Felsenstadt Petra Archäologen finden Badehaus in der Wüste

Aus Petra berichtet

2. Teil: Warum die Umm al-Bijara strategisch überlebenswichtig für Petra war


Das Wassermanagement der Bergresidenz und der gesamten Stadt musste allerdings ständig gewartet werden. Sonst wäre schnell das passiert, was heute überall in Petra zu besichtigen ist: Die vielen Leitungen - einst allesamt mit Mörtel verkleidet oder mit Blei- und Tonrohren ausgelegt - sind zum größten Teil verwittert. Der nackte Sandstein kann den Elementen nicht lange trotzen. Auch die meisten Zisternen sind längst bis zum Rand mit Sedimenten gefüllt oder zugewuchert.

Zu ihrer Glanzzeit waren die Nabatäer dank ihrer Aquädukte in der Lage, eine Großstadt mitten in der Wüste zu versorgen. Mit dem Badehaus auf der Umm al-Bijara trieben sie den Schabernack mit dem Wasser buchstäblich auf die Spitze. "Es war völlig absurd, ein Badehaus an dieser Stelle zu bauen", sagt Schmid. Warum die Nabatäer es dennoch taten? "Weil sie es konnten. So haben sie gezeigt, welche Macht und Ressourcen sie hatten."

Allem Luxus zum Trotz dürfte es im Winter auf dem nackten Gipfelplateau der Umm al-Bijara äußerst ungemütlich zugegangen sein. "Das war wohl eher eine Sommerresidenz", sagt Schmid, "vermutlich ausgelegt auf längere Aufenthalte, da man den beschwerlichen Auf- und Abstieg kaum für Tagestrips auf sich nimmt." Ein Palast mit beheiztem Badehaus für den Sommer, auf einem Berg mitten in der Wüste - für die damalige Zeit ein geradezu obszöner Luxus.

Bauwettbewerb mit Herodes dem Großen?

Der Archäologe vermutet gar, dass die Herren über die Felsenstadt sich einen regelrechten Bauwettbewerb mit Herodes dem Großen geliefert haben, der im benachbarten Judäa herrschte. Auch der biblische Despot ließ gern auf Hügelspitzen bauen. Bei den Ausgrabungen in Petra - finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Berliner Exzellenzcluster Topoi - stellte sich heraus, dass die nabatäische Bergresidenz mehrere Parallelen zu den Palästen des Herodes aufweist.

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Antikes Petra: Bergpalast auf der Umm al-Bijara
Am deutlichsten werde das an der berühmten Festung von Masada, meint Schmid. Sowohl dort als auch auf der Umm al-Bijara befinde sich das Badehaus am "privatesten Ort": In der äußersten Ecke des Hochplateaus, so weit wie möglich entfernt vom Zugang zur Anlage. Zudem hätten die Erbauer beider Anlagen mit Sichtbarkeit gespielt, atemberaubende Panoramablicke seien Teil der Architektur. Selbst sein Grab, das 2007 nach langer Suche entdeckt wurde, ließ Herodes hoch oben auf einem Hügel errichten.

Der Frankfurter Althistoriker Manfred Clauss, der nicht an der Forschung in Petra beteiligt war, hält diese Interpretation für schlüssig. "Badeanlagen waren der größte Luxus, den man sich damals überhaupt leisten konnte." Zudem sei es in der Antike gängig gewesen, sich "bei der Prachtentfaltung in der Nachbarschaft umzusehen" und die Bauten anderer Herrscher nachzuahmen.

Die "Kombination aus strategischer Lage und Zurschaustellung von Wohlstand" kennzeichne sowohl Herodes' Bergpaläste als auch die Anlage in Petra, heißt es in einem Vorabbericht des von Schmid und Bienkowski geleiteten "International Umm al-Biyara Project". Denn nicht nur die Protzerei lässt die Forscher vermuten, eine königliche Residenz entdeckt zu haben - sondern auch die strategisch günstige Lage der Umm al-Bijara. "Der Berg war für die Stadt viel zu wichtig, als dass man Hinz und Kunz erlauben konnte, hier zu bauen", sagt Schmid, während er den Blick über die Berge der Gegend schweifen lässt.

