Europäische Raumfahrt Zweite Mars-Mission geplant

Die Europäische Weltraumorganisation (Esa) will 2005 einen zweiten Vorstoß zum roten Planeten unternehmen. Ein Teil der Ausstattung fliegt schon 2003 ins All, mit Mars Express 1.


Mars: Zweiter Esa-Besuch schon 2005
NASA

Mars: Zweiter Esa-Besuch schon 2005

Hamburg - Die Ankündigung von Mars Express 2 machten kürzlich Sprecher der Esa bei einer Tagung der internationalen Arbeitsgruppe zur Marserforschung in Helsinki. Die Esa wird dazu die für das Projekt Mars Express 1 bereitgestellten Reserveeinheiten nutzen.

Durch die Verwendung des Ersatzmaterials können nach Ansicht der Experten wesentliche Kosteneinsparungen an der Hardware von Mars Express 2 erzielt werden. Da für das Jahr 2005 neue Messungen auf dem Erdnachbarn angestrebt werden, soll es Anfang kommenden Jahres einen Ideenwettbewerb für andere Instrumente und gegebenenfalls auch für einen Lander geben. Denkbar sind auch Vorschläge, bei denen für Mars Express 2 ein ganz anderes Ziel als der rote Planet ausgewählt wird.

Mars Express 1 wird mit einem Aufwand von knapp 300 Millionen Mark kostengünstig gebaut. Es ist die erste flexible Mission der Esa, bei der kommerziell erhältliche oder bereits für andere Raumfahrtunternehmungen entwickelte Technologie in größtmöglichem Umfang genutzt werden. Der Orbiter von Mars Express 1 soll mit seinen sieben Instrumenten an Bord detaillierte Beobachtungen der Planetenoberfläche machen.

Kurz vor seiner Ankunft wird ein von britischen Forschungsinstituten gebautes Landegerät (Beagle 2) ausgesetzt, das auf dem roten Planeten nach Hinweisen für die Existenz von Leben fahnden soll. Das europäische Fluggerät ist so konzipiert, dass es mit den amerikanischen Besuchern am Mars kommunizieren kann. Die Amerikaner können den Mars Express als Relaisstation für ihre Landeapparate verwenden.

Die amerikanische Weltraumbehörde (Nasa) hatte am 26. Oktober ihr Programm für die Mars-Forschung der nächsten Jahre neu formuliert. Allerdings hatten einzelne Experten die Strategie kritisiert. Sie bezeichneten die Vorgehensweise als unzureichend, nicht dynamisch genug und zu wenig auf den bemannten Marsflug ausgerichtet. In der Tat verzögert die neue Konzeption den Robotereinsatz zum Transport von Marsgestein auf die Erde. Und auch die Spekulationen um den Termin der ersten bemannten Marslandung am 20. Juli 2019, dem 50. Jahrestag der ersten Schritte eines Menschen auf dem Mond, dürften nicht mehr zu realisieren sein.

Die amerikanische Zurückhaltung ist nicht zuletzt auf die Rückschläge zurückzuführen, welche die Nasa mit dem Verlust ihrer Sonden Mars Climate Orbiter (Kosten 124 Millionen Dollar) und Mars Polar Lander (165 Millionen Dollar) erlitten hat. Der Chef des amerikanischen Marsprogramms, Scott Hubbard, möchte dem Steuerzahler keinesfalls 1,5 bis 2 Milliarden Dollar (rund 4,6 Milliarden Mark) für die Aufsammlung eines zufälligen Marsbrockens aufbürden. "Es muss eine wohl berechnete Aktion zur Bergung einer wissenschaftlichen Probe sein."

Nach der augenblicklichen Planung verschiebt sich die erste Mission zur Bergung und zum Abtransport von Marsgestein auf das Jahr 2014 - mit einer Option für 2011.



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