"Eurofighter"-Unglück Bundeswehr-Ermittler gehen von Pilotenfehler aus

Nach dem Absturz zweier "Eurofighter"-Jets der Bundeswehr halten Ermittler nach SPIEGEL-Informationen einen Piloten-Fehler für die wahrscheinlichste Unfallursache. Letzte Klarheit soll eine Rekonstruktion des Manövers bringen

Gesperrte Straße in der Nähe der Eurofighter-Absturzstelle in Mecklenburg-Vorpommern
Christophe Gateau/ DPA

Gesperrte Straße in der Nähe der Eurofighter-Absturzstelle in Mecklenburg-Vorpommern

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Nach dem Absturz von zwei "Eurofightern" der Bundeswehr halten die Ermittler des Militärs einen Pilotenfehler für die wahrscheinliche Ursache. Nach ersten Recherchen schließt der General Flugsicherheit der Bundeswehr einen technischen Defekt an den beiden abgestürzten Kampfjets aus und hat daher den Flugbetrieb für die restliche Luftwaffenflotte wieder freigegeben.

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Heft 27/2019
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Drei "Eurofighter" hatten am Montag über der Mecklenburger Seenplatte bei einer Übung die Verfolgung eines feindlichen Jets simuliert. Bei den Jagdsequenzen kollidierten die beiden Verfolger nach rund 20 Minuten und stürzten ab; einer der Piloten starb. Die Ermittler prüfen nun, ob einer der beiden seinen Kameraden bei den riskanten Verfolgungsmanövern in der Luft übersehen hatte und deswegen mit ihm zusammenstieß. Möglich scheint auch ein Missverständnis bei der Positionsabsprache über Funk.

Anhand der Daten der Bordcomputer und des geborgenen Flugdatenschreibers, der auch die Kommunikation zwischen den Piloten aufzeichnet, will der Chefermittler der Bundeswehr den Flugverlauf in einer 3-D-Echtzeitsequenz nachstellen, um die Unfallursache zu ermitteln. Ungeklärt ist bisher die Frage, ob der beim Absturz getötete 27-jährige Oberleutnant nach der Kollision noch seinen Schleudersitz betätigen konnte oder ob seine Maschine so stark beschädigt wurde, dass der Rettungsmechanismus zwar automatisch auslöste, aber nicht mehr richtig funktionierte.

Die beiden Jets waren nach dem Zusammenstoß wenige Kilometer voneinander entfernt teilweise brennend abgestürzt, herabstürzende Teile verfehlten nur knapp Ortschaften. Die Luftwaffe verteidigt die Luftkampfübungen über Deutschland: Anders könne man Piloten nicht auf den Ernstfall vorbereiten.

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insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
frank.huebner 28.06.2019
1. Gefährlicher Job
Einen Kampfjet zu fliegen ist siher einer der gefährlisten Jobs der Welt, und Unfälle werden sich nie vermeiden lassen. Es passiert einfach, wie bei Rennfahrern, Kampfsportlern, Elektrikern etc Ich hoffe, das wird hier nicht wieder so eine däliche "Wir brauchen keine Bundeswhr"-Diskussion, denn wir brauchen eine Bundeswehr.
stedaros 28.06.2019
2. restliche Luftwaffenflotte
"Nach ersten Recherchen schließt der General Flugsicherheit der Bundeswehr einen technischen Defekt an den beiden abgestürzten Kampfjets aus und hat daher den Flugbetrieb für die restliche Luftwaffenflotte wieder freigegeben." Das hört sich nicht gut an, noch zwei einsatzbereit. Noch son Ding und das wars für Laage. Der Pilot kann durch viele Ursachen uns Leben gekommen sein, Trümmerteile scheint mir das Wahrscheinliche. Rausgekommen ist er ja.
hahewo 28.06.2019
3. Eurofighter
Mein Beileid gilt den Hinterbliebenen des Todesopfers. Für den Verletzten die besten Genesungswünsche. Für die Ermittler, sie sollten sich mal was Neues einfallen lassen. Schon bei der 104 G-Krise wurde mehrheitlich Pilotenfehler testiert. Mit diesem Urteil ist man immer schnell bei der Hand.Fast ebenso schnell mit dem Urteil, keine Gefährdung der Umwelt. Wer soll das noch glauben?
three-horses 28.06.2019
4. Kolaterallschaden, kommt vor.
Zitat von stedaros"Nach ersten Recherchen schließt der General Flugsicherheit der Bundeswehr einen technischen Defekt an den beiden abgestürzten Kampfjets aus und hat daher den Flugbetrieb für die restliche Luftwaffenflotte wieder freigegeben." Das hört sich nicht gut an, noch zwei einsatzbereit. Noch son Ding und das wars für Laage. Der Pilot kann durch viele Ursachen uns Leben gekommen sein, Trümmerteile scheint mir das Wahrscheinliche. Rausgekommen ist er ja.
"Rausgekommen ist er ja"...ja, durch die nicht abgesprengte Kabine. "technischen Defekt ausgeschlossen" ...das Notfall System hatte nicht funktioniert. Und wenn auch das Leitwerk oder so, vorher, auch nicht...aber das kann in der Uschi Armee nicht vorkommen. Normale Weise liegt der Ausfall bei 50%, somit sind 100% nicht ansatzweise möglich. Und was will man noch untersuchen wenn das Wrack gesprengt worden ist. Ob mit oder ohne Absicht. Und so nebenbei, die 3500? Stunden des zweiten Piloten, gehen wir davon aus, eine Flugstunde ist 20 Minuten lang, kosten je 20 Minuten Flugzeit und je 20 Tausend um die 70 Millionen Euronen. Andere Kosten exclusive.
Acer99 28.06.2019
5. Pilotenfehler
Wenn zwei Flugzeuge zusammen stoßen, ist kaum eine Konstellation vorstellbar, bei der kein Pilotenfehler vorlag.- Die Frage ist, wem und warum dieser Fehler unterlief. War es ein schicksalhafter Fehler, der in solch Kampfübungen schlechterdings nicht vermeidbar ist, oder liegt es an unzureichendem Training, weil der Luftwaffe nicht genüg Material und Budget zur Verfügung steht. Kampfpiloten sind die handverlesene Elite der Elite, denen sehr viel abverlangt wird (manchmal sogar das Leben). Eine Führung bzw eine Gesellschaft, die das von ihren Soldaten verlangt, sollte sie bestmöglich ausbilden und auch ausrüsten.
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