Exhumierung im TV Chávez lässt Sarg von Unabhängigkeitskämpfer öffnen

"Das ruhmvolle Skelett": Venezuelas Staatschef Hugo Chávez hat am Freitag den Sarg des Unabhängigkeitskämpfers Simon Bolivar öffnen lassen - im Fernsehen. Chávez will prüfen lassen, ob sein politisches Vorbild ermordet wurde. Die Opposition spricht von einer "lächerlichen Show".

REUTERS

Caracas - Überraschung im venezolanischen Fernsehen: Staatschef Hugo Chávez hat am Freitag den Sarg des südamerikanischen Unabhängigkeitskämpfers Simon Bolivar öffnen lassen. Chávez präsentierte die Überreste Bolivars am Abend im TV und erklärte, er weine beim Anblick des "ruhmvollen Skeletts", das Inspiration für seine Bolivarische Revolution sei. Der Staatschef will den Verdacht prüfen, dass Bolivar vor rund zwei Jahrhunderten möglicherweise einem Verbrechen zum Opfer fiel. Auch seien Tomographien des Schädels und aller Knochen gemacht sowie Röntgenbilder angefertigt worden.

Die Bilder der sterblichen Überreste wurden um 23.00 Uhr Ortszeit übertragen, Kinder sollten sie nicht sehen. Gezeigt wurde eine Gruppe von Wissenschaftlern in Kitteln und mit Handschuhen, die den Sarg Bolívars mit seinen sterblichen Überresten untersuchten. Während der Übertragung lief die venezolanische Nationalhymne.

"Viva Bolivar", sagte Chávez. "Es ist kein Skelett. Es ist der Große Bolivar, der zurückgekehrt ist." Die Überreste seien gut erhalten. Historiker sind zwar gemeinhin zu dem Schluss gekommen, dass Bolivar 1830 an Tuberkulose starb. Chávez vermutet aber, dass er ermordet wurde. Dabei räumte er selbst ein, dass dies vermutlich nie bewiesen werden kann. Zunächst sollen Wissenschaftler DNA-Tests vornehmen.

Chávez verehrt Bolivar und hat ihm zu Ehren Venezuela in die Bolivarische Republik Venezuela umbenannt. Er will nach eigener Aussage ein sozialistisches System basierenden auf Bolivars Idealen schaffen. "Das ruhmvolle Skelett muss Bolivar sein, weil seine Flamme zu fühlen ist. Mein Gott", schrieb Chávez via Mikroblog-Dienst Twitter. "Bolivar lebt. Wir sind seine Flamme." Der Staatschef hat angekündigt, die Überreste in einem goldenen Sarg in einem neu zu bauenden Pantheon zu bestatten.

Die Opposition bezeichnete die Öffnung des Sargs als lächerliche Show. Sie forderte den Präsidenten auf, sich stattdessen auf Probleme wie die Kriminalität, Inflation und Korruption zu konzentrieren.

hpi/dapd/afp



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