Evolutionsvorteil Linkshänder prügeln besser

Kämpferisch geprägte Kulturen bringen mehr Linkshänder hervor als pazifistische Gesellschaften, glauben französische Forscher. Denn im Kampf um Leben und Tod gibt es einen strategischen Vorteil: die Linke, mit der keiner rechnet.


Mit links: Linkshänder Darius Michalczewski spürt Gerhard Schröders Linke
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Mit links: Linkshänder Darius Michalczewski spürt Gerhard Schröders Linke

Alexander der Große, Napoleon und Ramses waren es, Fidel Castro und Bill Clinton sind es - Linkshänder. Obwohl die Mehrheit der Menschen die rechte Seite bevorzugt, haben sich Linkshänder in der Evolution behauptet. Französische Wissenschaftler glauben nun, eine Erklärung für dieses Phänomen gefunden zu haben.

Bereits in der Altsteinzeit tauchte die Trennung zwischen Rechts- und Linkshändern auf. Die linke Seite hat sich in der Evolution jedoch unterschiedlich stark durchgesetzt - je nach herrschender Kultur, so die überraschende These von Charlotte Faurie und Michel Raymond von der Université de Montpellier.

Linkshändigkeit ist demnach vor allem bei Zweikämpfen von Nutzen, da sowohl Links- als auch Rechtshänder meist keinen linkshändigen Gegner erwarten und sich mangels Erfahrung oft nicht richtig auf ihn einstellen können. Kulturen, in denen viel gekämpft wird, hätten einen deutlich höheren Anteil an Linkshändern als pazifistische Gesellschaften, schreiben Faurie und Raymond im Fachblatt "Proceedings of the Royal Society: Biological Sciences" (Online-Vorabveröffentlichung).

Mehr Linkshänder, mehr Morde

Die Forscher werteten für ihre Untersuchung Feldstudien und Literatur über mehrere Kulturen aus, darunter die der Dioula im afrikanischen Staat Burkina Faso, der Inuit in Kanada und Alaska sowie der Yanomamö in Venezuela.

Beim Vergleich zwischen dem Anteil der Linkshänder und der Zahl der verübten Morde zeigte sich, dass in friedliebenden Kulturen, in denen sehr wenige Morde verübt werden, nur drei Prozent der Menschen Linkshänder waren. In kriegerischeren Kulturen lag der Anteil dagegen bei bis zu 23 Prozent. Daher hatte wahrscheinlich vor allem die kriegerische Vergangenheit einen wichtigen Einfluss auf die Entwicklung von Rechts- und Linkshändern, vermuten die Wissenschaftler.

Boxer siegen häufig mit links

Pablo Picasso: Erfolgreich mit links
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Pablo Picasso: Erfolgreich mit links

Ihre These sehen sie auch durch Ergebnisse im Leistungssport bestätigt. Die Zahl erfolgreicher Linkshänder sei hier auffällig hoch, besonders beim Boxen und Fechten, sagte Faurie. Je weiter die Kontrahenten voneinander entfernt stünden, umso geringer sei der Anteil der Linkshänder. Beim Tennis spiele die Ausrichtung der Spieler beispielsweise eine geringere Rolle als beim Boxen.

Faurie und Raymond schließen jedoch nicht aus, dass die Linkshändigkeit noch weitere Vorteile mit sich brachte. In der Tat konnten sich Linkshänder auch unter Künstlern und Intellektuellen behaupten, obwohl diese - abgesehen von wenigen Ausnahmen - kaum mit den Fäusten argumentieren. Die Liste ist lang und reicht von Beethoven, Dürer und da Vinci bis zu Picasso, Rachmaninow und Einstein. Die deutschen Bundeskanzler waren übrigens sämtlich Rechtshänder. Mit einer Einschränkung: Gerhard Schröder gilt als "umgeschulter Linkshänder".



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