Ernährung und Verhalten Hunger macht aggressiv

Hunger kann auf die Stimmung schlagen und manche Menschen aggressiv machen. Wissenschaftler haben nun herausgefunden, warum das so ist: Es liegt am Neurotransmitter Serotonin.


Schokolade macht glücklich - Forscher vermuten, weil in ihr viel von der Aminosäure Tryptophan enthalten ist. Die wiederum ist eine Vorstufe des Neurotransmitters Serotonin, der die Stimmung beeinflusst. Depressionen und Angstzustände gehen oft einher mit einem zu geringen Serotonin-Spiegel. Ob sie von ihm auch ausgelöst werden, war bislang umstritten - jedenfalls konnte man mit einer Serotonin-Steigerung die Symptome medikamentös bekämpfen.

Essen: Serotonin-Mangel beeinflusst die Stimmung
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Essen: Serotonin-Mangel beeinflusst die Stimmung

US-amerikanische und britische Forscher um Molly Crockett von der University of Cambridge konnten nun erstmals einen Zusammenhang zwischen dem Serotonin-Spiegel im Gehirn und der Stimmung belegen. Bei fallendem Serotonin-Niveau reagieren Menschen in Entscheidungssituationen kämpferischer und aggressiver, fanden die Wissenschaftler heraus.

Crockett und ihre Kollegen setzten Versuchspersonen auf eine spezielle tryptophanarme Diät. In der Folge sanken bei den Probanden die Serotonin-Spiegel. Die Wissenschaftler beobachteten, wie sich deren Verhalten daraufhin im Laufe eines Strategiespiels veränderte. Über ihre Ergebnisse berichten sie im Fachmagazin "Science".

Die Forscher schließen: Serotonin ist mitverantwortlich bei der Kontrolle von Emotionen. Fällt das Serotonin-Niveau, reagieren Menschen impulsiver und aggressiver, wenn sie die Handlungen anderer als unfair empfinden. Ernährung und Stress beeinflussten die Bildung des Serotonins, berichtet Forscherin Crockett. Diese beiden Faktoren haben damit auch maßgeblichen Einfluss auf die täglichen Entscheidungsprozesse von Menschen.

Die Forscher machten mit 20 Probanden das sogenannte Ultimatumspiel: Ein Spieler besitzt beispielsweise 13 Euro und bietet einem anderen einen Teil der Summe an, beispielsweise sechs Euro. Weist der zweite Spieler seinen Anteil als unfair zurück, so gehen beide leer aus. Betrachtet er das Angebot als fair, so nimmt er an. Normalerweise weist die Hälfte der Spieler ein Angebot als unfair zurück, wenn es weniger als ein Drittel der Geldmenge ausmacht. Als die Forscher jedoch Probanden mit reduziertem Serotonin-Niveau antreten ließen, schlugen deutlich mehr Spieler auch solche Angebote als unfair aus.

lub/ddp



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