Ostsee-Fangquoten Weniger Hering, mehr Dorsch

Im wichtigsten Fanggebiet deutscher Ostseefischer dürfen künftig deutlich weniger Heringe gefangen werden. Dafür steigen die Fangquoten beim Dorsch. Zufrieden sind weder Fischer noch Umweltschützer.

Ostsee-Heringe
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Deutsche Fischer dürfen im kommenden Jahr weniger Heringe aus der westlichen Ostsee ziehen als noch 2018. Die erlaubte Fangmenge wird in dem wichtigsten Fanggebiet des Gewässers um 48 Prozent reduziert, wie die EU-Staaten nach einem Treffen der europäischen Fischereiminister in Luxemburg mitteilten.

Die Fangquote für den Dorsch in der westlichen Ostsee wird hingegen um 70 Prozent angehoben.

In absoluten Zahlen bedeutet die Einigung, dass im kommenden Jahr rund 4600 Tonnen Hering in der westlichen Ostsee gefischt werden dürfen. Beim Dorsch sind es rund 2000 Tonnen.

Die zuständige Ministerin Österreichs, Elisabeth Köstinger, sprach von einem "guten und ausgewogenen Kompromiss". Österreich hat derzeit die EU-Ratspräsidentschaft inne. Der Deutsche Fischereiverband und Umweltschützer kritisierten das Ergebnis hingegen aus unterschiedlichen Gründen.

Entscheidung weicht von Experten-Empfehlung ab

Mit ihrer Entscheidung bleiben die EU-Staaten beim Hering deutlich hinter dem von der EU-Kommission vorgeschlagenen Minus in Höhe von 63 Prozent zurück. Der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) hatte sich im Mai sogar dafür ausgesprochen, die Heringsfischerei in der westlichen Ostsee zunächst auszusetzen, damit der Bestand sich erholen kann.

Auch beim Dorsch erlauben die EU-Minister mit ihrem Beschluss vom Montag mehr Fang als von der EU-Kommission empfohlen. Die Brüsseler Behörde hatte ein Plus von 31 Prozent vorgeschlagen.

Hering
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Die EU-Fischereiminister legen in jedem Jahr die zulässigen Gesamtfangmengen fest. Die EU-Kommission gibt dafür vorab Empfehlungen auf der Grundlage des ICES-Gutachten, in denen der Zustand der einzelnen Bestände untersucht wurde. In den Verhandlungen geht es dann darum, Kompromisse zwischen den Interessen der Fischfangindustrie und dem Schutz der Fischbestände zu finden.

"Existenzbedrohend, sollte es keine Beihilfe geben"

Der Deutsche Fischereiverband zeigte sich angesichts der Einschnitte enttäuscht. "Mit einer Reduzierung der Quote für den Hering haben wir gerechnet, aber für die Fischer ist das existenzbedrohend, sollte es keine Beihilfe geben", sagte Sprecher Claus Ubl. Auch die Fangquote für den Dorsch in der westlichen Ostsee hält er für zu niedrig.

Heike Vesper vom WWF kritisierte die Entscheidung der EU-Staaten hingegen als unzureichend. "In der kommenden Fangsaison wird der einzige vernünftige Nachwuchsjahrgang seit Jahren im Netz enden, bevor er selbst ausreichend für Nachkommen sorgen kann", sagte Vesper.

Mehr Scholle und mehr Sprotte

Die Minister beschlossen am Montag außerdem, dass 2019 mehr Scholle (43 Prozent) und mehr Sprotte (3 Prozent) gefangen werden dürfen. Beim östlichen Dorsch verständigten sie sich darauf, die erlaubte Fangmenge um 15 Prozent zu reduzieren, beim Hering in der zentralen Ostsee um 26 Prozent.

Mit den Gesamtfangmengen wird bestimmt, wie viel Fisch von einem bestimmten Bestand in einem jeweiligen Jahr gefangen werden darf. Die Gesamtfangmengen werden unter den EU-Staaten dann als nationale Quoten verteilt. Wenn das in einer Quote erlaubte Kontingent ausgeschöpft wurde, darf das jeweilige Land dort vorübergehend keine Fische mehr fangen.

jme/dpa



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