Da Petra zwischen Felsmassiven eingekeilt ist, war aus der Stadt heraus kaum zu sehen, was in der Umgebung passierte - ein potentiell gefährlicher Nachteil. Von der Umm al-Bijara aber gibt es einen perfekten Rundblick, und der Berg war womöglich gar Teil eines Langstrecken-Nachrichtensystems. Auf den umliegenden Anhöhen haben die Archäologen Reste möglicher Wachttürme entdeckt. Auch auf der Umm al-Bijara gibt es laut Schmid eine Struktur, die einst ein solcher Turm gewesen sein könnte. Zumindest lege das ihre Position nahe, die perfekt für einen solchen Zwecke geeignet sei.

"Der nächste Wachtturm liegt für einen Reiter etwa eine Tagesreise entfernt", sagt Schmid. Per Feuerzeichen dürfte die Nachrichtenübermittlung aber nur Sekunden gedauert haben. Deshalb sei der Berg vermutlich Petras Tor zur Außenwelt gewesen. "Wer immer dauerhaft in dieser Stadt leben wollte, musste die Umm al-Bijara kontrollieren."

Petra, die Unbekannte: Lesen Sie im zweiten Teil der Serie, warum die antike Felsenstadt bis heute weitgehend unerforscht ist - obwohl sie schon von Millionen Touristen besucht wurde.

insgesamt 4 Beiträge
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gthm 30.05.2011
1. Badehaus damals im Grünen?
Vor 2000 Jahren war das Klima während des Römischen Klimaoptimums im Nahen Osten höchstwahrscheinlich wesentlich feuchter als heute. Das Badehaus in Petra, das heute in der Wüste steht, kann vor 2000 Jahren durchaus im Grünen gestanden haben und das Holz für die Heizung konnte vielleicht sogar vor der Tür geschlagen werden. http://de.wikipedia.org/wiki/Optimum_der_R%C3%B6merzeit
Monark™ 30.05.2011
2. Petra
---Zitat von SPON:--- Wer waren diese Nabatäer? Vor knapp 2600 Jahren wanderten sie ins heutige Jordanien ein, gründeten 400 Jahre später ein Königreich - und meißelten dann innerhalb weniger Jahrzehnte eine ganze Stadt aus dem Fels. ---Zitatende--- Das ist nicht ganz richtig. Was da aus dem Feld gemeißelt wurde und was die Touristen heute bewundern dürfen, waren Grabmäler. Gewohnt haben die Nabatäer in (gemauerten) Häusern, die allesamt einem Erdbeben zum Opfer fielen.
Layer_8 30.05.2011
3. Massada - Petra
Zitat von sysopForscher haben in der antiken Felsenstadt Petra einen rund 2000 Jahre alten Palast entdeckt, inklusive Luxus-Badeanlage und Fußbodenheizung. Die Residenz steht auf dem*höchsten Berg der Stadt - und könnte die Antwort auf Herodes'*legendäre Festung Masada gewesen*sein. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,763981,00.html
hihi, war an beiden Orten. -Massada, 1986: Übervoll mit Touristen -Petra, 1987: Phantastisch! Ich war der einzige Tourist dort. Und auch sonst überhaupt nicht vergleichbar mit Massada. Da ziehe ich lieber En-Gedi vor. Ich weiß natürlich um die Bewandnis Massadas für das jüdische Volk.
hellas79 30.05.2011
4. wikipedia?
Zitat von gthmVor 2000 Jahren war das Klima während des Römischen Klimaoptimums im Nahen Osten höchstwahrscheinlich wesentlich feuchter als heute. Das Badehaus in Petra, das heute in der Wüste steht, kann vor 2000 Jahren durchaus im Grünen gestanden haben und das Holz für die Heizung konnte vielleicht sogar vor der Tür geschlagen werden. http://de.wikipedia.org/wiki/Optimum_der_R%C3%B6merzeit
Wer schonmal auf der Umm al Biyara war weiß, dass selbst wenn das Bergplato voll dichtem Wald stand( was es bestimmt nicht tat) die Menge niemals ausgereicht hätte um die Anlage regelmäßig zu Heitzen. Abgesehen davon, die Art Bäume die da oben wachsen, verbrennen binnen kürzester Zeit und taugen nichts für eine kontinuierliche Befeuerung. Wikipedia ist da vielleicht nicht die seriöseste Quelle.
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