Erneuerbare Energie Britische Regierung will alle Haushalte mit Windkraft versorgen

Die britische Regierung plant eine Energie-Revolution: Bis zum Jahr 2020 sollen alle britischen Haushalte mit Strom aus Offshore-Windkraftanlagen versorgt werden können. Selbst Ökostrom-Lobbyisten sind skeptisch.


Die Klimakonferenz von Bali, bei der zurzeit über die Zukunft der Treibhausgas-Emissionen verhandelt wird, scheint eine Art Aufbruchsstimmung zu erzeugen - zumindest in Teilen der Welt. Der britische Energieminister John Hutton etwa ist voller Optimismus: "Bis zum Jahr 2020 könnte vor unseren Küsten so viel Elektrizität erzeugt werden, dass das Äquivalent aller unserer Haushalte damit versorgt werden könnte", sagte Hutton bei einer Konferenz in Berlin. Bis zu einer Kapazität von 33 Gigawatt wolle man die Windenergie-Anlagen vor der Küste aufstocken. Insgesamt müssten dazu 7000 Windturbinen aufgestellt werden. Bisherige Pläne reichten nur für acht Gigawatt - und bis heute bestreitet Großbritannien nur 2,2 Prozent seines Gesamtbedarfs mit erneuerbaren Energien.

Offshore-Windanlage: "Veränderung wird für die Menschen sichtbar sein"
DDP

Offshore-Windanlage: "Veränderung wird für die Menschen sichtbar sein"

Hutton gestand der BBC zufolge ein, dass die Maßnahmen "unsere Küste verändern werden". Es gebe keine Möglichkeit "den Schritt zu einer Technologie mit geringem Kohlenstoffverbrauch zu vollziehen, ohne eine Veränderung durchzuführen, und diese Veränderung wird für die Menschen sichtbar sein". Der Klimawandel sei jedoch eine Realität, die nicht verschwinden werde, "wenn man den Kopf in den Sand steckt".

Umweltaktivisten und Lobbyisten aus dem Sektor erneuerbare Energien begrüßten den Vorstoß der britischen Regierung einerseits - zeigten sich aber andererseits skeptisch. Die Renewable Energy Foundation kommentierte: "Das prognostizierte Ausmaß ist ziemlich unrealistisch." Ein wirklichkeitsnäheres Ziel liege eher im Bereich von 10 Gigawatt durch Offshore-Windparks. Greenpeace-Direktor John Sauven sagte: "Hutton verspricht nicht weniger als eine Windenergie-Revolution, aber die wird nicht allein aufgrund einer Rede Realität werden." In der Regierung hätten "die Energie-Dinosaurier schon viel zu lang die Oberhand gehabt".

Hutton sagte auf Nachfragen von Journalisten, dass die Verlässlichkeit der Windenergie natürlich nicht erlaube, sich vollständig darauf zu verlassen. Es werde weiterhin eine Mischung geben müssen, die auch Atomenergie einschließe.

Schatten-Energieminister Duncan und der umweltpolitische Sprecher der oppositionellen Liberaldemokraten begrüßten die Ankündigung. Letzterer verwies allerdings auf eigene Forderungen, britische Haushalte mit Mikrogeneratoren auszustatten und einen Damm in der Mündung des Flusses Severn zu errichten. Ein Wasserkraftwerk dort könne allein fünf Prozent des britischen Strombedarfes decken.

cis/Reuters



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