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Sensation im Hunsrück: Zeichnungen der Altsteinzeit

Foto: Thomas Frey/ dpa

Hunsrück Erstmals Felsgravuren aus der Altsteinzeit in Deutschland entdeckt

Es sind die ältesten bekannten Zeichnungen in Deutschland: Im Hunsrück hat ein Wanderer gut 20.000 Jahre alte Gravuren im Stein entdeckt, sie zeigen vier Pferde.

Gondershausen/Hamburg - Zum ersten Mal sind in Deutschland Felsgravuren aus der Altsteinzeit entdeckt worden. Vier Tiere sind im Schiefergestein an einem Abhang im Hunsrück zu erkennen: Vor 20.000 bis 25.000 Jahren griff ein Künstler zu seinem Werkzeug aus hartem Stein und schlug Bilder von zwei großen und einem kleinen Pferd sowie von einem bislang noch nicht identifizierten Tier in einen Schieferfelsen.

Warum der Künstler die 25 bis 50 Zentimeter großen Pferde erschaffen hat, ist laut Archäologen nicht mehr zu sagen. "Es kann etwas mit einem Jagdzauber, mit der Beschwörung der Tiere zu tun haben", vermutet der rheinland-pfälzische Landesarchäologe Axel von Berg.

Archäologen der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) zeigten große Begeisterung über diesen Fund bei Gondershausen (Rhein-Hunsrück-Kreis). Die Landesarchäologen Axel von Berg und Archäologe Wolfgang Welker sprachen von einem "Glücksfall", der sie sehr überrascht habe.

Römer ließen sie stehen

Rund zwei Jahre lang haben sie mit weiteren Experten laut von Berg untersucht, ob sie sich mit der Datierung nicht doch irren. Aber jetzt sind sie sich sicher: "Das sind mit die ältesten Sachen, die wir in Deutschland haben", sagt von Berg.

Es handele sich um den ersten Fund altsteinzeitlicher Felskunst in der Bundesrepublik. Dass sie im sehr witterungsanfälligen Schiefergestein erhalten blieb, ist laut den Archäologen dem Zufall zu verdanken. Von Berg vermutet, dass eine Art natürliches Felsdach die bis zu zwei Zentimeter tiefen Gravuren aus der Zeit der Jäger und Sammler lange Jahre vor der Witterung geschützt hat.

Und als die Römer ab dem zweiten oder dritten Jahrhundert nach Christus begannen, Steine zum Villenbau abzutransportieren, ließen sie den Felsen mit der Kunst stehen. Laut von Berg könne es aber sein, dass sie auch Gestein mit Gravuren zu Bauquadern verarbeitet haben und das Werk ursprünglich größer war.

Viel im Wald unterwegs

Entdeckt hat die Gravuren der Gondershausener Jürgen Weinheimer. "Er ist viel im Wald unterwegs und hat es vor 22 Jahren das erste Mal gesehen", erzählte Arno Quirin aus Gondershausen. Vor acht Jahren sei der Finder zu ihm gekommen, weil er sich doch für die Römer und die Ortsgeschichte interessiere.

"Um die Ecke waren Hügelgräber aus der Bronzezeit, ich habe das in den Zusammenhang gebracht", sagte Quirin. Irgendwann sprach er doch einen Archäologen an. "Für uns ist das eine absolute Sensation", erklärte Ortsbürgermeister Markus Landsrath.

Eine "Art von Völkerwanderung" zu den Gravuren befürchtet nun Quirin. "Wir überlegen jetzt, wie wir die Fundstelle dauerhaft schützen können", erklärte Landesarchäologe von Berg und verwies auch auf die Gefahr von Vandalismus.

"Geld ist hier nicht das Problem, sondern es geht erst einmal darum, eine angemessene Lösung zu finden", sagte Kulturministerin Doris Ahnen (SPD) bei der Besichtigung der Gravuren fernab der Wege an einem steilen Abhang mitten im Wald. Denn die Kunst solle der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Von Berg brachte einen detailgetreuen Abguss zentral im Ort ins Gespräch.

Von Yvonne Stock, dpa / boj
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