Fälschungsverdacht Uni Frankfurt ermittelt gegen Protsch von Zieten

Die Universität Frankfurt hat interne Ermittlungen gegen Reiner Protsch von Zieten eingeleitet. Der Anthropologie-Professor steht im Verdacht, mit falschen Datierungen bedeutender Fundstücke einen Forschungsskandal ersten Ranges ausgelöst zu haben.


"Das Präsidium der Universität nimmt diese Vorwürfe ernst und hat sie an den Ombudsmann und die inneruniversitäre Kommission zum Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten weitergeleitet", hieß es am Mittwoch in einer Erklärung der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Die Kommission werde eine förmliche Untersuchung einleiten und der Hochschulleitung Empfehlungen zum weiteren Verfahren vorlegen.

Der SPIEGEL hatte berichtet, dass Protsch bedeutende Fundstücke zur Evolution des Menschen um Zehntausende Jahre zu alt geschätzt hat. Radiologische Datierungen der britischen Universität Oxford hatten ergeben, dass angeblich mehr als 30.000 Jahre alte Schädel zum Teil nur wenige Hundert Jahre alt sind. Verschiedene betroffene Museen bestätigten die Fehldatierungen. Protsch bezeichnete die neueren Untersuchungsergebnisse als fehlerhaft.

Der Skandalverdacht sorgt unter Anthropologen derzeit für beträchtlichen Wirbel. Manche Wissenschaftler sprachen gar davon, dass die Geschichte der Menschheitsentwicklung umgeschrieben werden müsse - was andere Forscher wiederum als übertrieben bezeichneten.

Auch die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit gegen Protsch wegen des Verdachts der Unterschlagung. Seine eigene Universität hatte ihn angezeigt: Er soll versucht haben, eine Sammlung von mehreren Hundert Affenschädel-Teilen zu verkaufen. Nach Darstellung der Universität gehören sie der Hochschule. Inzwischen hat der Institutsleiter Hausverbot und wurde suspendiert.

Universitätskanzler Hans Georg Mockel betonte, dass die Hochschule den ermittelnden Institutionen "schnell und rückhaltlos" zuarbeite und auf eine Klärung der Vorgänge dränge: "Unsere Verpflichtung liegt darin, diese Verfahren zu unterstützen." Weitere Schritte würden aber, falls notwendig, erst nach Abschluss der Ermittlungen eingeleitet.



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