Erfinder Flügel-Mann düst durch die Schweiz

Der Mann ist sein eigenes Flugzeug: Der Schweizer Yves Rossy, der sich selbst "Fusion Man" nennt, hat eine waghalsige Reise absolviert. Mit zwei Tragflächen zum Anschnallen und vier Antriebsdüsen ging's durch die Luft über dem Alpenland - mit 300 Kilometern pro Stunde.


Hamburg - Normalerweise ist das Städtchen Bex im Schweizer Waadtland, direkt an der Grenze zum Wallis, ein eher ruhiges Fleckchen. Die Rhône plätschert auf ihrem Weg in den nahen Genfer See vorbei, von der benachbarten Autobahn und der Zugstrecke schwappen manchmal ein paar Geräusche herüber.

Doch am Mittwochmittag sorgte etwas anderes für Lärm in Bex. Es war Yves Rossy - oder wie er sich selbst nennt der "Fusion Man".

Acht Jahre lang ist Rossy Militärflieger bei der Schweizer Armee gewesen, anschließend Copilot und Kommandant bei den Fluggesellschaften Swissair und Swiss. Dann wollte er sich den ultimativen Fliegertraum erfüllen und ganz ohne Flugzeug fliegen – mit einem Gerät, das ein wenig so aussieht, als hätte es ein moderner Leonardo da Vinci erfunden: zwei Tragflächen zum Anschnallen, vier Antriebsdüsen - fertig ist der Nur-Flügel-Mann.

Mit seiner Ausstattung ließ sich der Abenteurer am Mittwoch aus einem Flugzeug werfen, in 2348 Metern Höhe. Vor schneebedeckten Gipfel zündete er dann die Triebwerke - und schoss mit 300 Kilometern pro Stunde durch den Schweizer Himmel.

Bei seinem Flug wurde Rossy - schwarze Flügel, weißer Helm, weißer Anzug - von einem Hubschrauber begleitet. Alles ging glatt. Nach fünf Minuten landete der Pilot mit einem blau-gelben Fallschirm auf der Graspiste eines Segelflugplatzes.

Ursprünglich hatte Rossy seinen Flug bereits im vergangenen Jahr absolvieren wollen; die Einladungen waren bereits verschickt. Doch dann war es bei letzten Tests zu Problemen gekommen. In einem Notmanöver hatte der waghalsige Erfinder einen Flügel abwerfen müssen, um anschließend am Fallschirm landen zu können. Die wundersame Flugausstattung war defekt und musste mühevoll neu konstruiert werden. Rossy hat sich durch die Probleme nicht aufhalten lassen - und nun seinen Erfolg gefeiert. In Zukunft würde er seine Erfindung am liebsten als exklusives Sportgerät vermarkten, erklärte er.

chs



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