Ernährungsumstellung China verfettet

Die Chinesen entwickeln sich zu einem Volk der Dicken: Weil große Teile der Bevölkerung ihre Ernährung umstellen, steigt der Anteil der Übergewichtigen unaufhaltsam. Ein US-Forscher warnt vor massiven Kosten für das Gesundheitssystem.


Peking - Der Wirtschaftsaufschwung in China verändert den Speiseplan vieler Bewohner rapide. Immer mehr Fleisch, Eier und Milchprodukte werden im Land konsumiert. Die Ernährungsumstellung hat dramatische Folgen: Die Zahl der übergewichtigen Chinesen steigt.

Wie schnell der Prozess abläuft, darüber berichtet der US-Forscher Barry Popkin von der University of North Carolina in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Health Affairs". In der Gruppe der Schwellen- und Entwicklungsländer steigt die Zahl der Übergewichtigen nur in Mexiko noch schneller als in China. Mittlerweile ist gut ein Fünftel aller erwachsenen Chinesen übergewichtig. Diese Zahlen liegen zwar weiterhin deutlich unter denen in Industrieländern wie Deutschland, wo mindestens jeder Zweite zu viele Pfunde auf die Waage bringt, doch der Abstand sinkt kontinuierlich.

"Die klassischen chinesischen Ernährungsgewohnheiten, viel Gemüse und Kohlenhydrate und sehr wenige Tierprodukte, gibt es nicht mehr", schreibt Popkin in seiner Studie. Mittlerweile ist China der größte Schweinefleischproduzent der Welt. Die Produkte erfreuen sich im Land großer Beliebtheit: Im Jahr 2006 hatten 99 Prozent aller chinesischen Erwachsenen einen Speiseplan, bei dem sie mehr als zehn Prozent ihrer Kalorien über Fett aufnahmen.

Außer der Ernährungsumstellung sei vor allem fehlende Bewegung für die Gewichtszunahme verantwortlich.

Popkin warnt in seiner Studie vor dramatischen Kosten für das chinesische Gesundheitssystem, verursacht von einem Boom bei Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen. Selbst bei konservativen Annahmen ergäben sich dadurch Belastungen in Höhe von vier bis acht Prozent der Wirtschaftsleistung. Gleichzeitig sei die Situation in China ein Hinweis darauf, wie die Entwicklung in anderen Teilen der Welt verlaufen könnte. Hier müsse die Politik gegensteuern, schreibt Popkin, und die Menschen zu einem gesunden Lebensstil erziehen.

chs/Reuters



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