Evolutionsbiologie Zukunftserwartung steuert Geschlecht von Babys

Wenn eine Frau glaubt, noch ein langes Leben vor sich zu haben, dann bekommt sie eher Söhne als Töchter. Dieses Ergebnis einer britischen Studie stützt die These, dass auch in westlichen Gesellschaften die Lebensbedingungen der Frauen das Geschlecht der Kinder beeinflussen.


Junge oder Mädchen? Die Gefühle der Mutter entscheiden mit
DPA

Junge oder Mädchen? Die Gefühle der Mutter entscheiden mit

Das Verhältnis von Jungen und Mädchen unter Neugeborenen ist keineswegs konstant. Schon seit längerem beobachten Forscher, dass beispielsweise in Krisensituationen mehr Mädchen als Jungen geboren werden. Evolutionsbiologen erklären dies damit, dass bei knappen Ressourcen Frauen für das Überleben weit wichtiger sind als Männer, weil nur Frauen Nachwuchs zur Welt bringen können und somit viele Enkelkinder ermöglichen.

Die Beeinflussung des Geschlechts von Babys galt bisher als ein Phänomen, das vor allem in Entwicklungsländern auftritt. Doch auch in Westeuropa, wo keine Hungersnöte drohen, hat die Mutter Einfluss auf die Geschlechterwahl.

Die Anthropologin Sarah Jones von der University of Kent in Großbritannien interessierte sich dabei für psychologische Faktoren. Sie fragte 600 Mütter in der Grafschaft Gloucestershire, wie sie ihre eigene Lebenserwartung einschätzen und stellte diese dem Geschlechterverhältnis der von ihnen geborenen Kinder gegenüber.

Überraschendes Ergebnis: Frauen, die glaubten, über 60 Jahre alt zu werden, bekamen eher Söhne als Töchter (Verhältnis 1,08 zu 1). Mütter, die ihre Lebenserwartung auf unter 48 Jahre bezifferten, brachten hingegen deutlich mehr Mädchen als Jungen zur Welt. Auf 100 Töchter kamen nur 78 Söhne, berichtet die Forscherin in der Zeitschrift "Proceedings of the Royal Society: Biology Letters".

"Die subjektive Lebenserwartung ist eine ziemlich genaue Prognose", erklärt John. Frauen, die an ein langes Leben glauben, seien optimistischer in Bezug auf ihre Umwelt und auf ihre eigene Gesundheit. Möglicherweise seien es auch psychologische Faktoren, die bei der Geschlechterwahl eine Rolle spielen, erklärte die Anthropologin.



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