Fälschung Angebliche Jeanne d'Arc-Reliquie stammt von ägyptischer Mumie

Der Reliquienkult um die sterblichen Überreste der französischen Nationalheldin Jeanne d'Arc hat sich als dreiste Fälschung entpuppt. Die Knochen sind in Wirklichkeit die Überbleibsel einer ägyptischen Mumie, fanden französische Forscher heraus.

Paris - Nach einer sorgfältigen Untersuchung kamen 20 Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass es sich bei dem Knochen um den Rest einer ägyptische Mumie handelt. Die Forscher vermuten, dass die Fälschung im 19. Jahrhundert vorgenommen wurde, um die Seligsprechung der Johanna von Orleans voranzutreiben.

Die im 15. Jahrhundert lebende Bauerntochter gehört zu den wichtigsten Ikonen des französischen Nationalbewusstseins. Im Hundertjährigen Krieg zwischen Frankreich und England führte die junge Frau eine selbst zusammengestellte Einheit an und vertrieb die Engländer aus den Burgen südlich der Loire.

Wegen der Beschreibung ihrer Visionen wurde sie später als Ketzerin angeklagt und von der Inquisition auf den Scheiterhaufen geführt. Im Mai 1431 wurde Jeanne d'Arc in Rouen verbrannt. Über Jahrhunderte hinweg beschäftigten sich Literatur und Theologie mit ihrer Person. 1909 wurde Jeanne d'Arc schließlich selig und 1920 von Papst Benedikt XV. heilig gesprochen.

Die vermeintlichen Reliquien - ein Rippenknochen und ein Stück Kleidung - sollen nach ihrem Feuertod geborgen worden sein. 1867 wurden die Stücke von einem Apotheker dem Erzbistum Tours übergeben. Dass sich die Überreste jetzt ausgerechnet als ägyptische Mumie erwiesen, erklären die Forscher damit, dass Mumien im Mittelalter und auch später noch zu medizinischen Zwecken verwendet wurden und deswegen weit verbreitet waren. Die Ergebnisse der Untersuchung werden in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift "Nature" vorgestellt.

Im vergangenen Jahr waren die Wissenschaftler noch sehr zuversichtlich gewesen. Mit anatomischen und genetischen Analysen sowie Röntgenaufnahmen wollten sie die Überreste auf ihre Echtheit überprüfen und mehr über das sagenumwobene Leben der Jeanne d'Arc herausfinden, sagte Charlier. Zuerst ging es darum, die Knochen-, Holz- und Textilreste zu datieren und zu prüfen, ob sie tatsächlich von einem Körper stammen könnten, der auf dem Scheiterhaufen starb. Schließlich war Johanna im Jahr 1431 als Ketzerin verbrannt worden.

Ein Stück Leinen, das unter anderem untersucht wurde, stammt tatsächlich aus dem 15. Jahrhundert. Allerdings weist es keine Spuren eines Brandes auf - genauso wenig wie die anderen Gegenstände.

jaf/AP

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