schweinegrippe-Fall live berichtet oder denken Sie nur mal an die Vogelgrippe... Hier kann die viel beschimpfte Pharmalobby gar nicht an dem Theater Schuld gewesen sein, weil nie an einem Impfstoff dagegen geforscht wurde, also auch keine Möglichkeit bestand, an der Panik Geld zu verdienen. (Abgesehen von antiviralen Medikamenten vielleicht, die aber vorraussetzen, dass der Mensch die Krankheit tatsächlich auch hat) Also erst mal objektiv darüber nachdenken, wer eigentlich jedes Mal die Panik verbreitet, und das sind eben in erster Linie die Medien, einfach nur um hohe Auflagen und Einschaltquoten zu erzielen. Nicht nur was Krankheiten betrifft, gerne auch Naturkatastrophen, Gammelfleisch, BSE, Kampfhunde, Feinstaub und Skandale aller Art, am besten per Live-Ticker und -Berichterstattung. Und sobald ein Thema langweilt, suchen sie sich eben das nächste. Vielleicht kommen jetzt die Hantaviren, allerdings wurde auch schon in den letzten Jahren ohne größere Panikmache darüber berichtet. Vielleicht weil sich damit in den Nicht-Risikogebieten (und das sind die meisten Gegenden Deutschlands) eben keine anständige Quote machen lässt.
Gertrud Stamm-Holz 24.02.2010
5. titel
Zitat von frau trallalaDie weltweite Pandemie-Panik wird wohl schon allein deshalb nicht ausbrechen, weil Hantaviren nicht von Mensch zu Mensch übertragen werden. Im übrigen sind es wohl eher die sensationsgeilen Medien, die jede Panikmache vorantreiben. Anfangs wurde ja noch über jeden einzelnen Schweinegrippe-Fall live berichtet oder denken Sie nur mal an die Vogelgrippe... Hier kann die viel beschimpfte Pharmalobby gar nicht an dem Theater Schuld gewesen sein, weil nie an einem Impfstoff dagegen geforscht wurde, also auch keine Möglichkeit bestand, an der Panik Geld zu verdienen. (Abgesehen von antiviralen Medikamenten vielleicht, die aber vorraussetzen, dass der Mensch die Krankheit tatsächlich auch hat) Also erst mal objektiv darüber nachdenken, wer eigentlich jedes Mal die Panik verbreitet, und das sind eben in erster Linie die Medien, einfach nur um hohe Auflagen und Einschaltquoten zu erzielen. Nicht nur was Krankheiten betrifft, gerne auch Naturkatastrophen, Gammelfleisch, BSE, Kampfhunde, Feinstaub und Skandale aller Art, am besten per Live-Ticker und -Berichterstattung. Und sobald ein Thema langweilt, suchen sie sich eben das nächste. Vielleicht kommen jetzt die Hantaviren, allerdings wurde auch schon in den letzten Jahren ohne größere Panikmache darüber berichtet. Vielleicht weil sich damit in den Nicht-Risikogebieten (und das sind die meisten Gegenden Deutschlands) eben keine anständige Quote machen lässt.
Es gibt einen einzigen Fall von Mensch zu Mensch Übertragung. Das war wohl in Südamerika. Das Drama an den ständigen Alarmmeldungen ist ganz simpel, im Ernstfall (also in einem echten) glaubt niemand mehr irgendwelchen Warnungen. Der pharmazeutische Wahn mit der Schweinegrippe, der journalistische mit einem winzigen Pestausbruch in Indien vor Jahren, es ermüdet die Leute. Alleine das Geschrei wegen den Zecken macht mich fassungslos. Es gibt krankheitsbedingt jede Menge Gefährchen, allerdings kaum Gefahren. Genau das muss man dringend noch pushen. Irgendwann ist die Bevölkerung satt vor lauter Gekreisch. Sowas kann sich bitter rächen.
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