Fingerlänge und Verhalten Langfinger sind gute Aktienhändler

Wer mit Aktien handelt, braucht viel Erfahrung und ein gutes Händchen. Letzteres kann man nun wohl auch wörtlich nehmen: Wissenschaftler haben nämlich herausgefunden, dass Aktienhändler mit langen Ringfingern viel erfolgreicher sind als kurzfingrige Kollegen.


Sie müssen schnell und entschlossen entscheiden: Aktienhändler können in wenigen Minuten viel Geld gewinnen oder auch verlieren. Jahrelange Erfahrung hilft in dem riskanten Geschäft - aber offenbar lässt sich die Börsen-Begabung auch an der Länge des Ringfingers erkennen. Ein Forscherteam um den Physiologen John Coates von der Universität von Cambridge hat herausgefunden, dass Aktienhändler mit im Verhältnis zum Zeigefinger langen Ringfingern mehr Geld verdienten als kurzfingrige Kollegen. Selbst unter erfahrenen Aktienhändlern waren die "Langfinger" im Vorteil, wie die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift " Proceedings of the National Academy of Sciences" berichten.

Aktienhändler: Ringfingerlänge zeigt Erfolg
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Aktienhändler: Ringfingerlänge zeigt Erfolg

Für die aktuelle Studie untersuchten die Forscher die rechten Hände von 44 Aktienhändlern, die schnell entscheiden müssen. Die Männer mit verhältnismäßig langen Ringfingern verdienten in einem Zeitraum von 20 Monaten elf Mal so viel Geld wie die Kollegen mit den kürzesten Ringfingern. Im selben Zeitraum machten erfahrene Händler neun Mal so viel Profit wie Anfänger. Betrachtet man nur die erfahrenen Händler, verdienten diejenigen mit langen Ringfingern fünf Mal so viel Geld wie die die mit kurzen.

Die Länge der Finger bildet sich bereits im Mutterleib heraus und ist durch das Verhältnis weiblicher und männlicher Sexualhormone beeinflusst. Der Ringfinger wird länger, wenn der Fötus mehr Androgenen - männlichen Sexualhormonen wie Testosteron - ausgesetzt war. Für die Wissenschaftler ist das Verhältnis der Ringfinger- zur Zeigefingerlänge ein Marker für die hormonelle Prägung im Mutterleib, die ihrer Meinung nach auch das Gehirn und damit das spätere Verhalten des Kindes beeinflusst.

Vom Verhältnis zwischen der Ring- zur Zeigefingerlänge haben Wissenschaftler in früheren Studien auch schon andere Rückschlüsse auf das Verhalten geschlossen: Selbstsicherheit, Risikoeinschätzung, Hartnäckigkeit, Wachsamkeit und Aggressionsbereitschaft wollen Wissenschaftler an den Fingern ablesen können. In einer kanadischen Studie aus dem Jahr 2005 zeigte sich, dass - wenn der Ringfinger deutlich länger als der Zeigefinger war - Männer eher zu körperlicher Gewalt tendierten, als bei einem ausgeglichenen Verhältnis. Auch die sexuelle Präferenz eines Mannes oder Zeugungsfähigkeit wollen Wissenschaftler anhand dieses Fingerlängen-Verhältnisses ablesen können.

Die Forscher warnten allerdings vor voreiligen Schlüssen: Zwar gibt es offenbar einen Zusammenhang zwischen der Fingerlänge und risikoreichen Tätigkeiten, die schnelle Reaktionen verlangen. Doch dies sagt noch nichts über andere Begabungen aus, etwa den Umgang mit Kunden und Kollegen. Die "Langfinger" könnten sogar unterlegen sein, wenn zum Beispiel eine analytische und langfristige Strategie gefragt ist.

lub/AP



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