Vor Norwegens Küste Forscher identifizieren deutsches Wrack neben Starkstrom-Kabel

Vom "Unternehmen Weserübung", dem deutschen Überfall auf Norwegen, kehrte die "Karlsruhe" nie mehr zurück. Nun tauchte ein Roboter zu dem Weltkriegswrack auf den Grund des Skagerraks.
Unterwasseraufnahme vom Wrack der "Karlsruhe"

Unterwasseraufnahme vom Wrack der "Karlsruhe"

Foto: Statnett / REUTERS

Zum Schluss wollte Kapitän Friedrich Rieve das Schicksal doch noch selbst in die Hand nehmen. Sein Schiff, die "Karlsruhe", war vor nicht einmal drei Stunden von einem britischen U-Boot getroffen worden. Seitdem sank der 174-Meter-Kreuzer der Reichsmarine im Skagerrak kontinuierlich. Ein paar Hundert Matrosen konnten sich auf zwei Torpedoboote retten. Und nun, kurz vor 23 Uhr am 10. April 1940, gab Rieve seinen letzten Befehl als Kapitän der "Karlsruhe": Mit zwei deutschen Torpedos ließ er sein eigenes Schiff vollständig versenken.

Das alles geschah im Zweiten Weltkrieg, nur einen Tag nach dem Beginn des "Unternehmen Weserübung". So lautete der Deckname für den Überfall der deutschen Wehrmacht auf Norwegen und Dänemark. 

Eine Sonaraufnahme zeigt das Wrack auf dem Meeresgrund

Eine Sonaraufnahme zeigt das Wrack auf dem Meeresgrund

Foto: Statnett / REUTERS

Die "Karlsruhe" versank irgendwo vor der norwegischen Südküste nahe Kristiansand. Erst 2017 haben Forscher hier das Wrack eines Kriegsschiffs in der Tiefe entdeckt. Nun sind sie ganz sicher, dass es sich um die "Karlsruhe" handelt.

DER SPIEGEL

Das Schiff wurde anhand von Bildern und Sonar-Scans seines Rumpfes und von Details wie der Position von Geschütztürmen identifiziert. Dafür wurde das Wrack von einem Unterwasserroboter untersucht. Es liegt nur 15 Meter von einem seit 1977 in Betrieb befindlichen Unterwasser-Stromkabel entfernt.

Die Nazis hatten das in den Zwanzigerjahren gebaute Schiff mit einem Hakenkreuz versehen. Genau dieses Hakenkreuz ist jetzt auf Unterwasseraufnahmen zu erkennen, die vom norwegischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk NRK erstmals im Fernsehen ausgestrahlt wurden.

Die "Karlsruhe" verfügte über etliche Geschütztürme

Die "Karlsruhe" verfügte über etliche Geschütztürme

Foto: Statnett / REUTERS

Das Wrack liegt aufrecht auf dem Meeresboden in einer Tiefe von 490 Metern, etwa 13 Seemeilen (24 Kilometer) vor der Küste.

"Man kann das Schicksal der 'Karlsruhe' in Geschichtsbüchern finden, aber niemand hat genau gewusst, wo das Schiff gesunken ist", sagte der Archäologe Frode Kvaloe vom Norwegischen Schifffahrtsmuseum.

Statnett sagte, sein Unterwasser-Stromkabel, das Norwegen mit Dänemark verbindet, wäre weiter vom Wrack entfernt verlegt worden, wenn der Standort des Wracks zum Zeitpunkt des Baus bekannt gewesen wäre.

Der Angriff am 9. April 1940 markierte den Beginn der Nazi-Invasion in Norwegen und zwang die Regierung und den norwegischen König zur Flucht nach Großbritannien, wo sie bis zur Kapitulation Deutschlands 1945 im Exil lebten.

joe/Reuters
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