Ermahnung Führende Forscher fordern von G-8-Gipfel Klimaschutz-Beschlüsse

Konkrete Ziele und einen internationalen Handel mit CO2-Rechten: Das fordern führende Klimaforscher vom G-8-Gipfel in Heiligendamm. Wissenschaftler aus elf Ländern wollen Gastgeberin Merkel eine entsprechende Erklärung überreichen.


Berlin/New York - Von ihrem eigenen Berater in Sachen Klimaschutz muss Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sich ermahnen lassen: Hans-Joachim Schellnhuber vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung sagte, wenn die G-8-Regierungschefs in Heiligendamm nicht "zumindest ein wichtiges quantitatives Ziel" beschließen würden, sei "der Gipfel gescheitert". Das berichtete der "Tagesspiegel".

Tagungshotel in Heiligendamm: Klimaforscher fordern von G-8-Regierungschefs Beschlüsse
AP

Tagungshotel in Heiligendamm: Klimaforscher fordern von G-8-Regierungschefs Beschlüsse

Am heutigen Mittwoch übergeben führende Klimaforscher der Kanzlerin einen Aufruf, den die Präsidenten der Akademien der Wissenschaften aus den führenden Industrie- und Schwellenländern - den sogenannten G-8-plus-5-Ländern - unterzeichnet haben. Das berichtete die "Berliner Zeitung" vorab.

Neben Deutschland gehören dieser Gruppe die USA, Russland, Kanada, Japan, Großbritannien, Frankreich, Italien, China, Indien, Brasilien, Südafrika und Mexiko an. Die Verfasser drängen die Regierungschefs in der Erklärung nicht nur zum Kampf gegen die Erderwärmung. Sie warnen auch diejenigen Länder, die das Klimaproblem noch immer verharmlosen - unter anderem die USA, Kanada und China.

Atomkonsens zur Förderung erneuerbarer Technologien?

Schellnhuber forderte von den Teilnehmern des Gipfeltreffens, das im Juni in Heiligendamm an der Ostsee stattfinden wird, drei Punkte zu beschließen:

  • Die G-8-Staaten sollen sich verpflichten, 30 Prozent Energie bis 2020 einzusparen.
  • Es müsse ein globaler Kohlenstoffmarkt konzipiert werden, in den der europäische Handel mit Verschmutzungsrechten langfristig eingebettet werden könnte.
  • Als "langfristige Orientierung für den Klimaschutz" müsse die globale Erwärmung auf zwei Grad im Vergleich zum Beginn der Industrialisierung 1750 begrenzt beziehungsweise bis 2050 der Ausstoß an Treibhausgasen weltweit halbiert werden.

Die Verhandlungen würden "außerordentlich schwierig", betonte Schellnhuber. Zum Streit um die Atomkraft in Deutschland sagte er, man könne "unter Umständen über eine Art Atomkonsens-Folgevertrag nachdenken: Die Konzerne müssten sich verpflichten, die Mehreinnahmen, die sie durch eine Verlängerung der Laufzeiten bekämen, in erneuerbare Energien zu investieren". Die Einhaltung dieser Verpflichtung "wäre eine Nagelprobe auf die Ernsthaftigkeit, mit der die Konzerne Klimaschutz betreiben", sagte er.

Großstädte wollen vorpreschen

Derweil finden die Bürgermeister der Megacities der Welt, dass sie beim Kampf gegen den Klimawandel nicht auf Beschlüsse nationaler Regierungen warten können. Beim sogenannten C40 Large Cities Climate Summit in New York sagte der Bürgermeister der Gastgeberstadt, Michael Bloomberg: "Wir können nicht einfach nur herumsitzen und dabei zusehen, wie unsere Umwelt zerstört und die Welt aufs Spiel gesetzt wird. Die Öffentlichkeit verlangt Maßnahmen, und wenn es da eine Lücke gibt, werden die Bürgermeister sie füllen."

Städte bedecken nur ein Prozent der Erdoberfläche, erzeugen aber rund 80 Prozent der Treibhausgase. "In den Städten wird der Kampf gegen den Klimawandel gewonnen oder verloren werden", sagte der Londoner Bürgermeister Ken Livingstone.

stx/AP/ddp



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