Studie zur Gehirnaktivität Wer einen Fahrradhelm trägt, ist risikofreudiger

Viele Radfahrer vertrauen auf einen Helm. Allerdings kann der Kopfschutz offenbar auch dazu verleiten, ein größeres Risiko einzugehen - selbst wenn man gar nicht im Sattel sitzt.

Mann mit Fahrradhelm: Radelt man mit Helm risikofreudiger als ohne?
Klaus Vedfelt/ Digital Vision/ Getty Images

Mann mit Fahrradhelm: Radelt man mit Helm risikofreudiger als ohne?


Bei einem schweren Sturz kann ein Fahrradhelm die Gesundheit oder gar das Leben retten. Deswegen vertrauen viele Radlerinnen und Radler dem Kopfschutz. Eine Helmpflicht wird in Deutschland zwar immer wieder diskutiert, bisher gibt es sie aber nicht.

Das hat womöglich auch damit zu tun, dass Helme nicht nur positive Folgen haben. Unter anderem könnten Autofahrer sich rücksichtsloser gegenüber Radlern mit Helm verhalten - weil sie diese besser geschützt wähnen. Außerdem fahren Radfahrer mit Kopfschutz möglicherweise riskanter als ohne. Risikokompensation heißt der entsprechende Fachbegriff. (Lesen Sie hier eine Übersicht zur Frage, was für und gegen Fahrradhelme spricht.)

Forscher in Deutschland und Kanada haben nun eine interessante Studie vorgestellt, wonach ein Fahrradhelm auf dem Kopf nicht vorhandene Sicherheit vorgaukeln könnte, selbst wenn es um ganz andere Tätigkeiten als Radfahren geht. Im Fachmagazin "Psychophysiology" berichtet ein Team um die Psychologin Barbara Schmidt von der Universität Jena von Experimenten mit 40 Probanden. Diese hatten an einem Computer ein Kartenglücksspiel gespielt, bei dem man sich zwischen einer risikoreichen und einer risikoärmeren Variante entscheiden musste.

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Die Forschenden hatten der Hälfte der Probanden einen Fahrradhelm aufgesetzt - und zwar unter einem Vorwand: Der darauf montierte Eyetracker messe ihre Augenbewegungen während des Versuchs. Per Elektroenzephalografie (EEG) wurden außerdem die Hirnströme der Probanden während des Spiels gemessen. Dabei zeigte sich, dass die Hirnaktivität, die das Abwägen während Entscheidungsprozessen kennzeichnet, bei Helmträgern weitaus weniger ausgeprägt war als bei den Probanden ohne Helm.

Ein Gefühl der Sicherheit

Die Probanden in beiden Gruppen seien in ihrer Ängstlichkeit vergleichbar gewesen, so die Forscher. Daher sei der gefundene Effekt nicht auf einen generellen Gruppenunterschied zurückzuführen. "Das bedeutet, dass der Helm die Entscheidungsfindung im Risikospiel eindeutig beeinflusst", so Forscherin Schmidt. Offensichtlich assoziierten die Probanden ein Gefühl der Sicherheit mit dem Tragen des Helms.

Frühere Versuche hatten bereits nahegelegt, dass Helmträger sich auch abseits des Rades risikofreudiger verhalten könnten. Die neue Studie liefert dafür nun eine mögliche Erklärung: Die kognitive Kontrolle, also der Mechanismus während des Abwägens, sei mit Helm weniger ausgeprägt, so die Forschenden.

chs

insgesamt 93 Beiträge
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browserhead 15.08.2019
1. Könnte, eventuell, möglicherweise???
Über die Aussagekraft solcher "Studien" konnte man gestern noch beim "Mythos Multitasking" herzhaft schmunzeln. Jetzt geht es gleich weiter. Jawoll, die Fahrradhelmträger sind echte "daredevils". Das gleiche gilt sicher auch für Sicherheitsgurtanschnaller, Schienbeinschoner-Träger, Leuchtwestenträger, Schutzbrillenträger und Sonnenhutträger und Regenschirmeinpacker. Die einzigen Menschen, die ein vernünftiges Verhältnis zum Risiko zeigen, sind die, die bewusst (!) auf jeden Schutz verzichten und nackt durch die Wüste marschieren. Aber, was, wenn die auch noch auf göttlichen Schutz vertrauen????
kaybehrendt 15.08.2019
2. Sicher
Das gilt vermutlich auch für ABS, Sicherheitsgurte usw. Gurtpflicht abschaffen? ABS abschalten? Immer wieder schön, wie man Statistiken auswerten kann ;)
fatherted98 15.08.2019
3. sorry...
....aber solche Studien sind nicht das Papier wert auf dem sie stehen.
Sibylle1969 15.08.2019
4.
Ein Helm ist sicher sinnvoll, ich bin selbst schon mal beim Rennradfahren gestürzt und dabei auf den - behelmten - Kopf gefallen. Bis auf Schürfwunden, eine Beule und den kaputten Helm also glimpflich ausgegangen. Eine Helmpflicht lehne ich aber ab, denn der Nutzen einer Helmpflicht ist zu gering, um die Nachteile auszugleichen, nämlich dass eine Helmpflicht Leute vom Radfahren abhält. In allen Ländern, in denen eine Helmpflicht für Radfahrer eingeführt wurde, ist die Zahl der Radfahrer im Anschluss zurückgegangen.
surfingod 15.08.2019
5. Schwachsinn
Mittlerweile fahre ich 20 Jahre fast täglich mit dem Fahrrad in Berlin, anfangs ohne Helm jetzt mit, was aber eher dem Verkehr geschuldet ist. Meine Erfahrung ist, dass Risikofreudigkeit am Alter und nicht am Helm liegt, was ich auch bei mir selbst beobachten kann. Hervorstechend sind die, die sich mit ihren Fixies glauben produzieren zu müssen, und weil sie ja noch jung so cool sind, ohne Helm. Die Cleveren tragen Helm, die Dummen nicht
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