Immer weniger Kohlekraft CO2-Emissionen der europäischen Stromproduktion stark gesunken

Es ist eine gute Nachricht für das Klima: Für die Stromerzeugung sind in der EU 2019 deutlich weniger Treibhausgase ausgestoßen worden als zuvor. Grund ist ein neuer Rekord im Energiesektor.
Braunkohlekraftwerk Niederaußem bei Köln (Archivbild): "Einzigartige Geschwindigkeit bei der Ablösung von Kohlestrom"

Braunkohlekraftwerk Niederaußem bei Köln (Archivbild): "Einzigartige Geschwindigkeit bei der Ablösung von Kohlestrom"

Foto: imago/Rupert Oberhäuser

Der CO2-Ausstoß der Stromproduktion in der Europäischen Union ist im vergangenen Jahr so stark gesunken wie noch nie seit 1990. Insgesamt seien die Treibhausgasemissionen des EU-Stromsektors um 12 Prozent im Vergleich zu 2018 zurückgegangen, heißt es in einer Jahresauswertung  der Denkfabriken Agora Energiewende und Sandbag. Das entspreche einem Minus von rund 120 Millionen Tonnen Kohlendioxid.

Der starke Rückgang ist laut der Auswertung auf einen veränderten Energiemix zurückzuführen. So habe der gestiegene CO2-Preis der EU die klimaschädliche Stromgewinnung aus Stein- und Braunkohle weniger rentabel gemacht, sie sei deswegen im vergangenen Jahr EU-weit um 24 Prozent beziehungsweise 150 Terawattstunden gesunken. Gleichzeitig habe sich der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromproduktion auf einen neuen Rekordwert von knapp 35 Prozent erhöht.

"Europa legt weltweit eine einzigartige Geschwindigkeit bei der Ablösung von Kohlestrom durch Wind- und Solarenergie an den Tag", sagte Analyst Dave Jones von Sandbag. 2019 hätten die erneuerbaren Energien erstmals mehr Strom als Kohlekraftwerke geliefert. "Für einen vollständigen europäischen Kohleausstieg fehlen noch die Ausstiegspläne der Braunkohleländer Polen, Tschechien, Rumänien und Bulgarien."

Überall mehr Wind- und Solarstrom, außer in Tschechien

Die Stromerzeugung in Steinkohlekraftwerken brach nach Angaben von Agora Energiewende und Sandbag im Vergleich zu 2018 europaweit um 32 Prozent ein, die Braunkohleverstromung nahm um 16 Prozent ab. Bei der Braunkohle sind fast zwei Drittel des Rückgangs Deutschland und Polen zuzuschreiben. Gaskraftwerke waren die einzigen konventionellen Stromerzeuger, deren Produktion zulegte - und zwar um 12 Prozent.

Aufgrund eines guten Windjahres lieferten Windkraftanlagen in der EU im vergangenen Jahr 14 Prozent mehr Strom als im Vorjahr. Die Solarstromproduktion nahm im selben Zeitraum um sieben Prozent zu. Der Anteil von Solar- und Windstrom stieg 2019 in allen EU-Staaten außer Tschechien.

"Trotz der positiven Entwicklung muss das Zubautempo noch weiter beschleunigt werden", sagte Matthias Buck von Agora Energiewende. Die Leistung von Windkraftanlagen und Photovoltaik müsse gesteigert werden, um das EU-Ziel von knapp einem Drittel erneuerbaren Energien an der gesamten Strommenge bis 2030 zu erreichen. Hierfür sei in den Bereichen Windkraft und Solarenergie ein Wachstum von 97 Terawattstunden Strom jährlich nötig - etwa 33 Terawattstunden mehr als 2019.

Die Autoren der Studie empfahlen außerdem die Verschärfung des Handels mit CO2-Zertifikaten in der EU. Die Menge der jährlich ausgegebenen Verschmutzungszertifikate müsse stärker als bislang vorgesehen verringert werden. Der Preis für den Ausstoß von Kohlendioxid entscheide darüber, ob klimaschädliche Energieträger vom Markt verdrängt würden. "Damit wir dauerhaft Klimaschutz sehen, ist es wichtig, dass der Preis für CO2 das aktuelle Niveau mindestens hält", sagte Buck.

jki
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