Fast Food New York will Speisekarten zu Kalorienprangern machen

Aus Angst um die Gesundheit der Bürger will die New Yorker Gesundheitsbehörde Kalorienangaben auf Speisekarten sehen - zur Aufklärung und Verhütung. Der Gedanke, dass dies die Menschen davor schützt, sich fett und krank zu futtern, beruht allerdings auf zwei idealistischen Annahmen.

New York - Im selben Jahr, in dem der ebenso anheimelnde wie unappetitliche Dokumentarfilm "Supersize Me" des US-Filmemachers Morgan Spurlock in die Kinos kam, nahm die Schnellimbisskette McDonald's in den USA die Übergröße-Portionen aus dem Angebot: Ab Frühjahr 2004 gab es keine Supersize-Menüs mehr.

Doch die Kritik an den Anbietern fettiger, salziger und süßer Schnellgerichte riss nicht ab. Im Kontext der grassierenden Fettsuchtepidemie in den USA gelten Imbissketten und kleine Frittenbuden US-Gesundheitspolitikern als Hauptschuldige - Fettmacher aus Gewohnheit sozusagen.

In New York sollen Burger-Fans und Pommes-Freunde künftig mit bitteren Wahrheiten konfrontiert werden. Die zuständige Gesundheitsbehörde will einen Teil der rund 20.000 Lokale der Stadt dazu verpflichten, die in ihren Gerichten enthaltenen Kalorien auf der Speisekarte oder Preistafel anzugeben. Lesen die Kunden erst einmal, welche Kalorienbomben dabei sind, werden die Hungrigen diese künftig meiden - so die erste idealistische Annahme der Behörden.

Wie die Zeitung "New York Times" berichtet, wären davon auch die Filialen landesweiter Fast-Food-Ketten betroffen, etwa McDonald's, Kentucky Fried Chicken und Dunkin' Donuts. Einzelheiten sollen bei einer Expertenanhörung am heutigen Montag geklärt werden.

"Informationen über den Nährwertgehalt geben dem Verbraucher mehr Entscheidungsfreiheit und beeinflussen die Auswahl der Lebensmittel", erklärte die Behörde. Mit dem Projekt wolle sie dem grassierenden Übergewicht zu Leibe rücken. Ungesunde Ernährung gilt auch als maßgeblicher Risikofaktor für Herz-Kreislaufkrankheiten - und die Transfette machen schlicht noch fetter als andere Fette. Mit Hinweis darauf hatte die Stadt New York unlängst angekündigt, Transfette aus den Imbiss-Mahlzeiten ihrer Bürger verbannen zu wollen.

Kunden wissen nicht, was eine Kalorie ist

Den betroffenen Lokalen schmeckt der neuerliche Vorschlag überhaupt nicht. Charles Hunt, der Vizepräsident der New Yorker Restaurant-Gesellschaft, die ungefähr 3500 Lokale in der Stadt vertritt, vermutet hinter der Initiative nur den ersten Schritt zu weiteren Einschränkungen. Restaurantbesitzer halten die Idee für unfair und nicht praktikabel. Allerdings würde die Pflicht nach den Plänen der Behörde nur für solche Imbissbetriebe gelten, deren Menüs im hohen Maße standardisiert sind. Nach Angaben der Gesundheitsschützer wären das etwa zehn Prozent aller Restaurants in New York.

Dabei dürften viele Verbraucher über die Zahlen tatsächlich staunen: Ein Thunfisch-Käse-Sandwich kommt auf stolze 956 Kilokalorien und in einem "king size"-Burger-Menü mit Cola und Pommes steckten gar satte 2120 Kilokalorien, berichtet die "New York Times". Damit wäre der Tagesbedarf an Energie eines wenig aktiven Jugendlichen bereits gedeckt.

Die Schnellimbisskette McDonald's gibt zwar auf ihrer Website Auskunft über den Kaloriengehalt und auch in den einzelnen Restaurants hängen entsprechende Listen aus. Der Kunde erhält die Angaben in den USA allerdings nur auf der Unterseite der Papierunterlage seines Plastiktabletts. Die Stadt New York will diese Informationen auch auf der Speisekarte sehen. In einer idealen Welt wäre das sicher auch eine gute Maßnahme.

Filmemacher Spurlock hat in seinem Film jedoch bereits vorgeführt, dass Kalorienangaben nur bedingt sinnvoll sind: Mehrere Teenager, die er auf der Straße darauf ansprach, wussten nicht, was eine Kalorie ist.

stx/dpa

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