Essstörungen Homosexuelle Männer haben höheres Magersucht-Risiko

Drei Mal so viele homo- oder bisexuelle wie heterosexuelle Männer berichteten US-Medizinern von Essstörungen - Magersucht, Bulimie oder Essattacken. Bei Frauen fanden die Forscher solche Unterschiede zwischen den sexuellen Orientierungen nicht. Jetzt rätseln sie: Woran liegt's?

Das Risiko scheint drei Mal so groß zu sein: Mehr als 15 Prozent der für eine Studie befragten homosexuellen und bisexuellen Männer litten schon einmal an Magersucht, Brechsucht oder Fresssucht ("binge eating"), berichten New Yorker Forscher. Nur fünf Prozent betrage dieser Anteil bei heterosexuellen Männern. Zu diesen Zahlen waren Ilan Meyer und Matthew Feldman von der Columbia University mit einem standardisierten Fragebogen nach Kriterien der Vereinten Nationen gelangt. Bei diesem wurden allerdings nicht nur ärztlich behandelte, sondern auch weniger schwerwiegende (subklinische) Fälle von Anorexia, Bulimia und Ess-Anfällen gemessen.

Gut 500 Probanden hatten die beiden Forscher befragt. Wie Meyer und Feldmann in der April-Ausgabe der Fachzeitschrift "International Journal of Eating Disorders" berichten, gibt es bei Frauen keinen vergleichbaren Unterschied. Hier liege der Wert für homo- und bisexuelle bei zehn, für heterosexuelle Frauen bei acht Prozent - angesichts der Größe der Stichprobe ein eher vernachlässigbarer Unterschied.

"Schwule und bisexuelle Männer haben entschieden höhere Prävalenz-Schätzungen für Essstörungen als heterosexuelle Männer", berichten die Forscher. Sollten sich ihre Zahlen auch auf einer breiteren Datenbasis bestätigen, hätten sie die Gruppe mit dem höchsten Essstörungs-Risiko ausgemacht. Doch was ist der Grund dafür?

Kein statistischer Schutz für homosexuelle Frauen

"Das ist unklar", sagte Meyer. "Eine Theorie ist, dass Normen und Werte in der Schwulen-Community eine körperzentrierte Sichtweise und hohe Erwartungen an die physische Erscheinung begünstigen." Ebenso wie schon über heterosexuelle Frauen theoretisiert worden war, könnten auch homo- oder bisexuelle Männer entsprechend größerem Erwartungsdruck an ihr Äußeres ausgesetzt sein, erklärte der Mediziner.

Beides mag man recht holzschnittartig finden. In ihrer weiteren Auswertung fanden Meyer und Feldman auch heraus: So einfach ist die Erklärung nicht. Die Teilnehmer wurden befragt, wie stark sie sich in der Community engagierten oder ob sie etwa in ausgewiesenen Fitnessstudios für Homosexuelle trainierten. Beides hielten die Forscher für Hinweise auf eine mögliche größere Körperfixierung - sie fanden aber keinen Zusammenhang. "Dann muss es wohl an anderen Faktoren als den Normen und Werten der Community liegen, dass diese Männer höhere Essstörungsraten haben", sagte Meyer. Weitere Forschung zum Zusammenhang von sexueller Orientierung und möglicherweise krankhaftem Ernährungsverhalten sei nötig.

stx