Erwärmung Wasser kühlt die Welt

Auch wenn die Sonne wärmer wird, muss das keine katastrophalen Auswirkungen auf die irdischen Temperaturen haben. Das Wetter auf dem Blauen Planeten könnte allerdings leiden.


Die Klimaanlage der Erde scheint zu funktionieren. Egal ob die Sonne, von der sämtliches Leben auf der Erde abhängt, heißer oder kälter wird, der Planet merkt davon wenig. Zumindest dann nicht, wenn Hsien-Wang Ou recht behält.

Thermostat: Wasser hält die irdische Temperatur konstant
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Thermostat: Wasser hält die irdische Temperatur konstant

Der Forscher vom Lamont-Doherty Earth Observatory im US-Bundesstaat New York glaubt, dass Wasser die klimatischen Effekte auf der Erde weitgehend minimieren kann. Das nasse Element, ohnehin das wichtigste natürliche Treibhausgas, verdampft bei steigender Temperatur zu einem immer größeren Teil. Viele Wissenschaftler vermuten, dass dies einen Teufelskreis in Gang setzt. Mehr Wasserdampf erhöht den Treibhauseffekt, der seinerseits wieder mehr Wasser verdampfen lässt.

Ou schiebt dem allerdings, wie das britische Wissenschaftsmagazin "Nature" in seiner Onlineausgabe schreibt, einen natürlichen Riegel vor: Wolken. Ein bedeckter Himmel reflektiert das Sonnenlicht zu einem großen Teil zurück in den Weltraum, die auf die Erdoberfläche treffende Energie nimmt ab.

Zwar haben schon andere Forscher die klimaregulierende Wirkung von Wolken studiert, doch selten so detailliert wie Ou. Der Forscher unterscheidet, wie "Nature Science Update" berichtet, bei seinen Studien zwischen zwei Arten von Wolken: hoch- und tieffliegende. Während sich erstere durch starke, feuchte Luftströmungen in einer Höhe von bis zu 15 Kilometern bilden, bleiben letztere eher bodenständig.

Erwärmt sich nun das Klima, bessert sich, wie Ou im Fachblatt "Journal of Climate" schreibt, das Wetter in großer Höhe. Gleichzeitig bilden sich in Bodennähe allerdings verstärkt Wolken. Auf Grund dieser Effekte bleibt einer weitere Erwärmung der Erde aus. Der Regelkreis funktioniert.

Selbst wenn sich die Intensität der Sonne um 50 Prozent steigern würde, hätte das vergleichsweise geringe Auswirkungen auf die irdische Temperatur. Ou rechnet mit einem durchschnittlichen Plus von zehn Grad.

Auch bei einer allgemeinen Abkühlung verlangsamt der Wasserdampf den Effekt - allerdings mit einer entscheidenden Einschränkung: Sollten die Ozeane einmal gefrieren, ist der wässrige Thermostat am Ende angelangt.



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