Erkrankung im Urlaub Fast 1500 Deutsche mit Schweinegrippe infiziert

Rasanter Anstieg: Wie das Robert-Koch-Institut bestätigte, sind bereits knapp 1500 Bundesbürger mit dem Erreger der Schweinegrippe infiziert. Eine Zunahme um mehrere hundert Fälle in wenigen Tagen. Die meisten Neuinfektionen seien Urlaubsmitbringsel - vor allem aus Spanien.


Berlin - Das Robert-Koch-Institut hat in Deutschland 1469 Fälle von Schweinegrippe registriert. Ein vergleichsweise hoher Anteil der neuen Fälle sei durch Reiserückkehrer insbesondere aus Spanien verursacht worden, berichtete das Robert-Koch-Institut (RKI).

Impfstoffproduktion: Viele Infektionen finden im Ausland statt
DPA

Impfstoffproduktion: Viele Infektionen finden im Ausland statt

Der rasche Anstieg um 635 Fälle innerhalb weniger Tage könne aber zusätzlich an einer Umstellung des Meldesystems liegen. Das RKI zählt nun auch Fälle ohne Labordiagnose, also jene Patienten mit Grippesymptomen, die Kontakt zu Infizierten hatten. "In der Regel sind die Erkrankungen in Deutschland nach wie vor mild verlaufen", teilte das RKI mit.

Auch nach Angaben der Universitätsklinik Düsseldorf ist die Schweinegrippe immer häufiger ein unliebsames Urlaubsmitbringsel. "Sonnenbrand und Alkohol schwächen die Immunabwehr", warnten Mediziner der Klinik. Dies sei "keine neue Erkenntnis, wird aber im Zusammenhang mit den Influenza-Infektionen häufig vergessen", betonte Dieter Häussinger.

Auch durch enge Kontakte mit vielen Menschen im Urlaub verbreite sich das Virus derzeit deutlich schneller als zu Anfang der Ansteckungswelle. Am vergangenen Wochenende habe die Uni-Klinik in 23 Tests Schweinegrippe nachgewiesen, 22 der Erkrankten seien aus dem Spanien-Urlaub gekommen. Nordrhein-Westfalen hat mit 522 Erkrankten mit Abstand die meisten der registrierten Fälle unter allen Bundesländern.

Das Schweinegrippe-Virus
Der Erreger
Es handelt sich um ein Influenza-A-Virus mit der Bezeichnung H1N1, das sich von Mensch zu Mensch übertragen kann - vor allem durch Händeschütteln, Niesen und Husten. Ein H1N1-Virus war auch der Auslöser der Spanischen Grippe, die zwischen 1918 und 1920 weltweit mindestens 25 Millionen Menschen getötet hat.
Die Symptome
Die Schweinegrippe bewirkt ähnliche Symptome wie eine normale Grippe: plötzliches Fieber, Muskelschmerzen, trockener Husten und ein trockener Hals. Allerdings sind der einhergehende Durchfall und die Übelkeit stärker ausgeprägt.
Die Gefahr
Neue Virenstämme können sich rasch ausbreiten, weil es keine natürliche Immunität gibt und es Monate dauert, bis ein aktueller Impfstoff entwickelt und produziert ist. Der neue Stamm des Schweinegrippe-Virus unterscheidet sich vom älteren H1N1-Virus, gegen das die aktuellen Grippeimpfstoffe schützen. Die gewöhnliche Grippe tötet jedes Jahr 250.000 bis 500.000 Menschen, vor allem ältere Menschen. Die meisten sterben an Lungenentzündung. Auch gesunde Menschen können tödlich erkranken.
Antivirale Mittel
Nach derzeitigem Wissensstand bieten die Wirkstoffe Oseltamivir (Handelsname Tamiflu) und Zanamivir (Handelsname Relenza) Schutz gegen das Schweinegrippen-Virus. Diese Wirkstoffe behindern unspezifisch die Vermehrung von Influenza-A- und Influenza-B-Viren im Körper.
Wandlungsfähigkeit von Grippeviren
Grippeviren gehören zu den wandlungsfähigsten Erregern, die bekannt sind. Die Entwicklung gänzlich neuer Typen ist zwar selten, aber extrem gefährlich. Meist springen dabei irgendwo in der Welt Viren von Vögeln oder Schweinen auf den Menschen über. Wenn sie in dessen Körperzellen auf andere, ältere Grippeviren treffen, kann sich die Erbinformationen vermischen und neue Erreger hervorbringen.

lub/dpa



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