Gesundheitsgefahr Millionen Menschen sind zu hohem Lärm ausgesetzt

Autos, Flugzeuge, Industrie - Millionen Menschen in Europa leiden unter Lärm und daraus resultierendem Schlafmangel, schätzt die Europäische Umweltagentur. Die Belastung wird wohl noch steigen.
Hauptlärmverursacher Straßenverkehr: Autos auf der Leipziger Straße in Berlin

Hauptlärmverursacher Straßenverkehr: Autos auf der Leipziger Straße in Berlin

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Kay Nietfeld/ dpa

Millionen Europäer sind in ihrer Umgebung gesundheitsschädlichem Lärm ausgesetzt. Größter Lärmverursacher bleibt dabei sowohl tagsüber als auch nachts der Straßenverkehr, wie aus einem Bericht der Europäischen Umweltagentur  (EEA) hervorgeht.

Schätzungsweise 113 Millionen Menschen in Europa müssten dauerhaft mit durch Straßenverkehr verursachten Geräuschen von 55 Dezibel oder mehr klarkommen, teilte die in Kopenhagen ansässige EU-Behörde mit. 22 Millionen seien von einem ungesund hohen Lärmpegel durch Züge, vier Millionen durch Flugzeuge und knapp eine Million durch Industrielärm betroffen. 55 Dezibel entspricht etwa der Lautstärke eines Gesprächs.

EU-Ziel einer signifikanten Lärmverringerung verfehlt

Lärm kann zu schweren Gesundheitsproblemen führen: Schätzungsweise 22 Millionen Menschen auf dem Kontinent fühlen sich nach EEA-Angaben von einer dauerhaft hohen Lärmbelastung in ihrer unmittelbaren Umgebung stark gestört, 6,5 Millionen leiden wegen des Lärms unter schweren Schlafstörungen. Jährlich führe langfristiger Umgebungslärm zu schätzungsweise 12.000 vorzeitigen Todesfällen.

Trotz Versuchen, den Lärm zu vermindern, sei seit der letzten EEA-Erhebung dieser Art im Jahr 2014 die Zahl der betroffenen Europäer nicht gesunken, sagte EEA-Lärmexpertin Eulalia Peris, die leitende Autorin des Berichts. Das EU-Ziel einer signifikanten Lärmverringerung bis 2020 werde deshalb verfehlt.

Voraussichtlich werde es auch künftig nicht leiser in Europa werden: Es werde damit gerechnet, dass die Zahl der Europäer, die übermäßigem Lärm ausgesetzt sind, in den kommenden Jahren weiter steigen werde, erklärte die EEA. Das liege zum einen am Wachstum der Städte, zum anderen aber auch an der wachsenden Nachfrage nach Mobilität.

Südeuropa stärker von Verkehrslärm betroffen

Innerhalb Europas gebe es große Unterschiede zwischen den Ländern, sagte Peris. In Deutschland seien prozentual betrachtet weniger Menschen einem hohen, vom Straßenverkehr ausgelösten Lärm ausgesetzt als zum Beispiel in Südeuropa. Während innerhalb städtischer Gebiete in Deutschland im Vergleichsjahr 2017 schätzungsweise jeder vierte bis fünfte Einwohner laut EEA-Bericht einem Straßenlärm von mehr als 55 Dezibel ausgesetzt war, war das bei fast zwei von drei Stadtmenschen in Italien und auf Zypern beinahe jedem städtischen Einwohner der Fall. Dies dürfe jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Menschen in jedem Land ungesunden Lärmfrequenzen ausgesetzt seien, sagte Peris.

Das Problem der Lärmbelastung müsse mit mehreren Maßnahmen zugleich angegangen werden, forderte Peris. Beispiele für die gängigsten Maßnahmen sind laut EEA-Angaben den Asphalt auf älteren Straßen auszutauschen, den Verkehrsfluss besser zu steuern und die Geschwindigkeit auf 30 Kilometer pro Stunde zu senken.

Der EEA-Bericht beruht auf Informationen aus den EU-Staaten inklusive Großbritannien sowie Island, Norwegen, Liechtenstein und der Schweiz. Als Umgebungslärm betrachtet die Behörde ungewollte und schädliche Außengeräusche, die vom Menschen im Straßenverkehr sowie mit Zügen, Flugzeugen und in der Industrie verursacht werden.

bbr/dpa
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