Erste Bilder "Odyssey" blickt zurück

Zugegeben: Fotos, die den Erdball aus dem Weltall zeigen, hat es schon beeindruckendere gegeben. Dennoch hat die erste Aufnahme der Mars-Sonde "Odyssey" die beteiligten Astronomen in Verzückung versetzt.

Interaktive Grafik: Die Module der "Odyssey"




Nur schwach hebt sich die dünne Sichel vom pechschwarzen Hintergrund ab. Wie ein weit entfernter Mond, der nur zu einem kleinen Teil von der Sonne beleuchtet wird, präsentiert sich der Blaue Planet. Wer den echten Erdenmond erkennen will, muss noch genauer hinschauen: In großer Distanz zu der blassen Erdensichel ist der irdische Begleiter zu erkennen.

Was auf den ersten Blick an einen wenig erfolgreichen Foto-Versuch eines Hobby-Astronomen erinnert, ist in Wahrheit große Wissenschaft - schließlich stellen die Aufnahme die ersten brauchbaren Bilder der Mars-Sonde "Odyssey" dar: Aus mehr als 3,5 Millionen Kilometern Entfernung hat das Nasa-Raumfahrzeug zum ersten Mal seine Praxistauglichkeit bestehen müssen.

Mit Erfolg. Denn erklärtes Ziel war es nicht, ein besonders eindrucksvolles Bild des Heimatplaneten zu schießen. Vielmehr sollten die empfindlichen Systeme der Sonde einem ersten Test unterzogen werden, der letztlich in der Kalibrierung der "Themis"-Kamera enden soll.

Entsprechend euphorisch fielen die ersten Reaktionen der beteiligten Wissenschaftler aus: "Unser Team hat mit dem Foto der Erde einen phantastischen Job gemacht - vor allem aus dieser großen Entfernung", jubelte Philip Christensen, der für die "Themis"-Kamera zuständige Wissenschaftler. "Zum ersten Mal konnte eine thermische Infrarot-Aufnahme von Erde und Mond aus dem interplanetaren Raum gemacht werden."

Während im sichtbaren Bereich des Lichts lediglich die schmale Erdensichel zu erkennen ist, zeigt sich im infraroten Teil des Spektrums ein völlig anderes Bild der nächtlichen Erde: Blau - und somit sehr kalt - ist im unteren Teil der Aufnahme der Südpol zu erkennen. Die "Odyssey"-Messdaten lassen auf Temperaturen bis zu minus 50 Grad Celsius schließen. Die rötliche und damit viel wärmere Region direkt darüber stellt Australien dar. Die Mars-Sonde hat für den fünften Kontinent eine Temperatur von neun Grad Celsius ermittelt.

Damit liegt "Odyssey" gar nicht so weit daneben. Die Vostok-Station in der Antarktis hat nach Nasa-Angaben in der entsprechenden Nacht minus 63 Grad Celsius gemessen. Und in Australien erreichte das Quecksilber den Messungen auf der Erde zu Folge zehn Grad. "Folglich können wir Temperaturen mit sehr hoher Genauigkeit messen", sagt Christensen. "Sogar aus einer Entfernung von mehr als drei Millionen Kilometern."

Vielleicht noch eindrucksvoller sind aber die Größenverhältnisse, die die Aufnahmen der "Odyssey" offenbaren. So klein der Planet auf dem "Themis"-Foto auch erscheint, die Entfernung zwischen Erde und Mond ist trotz allem überraschend groß. Eine Beobachtung, die von den Fakten belegt wird. Rund 12.750 Kilometer misst die Erde im Durchmesser, eine Winzigkeit verglichen mit dem Abstand zum 385.000 Kilometer - oder mehr als 30 Erddurchmesser - entfernten Mond.

Aus den Weiten des interplanetaren Raums aufgenommen, repräsentiert jedes Pixel der "Themis"-Aufnahme eine Fläche von 900 mal 900 Kilometer. Das reicht, um den Südpol von Australien zu unterscheiden, zu mehr aber nicht. Wenn "Odyssey" Mitte Oktober am Roten Planten ankommt, soll sich das allerdings ändern. Im Mars-Orbit stellt jeder Bildpunkt nur noch eine Fläche von 100 mal 100 Metern auf der Mars-Oberfläche dar - nicht viel mehr als die Größe eines Fußballfeldes.

Alexander Stirn

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