EU-Umweltagentur EEA Feinstaubbelastung verursachte mehr als 300.000 Todesfälle in der EU

Allein in Deutschland sind im Jahr 2019 Zehntausende Menschen vorzeitig gestorben – durch die Belastung ihrer Umgebungsluft mit Feinstaub. Mehr als die Hälfte dieser Todesfälle hätte laut EU verhindert werden können.
Über der polnischen Stadt Krakau hängt Smog

Über der polnischen Stadt Krakau hängt Smog

Foto: LUKASZ GAGULSKI / EPA-EFE

Jedes Jahr sterben in der Europäischen Union Hunderttausende Menschen vorzeitig – wegen der Belastung der Luft durch Feinstaub und andere Schadstoffe. Im Jahr 2019 kamen so schätzungsweise 307.000 Menschen in der EU ums Leben. Das gab die Europäische Umweltagentur EEA bekannt. Allein in Deutschland seien mehrere Zehntausend Menschen vorzeitig gestorben.

Die WHO rät zu strengeren Grenzwerten

Mehr als die Hälfte dieser vorzeitigen Sterbefälle in der EU – 58 Prozent – hätten der EEA zufolge theoretisch verhindert werden können, wenn alle Mitgliedstaaten die neuen Richtwerte der Weltgesundheitsorganisation  (WHO) eingehalten hätten.

Im September hatte die WHO die empfohlenen Grenzwerte für Schadstoffe in der Luft deutlich strenger gefasst: Das, was die Organisation für gesundheitlich vertretbar hält, liegt damit deutlich unter den derzeit geltenden EU-Richtwerten. Auch vorher schon lag der von der WHO empfohlene Höchstwert unter den Angaben in den EU-Richtlinien .

Als ein Gesundheitsrisiko »von besonderer Bedeutung für die öffentliche Gesundheit« bewertet die WHO Feinstaub. Dieser entsteht vor allem durch die Verbrennung von Brennstoffen, im Verkehr, im Energiesektor, in Haushalten, in der Industrie und der Landwirtschaft. Im Jahr 2013 wurden Außenluftverschmutzung und Feinstaub von der Internationalen Agentur für Krebsforschung als krebserregend eingestuft. Feinstaub kann tief in die Lunge eindringen, Kleinstpartikel könnten sogar in den Blutkreislauf gelangen, was Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System und die Atemwege habe, aber auch andere Organe beeinträchtige.

Nach WHO-Schätzungen sterben jährlich weltweit sieben Millionen Menschen frühzeitig infolge von Luftverschmutzung.

Investitionen, die Leben retten

Was die Daten der EEA zu den 27 EU-Mitgliedstaaten und 14 weiteren europäischen Ländern jedoch auch zeigen: Die Luftqualität in Europa war 2019 besser als im Vorjahr. Langfristig betrachtet gehe die Luftverschmutzung zurück.

Investitionen in saubere Möglichkeiten beim Heizen, im Verkehr, in der Landwirtschaft und der Industrie sorgten für eine bessere Gesundheit, Produktivität und Lebensqualität für alle Europäer und Europäerinnen, sagte der Exekutivdirektor der EEA, Hans Bruyninckx. »Diese Investitionen retten Leben und tragen auch dazu bei, den Fortschritt in Richtung CO₂-Neutralität und starker Biodiversität zu beschleunigen.«

Die EU-Kommission hat im Rahmen ihres sogenannten European Green Deal das Ziel ausgegeben, die Zahl der vorzeitigen Todesfälle durch die Belastung mit Feinstaub bis 2030 um mehr als 55 Prozent im Vergleich zum Jahr 2005 zu senken. Nach EEA-Angaben ist die Zahl der Sterbefälle zwischen 2005 und 2019 um etwa ein Drittel gesunken.

Auch andere Arten der Luftverschmutzung haben vorzeitige Todesfälle zur Folge: Rund 40.400 Menschen in der EU seien wegen einer chronischen Belastung mit Stickstoffdioxid vorzeitig gestorben, 16.800 weitere Todesfälle seien auf bodennahes Ozon zurückzuführen.

Luftverschmutzung durch Feinstaub, Stickstoffdioxid und bodennahes Ozon ist nach EEA-Angaben die größte von der Umwelt ausgehende Gefahr für die Gesundheit in Europa. Herzerkrankungen und Schlaganfälle seien die häufigsten Ursachen für vorzeitige Todesfälle, gefolgt von Lungenerkrankungen und -krebs.

vki/dpa
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