Erdbeben Versuche mit deutschem Loch

In den nächsten drei Monaten wollen Geowissenschaftler in der Oberpfalz kleine Erdbeben simulieren. Die Forscher hoffen darauf, dass die Ergebnisse auch neue Ansatzpunkte zur Vorhersage von Beben liefern.


Windischeschenbach - In das 9101 Meter tiefe Loch der Kontinentalen Tiefbohrung (KTB) bei Windischeschenbach sollen 100 Tage lang 7000 Kubikmeter Wasser gepresst werden. Damit soll der Untergrund unter Spannung gesetzt werden und so zu Mini-Beben führen.

Beben entstehen nach bisherigen Erkenntnissen in den äußeren zehn bis 15 Kilometern der Erdkruste. In größeren Tiefen kann sich das Gestein verformen und bricht daher nicht so leicht. Voraussichtlich

Bohrer am tiefsten Loch der Welt
AP

Bohrer am tiefsten Loch der Welt

der Bereich zwischen 8600 und 9000 Meter ist beim KTB-Loch zur Simulation von Gesteinsbrüchen und somit Beben besonders geeignet. Die daraus gewonnen Daten könnten zur Vorhersage von Beben beitragen.

"Wir haben bei der KTB die weltweit einmalige Möglichkeit, dass wir zwei tiefe Löcher direkt nebeneinander haben", erklärte Lothar Wohlgemuth vom Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ). In der rund vier Kilometer tiefen KTB-Probebohrung soll ein Seismometer die kleinen Erdbeben im Bereich des rund 200 Meter entfernten Hauptloches messen. Zusätzlich setzen die Wissenschaftler vom GFZ und der Ruhr-Universität Bochum Erdmikrofone zur Erforschung ein.

Die beiden Forschungslöcher wurden zwischen 1987 und 1994 für rund 600 Millionen Mark in der Oberpfalz gebohrt. Nachdem eine ehemals über zwölf Kilometer tiefe russische Forschungsbohrung inzwischen nur noch auf weniger als acht Kilometern zugänglich ist, ist das Oberpfälzer Loch heute das tiefste der Welt. Da für die KTB jedoch Forschungsaufträge fehlen, werden die beiden Löcher in den nächsten Jahren möglicherweise wieder zugeschüttet.



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.