Fettsucht Wie ein 486-Kilo-Mann abspeckt

Noch im Juni wog er fast eine halbe Tonne, inzwischen hat Patrick Deuel rund 160 Kilo abgespeckt. Mit einer strengen 1200-Kalorien-Diät will der Amerikaner schlank genug werden, um sich den Magen verkleinern zu lassen.

Patrick Deuels immer dickeren Speckwülste bedrohten seine Gesundheit und zuletzt sogar sein Leben. Als er im Juni ins Hospital zu einem Fettsucht-Spezialisten eingeliefert werden sollte, mussten Handwerker zunächst eine Mauer in seinem Haus in Valentine, Nebraska, einreißen, um ihn in den speziell ausgerüsteten Krankenwagen bugsieren zu können.

"Als Patrick hier ankam, lag er im Sterben", berichtet sein Arzt Frederick Harris vom Avera McKennan Hospital in Sioux Falls, US-Bundesstaat South Dakota. Deuels Herz war krank, er litt unter Diabetes, hohem Blutdruck und weiteren, von Übergewicht verursachten Problemen. Das Atmen sei dem beinahe 500 Kilo schweren Mann schwer gefallen, sagte Harris der Nachrichtenagentur AP.

Um sein Gewicht zu bestimmen, stellten seine Betreuer ihn auf eine Lkw-Waage, mit der normalerweise die Ladung gemessen wird. Eine herkömmliche Personenwaage hätte die Last von 486 Kilogramm weder anzeigen noch aushalten können.

Magen-OP zu riskant

Mittlerweile macht der Patient Fortschritte - er nimmt dank einer strengen 1200-Kalorien-Diät stetig ab. Deuel wiegt nur noch 317 Kilogramm. Zum ersten Mal seit Monaten ist er ein paar Schritte gelaufen - vom Bett in den Flur des Krankenhauses. Wenn er es schafft, bis auf 140 Kilogramm abzuspecken, dann werden ihm die Ärzte den Magen verkleinern können. Bei seinem derzeitigen Gewicht wäre eine Operation ein zu großes Gesundheitsrisiko.

Im Oktober, so hofft Deuel, könnte er vielleicht in die Reha-Abteilung der Klinik wechseln. Er würde gern mal eine Runde im Swimming-Pool drehen: "Schwimmen war immer ein guter Weg für mich, um abzunehmen. Aber sie lassen mich nicht in den Pool, solange sie mich nicht wieder herauskriegen."

Schon als Kind war Deuel übergewichtig. Im Kindergarten wog er 40 Kilo, als Schüler 110. "Einiges war sicher genetisch bedingt", erklärt er. Sein Vater und sein Großvater brachten es jeweils auf über 130 Kilogramm. Aber auch sein Job spielte eine Rolle. Deuel arbeitete jahrelang als Koch und Restaurantmanager, da habe er Zugriff auf alles mögliche Essbare gehabt und so viel gegessen, wie er wollte, räumt er ein.

Fettsucht stellt in westlichen Industrieländern ein immer größeres Gesundheitsproblem dar. In den USA ist bereits jeder Dritte fettsüchtig, und Deutschland liegt die Quote bei rund 20 Prozent. Mediziner warnen immer wieder vor den dramatischen Folgen der zunehmenden Verfettung; gestoppt wurde die Entwicklung jedoch nicht.

Kasse will Abspecken nicht bezahlen

Anfangs wollte Deuel seinen Klinikaufenthalt noch geheim halten, wie viele andere Dicke, die sich für ihre überzähligen Pfunde schämen. Doch inzwischen hat er gemerkt, dass eine gewisse Öffentlichkeit im Kampf gegen das Fett auch helfen kann. "Solange die Leute hören, was ich zu sagen habe, und solange ich meine Botschaft rüberbringen kann, stört mich das Interesse nicht."

Probleme hat er jedoch mit der staatlich finanzierten Krankenkasse. Die weigerte sich nämlich, die Kosten der Abspeckbehandlung zu übernehmen. Sie sei medizinisch nicht notwendig, schrieb die Kasse, weil eine Gewichtsabnahme nicht aus Gesundheitsgründen geschehe, sondern nur, um besser auszusehen. Immerhin denkt man bei seiner Kasse Medicare, die auch die ärztliche Behandlung von Rentnern übernimmt, inzwischen über Programme für Fettsüchtige nach.

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